ready player oneErnest Cline – Ready Player One
OT: Ready Player One

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Fischer-Tor
Übersetzung: Sara Riffel, Hannes Riffel

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Klappentext:

Ernest Clines Bestseller ›Ready Player One‹ ist DER Science-Fiction-Roman zur Virtual-Reality-Revolution und Vorlage für den großen Kinoblockbuster von Steven Spielberg.

Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet …

»›Ready Player One‹ ist absolut fantastisch – ein großer Spaß für den Geek in mir. Ich hatte das Gefühl, als sei das Buch nur für mich geschrieben worden.« Patrick Rothfuss

© Fischer Verlage

Die Geschichte von »Ready Player One« klingt für jemanden wie mich, der viel mit den Filmen und den Games der 80er und 90er Jahre verbindet, nach einem absoluten Pflichtprogramm. Dabei auszublenden, was man an Positivem und Negativem zu Steven Spielbergs Verfilmung gehört hat, fällt allerdings nicht leicht. Trotzdem habe ich versucht, möglichst unbelastet an Ernest Clines Romanvorlage heranzugehen.

Zum Glück, denn auch wenn ich den Film bislang (noch) nicht gesehen habe, hatte sich doch schon eine gewisse Meinung bei mir gebildet. Ich kann nicht sagen, wie es sich verhalten hätte, wenn ich begeisterter Kinogänger wäre, aber unter den gegebenen Voraussetzungen hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Cline versteht sich sehr gut darauf, einen Spannungsbogen zu erzeugen, der sich zunächst langsam, im weiteren Verlauf aber mit zunehmender Geschwindigkeit, immer mehr steigert. Dadurch wird der Leser schnell in die Story hineingezogen, zumal auch die Atmosphäre von »Ready Player One« stimmt. Mehr oder weniger zumindest, denn insgesamt hätte ich mir doch gewünscht, dass weniger Zeit in der virtuellen Welt OASIS verbracht wird. Klar, die OASIS mit all ihren Möglichkeiten bietet eine Menge Spielraum für die vielen liebevollen Anleihen an die 80er, allerdings weckt die Geschichte öfters mal den Eindruck, dass ein vollständiges Aufgehen in der Scheinwelt durchaus dazu angetan ist, die realen Probleme nicht nur zu verdrängen, sondern ihnen tatsächlich ihre Tragweite nimm. Lediglich hier und da lässt Cline durchblitzen, dass es ja eigentlich eine viel bessere Idee wäre, die Ärmel hochzukrempeln und etwas zu tun – was aber eben doch halbherzig daherkommt und eine etwas fragwürdige Message verbreitet. Auch das Finale, welches sich zunächst sehr tempo- und actionreich angeht, wirkt in den abschließenden Minuten etwas oberflächlich und mager. Hier wäre deutlich Luft nach oben gewesen, die »Ready Player One« leider nicht nutzt.

Was die Figuren angeht steht das Buch völlig im Zeichen von Parzival, beziehungsweise Wade, wie er im realen Leben heißt. Der Hauptcharakter ist der einzige, der mit einem zumindest rudimentären Hintergrund daherkommt. Die anderen Schlüsselfiguren bleiben insgesamt noch deutlich blasser und anonymer – das kann man nun als eine Anleihe an die Anonymität der OASIS werten und erklären, ich persönlich hätte aber doch ein bisschen zusätzlichen Background angenehm gefunden. So wirkt die Konstellation der Akteure zwar stimmig, aber alles in allem eben auch etwas unfertig. Das ist ziemlich schade, denn auch hier wäre Platz für viel mehr gewesen. Im Endeffekt lässt »Ready Player One« den Leser nur mit dem Wissen um die eigentliche Geschichte und deren Ausgang zurück, wo andere Bücher tatsächlich das Gefühl vermitteln können, die Protagonisten kennengelernt zu haben. Dieser Effekt bleibt in Clines Werk leider weitestgehend aus. Wobei… den toten Jim Halliday kenne ich jetzt eigentlich doch ganz gut.

Über den Stil kann man hingegen nichts negatives sagen. Man merkt Ernest Cline an, dass er selbst sehr in der Zeit verankert ist, an die sein Buch fast schon eine Hommage darstellt. Das wirkt sympathisch und löste bei mir viele kleine Aha-Momente aus, in denen ich mich an meine eigene erste Begegnung mit bestimmten Filmfiguren, Musikstücken oder Computerspielen erinnert habe. Davon abgesehen gibt »Ready Player One« durchgehend Gas, der Leser wird durch das Tempo mitgerissen; die sehr bildliche Schreibweise macht es zudem einfach, ganz tief in die OASIS einzutauchen. Übersetzt wurde das Buch von Sara und Hannes Riffel; Stammleser erinnern sich vielleicht an das mit ihm geführte Interview, was schon sehr für die Qualität seiner Arbeit gesprochen hat. Und eben jene merkt man dem Roman ebenfalls an.

Fazit:

8»Ready Player One« hätte ein echtes Highlight werden können. Der Spannungsbogen, der konstant anzieht, die großartige Atmosphäre und das wahnwitzige Tempo wissen zu gefallen. Auch die Fähigkeit, beim Leser echtes Kopfkino entstehen zu lassen und ja, den älteren Jahrgang ein bisschen in die eigene Jugend zurückzuversetzen, tragen einen beträchtlichen Teil dazu bei, tief ins Buch einzutauchen. Leider versäumt Cline dabei allerdings, auch aufzuzeigen, dass die Flucht in virtuelle Welten nicht immer eine Lösung ist. Ich hätte gerne mehr über die (reale) Welt des Romans erfahren, warum alles so kam, wie es kam und wie die Menschen tatsächlich damit umgehen. Das und der Umstand, dass ein Großteil der Figuren mehr oder weniger anonym bleiben, sorgen für einen etwas faden Beigeschmack und damit auch Abzüge in der B-Note. Aber auch nur dort, denn unter dem Strich bleibt »Ready Player One« dennoch ein sehr unterhaltsamer Roman auf hohem Niveau.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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