Hinter uns liegen nun vier sehr aufschlussreiche Interviews mit vier verschiedenen Übersetzern, von denen jeder ein bisschen zu einem Gesamtbild beigetragen hat. Ursprünglich war es die Intention dieser Artikelserie, ein bisschen auf diesen in Deutschland oftmals übersehenen (oder unterschlagenen?) Teil der Buchveröffentlichung hinzuweisen und wir hoffen, dass uns das auch zumindest teilweise gelungen ist. Wir haben vieles erfahren, Andreas Brandhorst hat am Beispiel von Terry Pratchett vermittelt, wie mit eigenwilligem Wortwitz umgegangen werden kann, von Hannes Riffel haben wir erfahren, dass Übersetzer fast durchweg Quereinsteiger sind. Durch Markus Mäurer konnten wir den Blick weg vom Buch und auch hin zur Übersetzung von TV-Dokumentationen wenden und Joachim Körber hat uns erklärt, dass es das berühmte Schema F beim Übersetzen nicht gibt. Einig waren sich die Herren in vielen Punkten, wie zum Beispiel dem, dass es schwierig ist, deutsche Übersetzung ohne Kenntnis des Originaltextes auch tatsächlich zu kommentieren. Wichtig hierbei ist, so das Unisono, beim deutschen Leser den gleichen Effekt zu erzielen, den der Originaltext auf seine Leser hat – und wenn das gelingt, hat man einen guten Job gemacht. Auch wird bei den meisten Interviewpartnern noch viel auf Deutsch gelesen – was aber nicht nur daran liegt, dass es ja noch andere Sprachen als Englisch gibt, worauf die Reihe sich aber vorwiegend bezogen hat. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an unsere Interviewpartner.

Wir waren dabei nicht die einzigen, die das Thema beschäftigt hat, interessanterweise hat zu selben Zeit auch Tim Jung, seines Zeichens Verlagsleiter beim Atrium-Verlag und ebenfalls als Übersetzer tätig, auf seinem Facebook-Profil eine ähnlich geartete Diskussion angestoßen, die natürlich auf Grund der kurzen Reaktionszeiten in den Sozialen Netzwerken wesentlich heißer geführt wurde. Es war sehr interessant hier zu folgen, denn vom Grundsatz her gab es zwei Meinungen – die, dass eine Übersetzung ohne Kenntnis des Originals nicht bewertet werden kann und die, dass dies sehr wohl möglich wäre, denn es zeigt sich ja beim lesen, ob der Text schlüssig ist. Ich selbst bin nun ein wenig hin- und hergerissen, denn grundsätzlich gehörte ich zu den Vertretern der ersten Aussage. Allerdings muss ich auch sagen, dass durch die Gespräche, die ich führen konnte, doch ein gewisses Umdenken stattgefunden hat. Ich kann nach wie vor nicht sagen, ob die Übersetzung des Original gut oder schlecht ist, denn ich lese ausschließlich deutsche Bücher. Aber, und das sehe ich tatsächlich mittlerweile als den kleinsten gemeinsamen Nenner im Geflecht Autor – Übersetzer – Leser, ich kann sehr wohl feststellen, ob mir ein Text in der Übersetzung gefällt oder nicht. Unabhängig davon, wie dicht er sich am Original bewegt, ist das zumindest ein Indikator dafür, ob der Übersetzer einen guten Job abgeliefert hat. Wenn ein Buch sich flüssig und schlüssig liest, keine deutschen Stilblüten auftauchen (ehrlich, in einem Survival-Thriller sollten die Protagonisten nicht „kraxeln“ und kaputte Glühbirnen sollten verdammt noch mal flackern statt zu blinken!), kann man als Leser schon zufrieden sein. Wenn es dem Übersetzer dann längerfristig auch noch gelingt, dem Autoren eine wiederkehrende und gut zu identifizierende deutsche „Stimme“ zu verleihen, wie es zum Beispiel Herrn Brandhorst bei Pratchett (für mich immer noch DER Pratchett-Übersetzer, auch wenn die Meinungen da teilweise sehr auseinander gehen mögen) oder Herrn Körber bei Stephen King gelungen ist, dann ist das nur ein weiteres Indiz dafür, dass er seinen Job gut gemacht hat.

Natürlich, es gibt auch immer wieder die Situationen, in denen ein Übersetzer über die Jahre wechselt. King wird mittlerweile nicht mehr von Körber, Christensen oder Bergner (diese drei waren wohl für einen Großteil der „alten“ Romane tätig) übersetzt, Pratchett hat mittlerweile ebenfalls verschiedene Stimmen bekommen. Im erstgenannten Fall funktioniert das auch recht gut, hier bewegt sich eigentlich alles, was aktuell zu kriegen ist, auf einem sehr guten Niveau und in den allermeisten Fällen spricht der Übersetzer hier auch genau die Sprache, die ich von King zum jeweiligen Zeitpunkt seines Schaffens erwartet habe. In letzterem Fall muss man sagen, dass auch die Übersetzungen von Gerald Jung keinesfalls schlecht sind (zu den Neuübersetzungen von Regina Rawlinson kann ich nichts sagen), Kenner der englischen Werke sagen, sie seien sogar dichter an den Originalen, ich persönlich (ja, persönliche Meinung, hier darf gerne auch diskutiert werden) finde aber, dass Brandhorst die Scheibenwelt im deutschen Sprachraum so sehr geprägt hat, dass a) ein äußerst undankbarer Job sein muss, dieses Erbe anzutreten und dass es b) schwierig werden wird, mich komplett von Jungs Arbeiten zu überzeugen, insbesondere da teilweise tiefe Einschnitte vorgenommen wurden (das „Sitzen“ kannte man vorher auf der deutschen Schreibenden nicht). Christian Endres führte hierzu bereits 2011 ein Interview mit Gerald Jung, welches ihr hier nachlesen könnt. Ein sehr gutes Beispiel sind auch die Bourbon Kid-Romane von Anonymus, die mit ihren vier Bänden drei Übersetzer haben. Und die sich alle irgendwie anders lesen. Hier ist es wohl in erster Linie eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Was ändert sich nun also für mich/ uns? Als Leser zunächst mal gar nichts. Als Blogger… ich will zumindest versuchen, in zukünftigen Beiträgen auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner einzugehen. Wie liest sich der deutsche Text? Scheint die Übersetzung rund zu sein? Ich werde sicherlich nicht darauf beharren, dass die Übersetzung im Vergleich zum Ursprungstext „gut“ oder „schlecht“ ist, denn da bleibe ich bei meinem Standpunkt: das kann ich ohne Kenntnis des Originals nicht leisten. Ebenso wenig, wie ich die Arbeit der anderen im Hintergrund tätigen Personen nicht beurteilen kann, wie zum Beispiel die Lektoren und Korrektoren, denen man sicherlich noch eine ebenso umfangreiche Artikelreihe gönnen könnte.

Das war es dann, hiermit beenden wir unsere Reihe zum Thema Übersetzungen. Noch einmal vielen Dank an alle direkt und indirekt Beteiligten!

Wie sieht es bei euch aus, liebe Leser? Haben wir es geschafft, euren Blickwinkel auf die Dinge etwas zu ändern? Was denkt ihr zum „kleinsten gemeinsamen Nenner?“

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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