Ethan Cross – Spectrum

OT: Spectrum
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Bastei-Lübbe
Übersetzung: Rainer Schumacher

Spectrum-Reihe, Band 1

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Klappentext:

August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank – das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur – und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern.

© Bastei-Lübbe

Kritik:

»Ich bin die Nacht« setzte den Grundstein zu Ethan Cross’ Francis-Ackerman-Reihe. Dieser Roman konnte mich seinerzeit nicht überzeugen, weswegen ich mir den Rest der Serie nicht mehr gegeben habe. Mit »Spectrum« bringt Cross eine neue Reihe ins Rollen und ich dachte mir, dass jeder ja eigentlich eine zweite Chance verdient hat.

Zu Beginn war meine kleine Thriller-Welt auch noch in Ordnung. Die Geschichte wurde von einem interessanten Prolog eingeleitet, der definitiv Lust auf mehr gemacht hat. Schade nur, dass diesen Geschehnissen im Verlauf der Story kaum Platz eingeräumt wird und sie lediglich als Motivator für eine einzelne Figur sowie für die finale Auflösung herhalten mussten. Aus dieser Thematik hätte man sicher mehr machen können. Wenn die eigentliche Geschichte dann ins Rollen kommt, macht sich schnell Ernüchterung breit, denn (wie auch schon bei »Ich bin die Nacht«) sie hat wohl keine Chance darauf, einen Innovationspreis abzuräumen. Das wäre jetzt grundsätzlich ja kein Problem, wenn nicht über viele Passagen die Spannung auf der Strecke bleiben würde. Cross gelingt es mit »Spectrum« nicht, eine Bedrohungshaltung zu schaffen und durchgehend aufrechtzuerhalten. Das ist für dieses Genre schon sehr dicht am Genickbruch. Zudem leidet die Atmosphäre darunter, dass man sich als Leser oftmals gelangweilt fühlt. Was hingegen funktioniert sind die Twists, die in die Geschichte eingebaut werden und auch das Finale hat, bedingt durch eine Menge Action (auf die man ohnehin immer wieder trifft) seinen Reiz. Aber eine interessante Geschichte macht das noch nicht aus dem Roman.

So richtig in den Sand gesetzt hat Ethan Cross hingegen seine Figuren. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Es wird ein Haufen abgedroschener Klischeecharaktere präsentiert. Sei es nun der desillusionierte, alternde FBI-Agent oder der aus einer Mafiafamilie stammende SWAT-Beamte mit dem Dreck auf der weißen Weste. Es fehlt jedes bisschen Eigenständigkeit, über weite Strecken bleiben die Figuren oberflächlich bis zum geht-nicht-mehr. Wenn »Spectrum« ihnen dann ein bisschen Tiefe verleihen möchte, wirkt das nicht stimmig, sondern aufgesetzt und unpassend. Schade. Ich frage mich auch, woher die Mode kommt, einem der Haupthelden das Asperger-Syndrom anzudichten. Klar, dass man daraus eine Menge machen kann, weiß man spätestens seit »Rain Man«. Aber: Man sollte auch wissen, wie man die Krankheit einsetzt. August Burke hätte sicherlich das Zeug dazu gehabt, eine tolle Figur zu werden. Leider hat Cross seinen Ermittler aber zu einem absoluten Superman gemacht, der viele Rätsel binnen Sekunden knacken kann. Und falls er selbst es nicht kann, kennt er natürlich jemanden. Habe ich erwähnt, dass er auch noch gut mit Schusswaffen umzugehen vermag? Und wenn er gerade mal keine zur Hand hat, richtet es eben das aus dem Internet gelernte Krav Maga. Gut, er geht halt schon mal kotzen, wenn zu viele Leute um ihn herum sind, aber im Normalfall wartet er auch damit, bis sein Typ gerade nicht mehr benötigt wird. Für einen Heftroman wäre das vielleicht sogar noch passen, ein 500 Seiten starker Thriller wird dadurch aber schnell öde. Die Antagonisten hingegen wussten zu gefallen. Insbesondere Krüger ist eine Figur, die eben nicht durch und durch böse ist. Seine Beweggründe sind nachvollziehbar und auch die Selbstzweifel, die er an den Tag legt, haben Hand und Fuß.

Auch stilistisch konnte mich »Spectrum« nicht so recht überzeugen. Es tun sich erschreckende Parallelen zu »Ich bin die Nacht« auf, wo ich mich stellenweise ebenfalls fragte, ob Cross das jetzt tatsächlich ernst meint. Mitunter sind die Passagen gut geschrieben, vermitteln ein stimmiges Gefühl für Story und Szenerie. Andere Stellen negieren diesen Eindruck jedoch umgehend wieder, indem sie extrem einfach und salopp daher kommen. Es wirkt nicht wie aus einem Guss und das lässt die Wagschale rapide nach unten sinken.

Fazit:

Nun ist es amtlich, Ethan Cross hat auch seine zweite Chance vertan. »Spectrum« zeichnet sich eher durch einen überstilisierten Superprotagonisten als durch eine stimmige Spannungskurve aus. Dazu gibt es großzügig gestreute Klischees und eine Schreibweise, die nur stellenweise zu überzeugen wusste. Die vielen positiven Stimmen kann ich also so gar nicht nachvollziehen und sage hiermit ganz offiziell: Machs gut, Ethan Cross. Ich kann nicht behaupten, dass es eine gute Freundschaft gewesen ist.

Das denken die Anderen:

Books and Cats: 5/5 Sterne
Fluchtpunkt Lesen

Habt ihr auch Autoren, die jede Chance, die ihr ihnen gegeben habt, in den Sand gesetzt haben? Lasst uns doch einen Kommentar da!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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