OT: The Shepherd

Taschenbuch: 398 Seiten
Verlag: Bastei-Lübbe

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Klappentext:

Mein Name ist Francis Ackerman junior. Ich bin das, was man gemeinhin einen Serienkiller nennt. Doch ich töte nicht wahllos, und jedes meiner Opfer bekommt eine faire Chance, denn ich fordere es zu einem Spiel heraus. Wer gewinnt, überlebt. Ich habe noch nie verloren. Die meisten Menschen werden mich verabscheuen. Einige, die mir ähnlich sind, werden mich verehren. Aber alle, alle werden sich an mich erinnern. Mein Name ist Francis Ackerman junior. Ich bin die Nacht, und ich möchte ein Spiel mit Ihnen spielen.

Kritik:

Ich muss gestehen, dass mich bei diesem Buch als allererstes das Layout angezogen hat. Tiefschwarzes Cover und dazu passend auch noch ein schwarzer Buchschnitt, in dem Autor und Titel noch einmal verewigt wurden – das springt ins Auge. Ja, auch meinereiner ist nicht ganz unempfänglich für optische Qualitäten. Der Klappentext war dazu auch noch recht vielversprechend und somit musste dem Buch einfach eine Chance gegeben werden.

Leider ist es nun aber so, dass gute Optik und interessanter Klappentext nicht zwangsläufig auch zu einem guten Buch führen. Doch eins nach dem anderen. Man kann wohl mit ruhigem Gewissen behaupten, dass “Ich bin die Nacht” eine dieser klassischen Psycho-Serienkiller-Kamellen ist und somit kaum Anspruch auf einen Innovationspreis hat. Zumindest im ersten Drittel. Danach kommt dann ein Storytwist, der zwar unvorhersehbar ist, aber auf der anderen Seite auch irgendwie nicht so richtig in die Geschichte zu passen vermag. Bis dahin ist das Buch jedoch sehr spannend und auch nach diesem Break kann man nicht sagen, dass man es mit gepflegter Langeweile zu tun bekommt, die Geschichte ist temporeich und auch weiterhin interessant erzählt, ohne dabei allerdings ganz oben im Genre mitzuspielen.. Es bleibt jedoch immer ein etwas unangenehmer Nachgeschmack, da man sich fragt, was genau Ethan Cross nun damit bezwecken wollte. Vielleicht doch noch etwas Abkehr vom stereotypen Killer-Roman? So recht gelungen war es jedenfalls nicht. Ein weiterer Twist kommt dann noch nach dem eigentlichen Finale (welches durchaus als sehr gelungen angesehen werden kann) zum tragen – und der versaut dann viel positives, da er einfach aufgesetzt und gezwungen in Richtung Sequel abzielt. Auf welches ich nach diesem Schlusspart, in dem sämtliche Figurenentwicklung des restlichen Romans einfach über den Haufen geworfen wird, wenig bis gar keine Lust mehr habe.

“Ich bin die Nacht” bringt dabei, wenn wir schon einmal beim Thema sind, sicherlich auch nicht die originellsten Figuren der Thriller-Welt zusammen, sehr wohl aber interessante. Die Figuren sind zu großen Teilen glaubwürdig, Cross kommt ohne das pure Gute und das absolut böse aus und verleiht jedem seiner Charaktere auf diese Art einen durchaus realistischen Zug und eine gute Portion Charaktertiefe. Das sie alle immer noch etwas klischeehaft daher kommen, mag man unter diesem Aspekt verzeihen. Nicht jedoch, dass (wie oben erwähnt) sämtliche Charakterentwicklung durch diesen unglücklichen Abschluss negiert wird und einen noch sehr viel bittereren Nachgeschmack hinterlässt.

Stilistisch bin ich etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite zeigt Ethan Cross durchaus, dass er Schreiben und den Leser fesseln kann. Dann gibt es aber auch diverse Passagen, in denen ich mich fragen musste, ob das nun tatsächlich der Ernst des Autoren (Übersetzers?) gewesen ist. Sehr schade, denn über weite Strecken wusste das Buch in dieser Hinsicht schon gut zu gefallen.

Fazit:

“Ich bin die Nacht” macht an vielen Stellen vieles richtig, das kann man schwerlich bestreiten. Allerdings kommt es an anderen Punkten zu eklatanten Mängeln, besonders was die Storyführung mit ihren völlig unsinnigen wie auch überflüssigen Twists und damit in letzter Instanz auch die ansonsten eigentlich gelungenen Figuren betrifft. Schade, denn ohne diese Punkte (und natürlich den versauten Abschluss) wäre sicherlich mehr drin gewesen als ein solider Thriller mit streckenweise fadem Beigeschmack.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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