Im letzten Beitrag aus dieser Reihe haben wir versucht, eine von vielen Lesern übersehene Profession im Literaturbereich ein bisschen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken: die Übersetzer. Hierbei stand uns Andreas Brandhorst Rede und Antwort, der nicht nur auf eine Karriere als Übersetzer zurückblicken kann, sondern zeitgleich (und in erster Linie) auch als Science Fiction-Autor tätig ist und die Thematik somit aus dieser Perspektive etwas beleuchten konnte. Ein paar Leserstimmen haben wir in den Kommentaren auch erhalten, nicht unbedingt in einem repräsentativen Maß, aber immerhin. So schrieb Manuela, dass sie bei der Buchwahl nicht auf den Übersetzer achtet, da sie davon ausgeht, dass hier nach können ausgewählt wird. Maren hingegen achtet darauf, wer übersetzt – nicht, weil ihr schon mal eine schlechte Übersetzung untergekommen wäre, sondern weil sie es als Zeichen von Respekt gegenüber der entsprechenden Person versteht. Ich selbst muss gestehen, dass ich bestimmte Übersetzer schon aus Prinzip nicht mehr in mein Regal lasse, da mir das, was ich von dieser Person kenne, durch die Bank nicht gefallen hat. Das hat mich zu der Annahme gebracht, dass es vermutlich nicht am Autoren liegen kann. In jedem Fall aber: doppelt ärgerlich. Gott sei Dank handelt es sich dabei aber um Einzelfälle, die man insgesamt vernachlässigen kann.

Heute lassen wir im Rahmen der Reihe jemanden zu Wort kommen, der ebenfalls weiß, wovon er spricht. Hannes Riffel ist Gründer des Golkonda Verlages, der seit 2010 aktiv ist und ruhigen Gewissens als der deutsche Joe R. Lansdale-Verlag bezeichnet werden kann. Seit 2015 ist Herr Riffel zudem als Programmbereichsleiter SciFi/ Fantasy für die S. Fischer Verlage tätig. In seiner Funktion als Übersetzer ist er (natürlich) für einige Werke Lansdales wie zum Beispiel „Dunkle Gewässer“ oder „Das Dickicht“ verantwortlich gewesen. Ebenso finden sich bekannte Namen wie Neil Gaiman in der Liste, Riffel ist zudem auch für Werke von Stephen King („Joyland“) und seinem Sohn Joe Hill („Teufelszeug“) sowie die Zusammenarbeit „Im hohen Gras“ zu beachten, außerdem zeichnete er für die Neuübersetzung des Klassikers „Psycho“ verantwortlich. Seine Übersetzungen wurden mehrfach mit dem Kurd Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Alles in allem also jemand, den man gerne als richtigen Ansprechpartner ansehen kann – was wir im Interview natürlich auch getan haben. Interessant hierbei war zu sehen, dass er in einigen Punkten absolut konform mit Herrn Brandhorst geht, es in anderen dann aber doch Abweichungen gibt. Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß mit dem Interview und bedanken uns noch einmal bei Herrn Riffel für seine Zeit und die interessanten Antworten. Wie zu Beginn erwähnt haben wir allen Beteiligten zum einfacheren Vergleich die selben Fragen gestellt.

Viele Leser werden sich bestimmt fragen, wie man überhaupt Übersetzer wird, manche werden vielleicht sogar den Gedanken haben: »Ich spreche gut Englisch, ich mache das jetzt auch.« Welche Ausbildung sollte man mitbringen, um in Ihrem Metier erfolgreich und gut arbeiten zu können? Sollte man als Quereinsteiger überhaupt darüber nachdenken, haupt- oder nebenberuflich Literaturübersetzungen anzufertigen?

Literaturübersetzer sind fast alles Quereinsteiger. Die Unikurse, die da angeboten werden, sind oft zwar spannend, aber nur selten praxistauglich. Wichtig ist es, die Originalsprache in all ihren Facetten zu verstehen und die Zielsprache zu beherrschen. Da hilft vor allem die Lektüre sprachlich souveräner dt. Autoren, aber auch guter Übersetzungen. Und man sollte natürlich fleißig sein und diszipliniert arbeiten können, denn als Übersetzer bewältigt man innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums ein gewaltiges Pensum, und um da auf einen guten Seitenschnitt zu kommen, damit das Honorar dem Aufwand entspricht, bedarf es schon einer gewissen Routine.

Die wichtigste Frage ist wohl, wie viel des eigenen Stils in eine Übersetzung einfließen darf. Oder anders gefragt: kann sich ein deutschsprachiger Rezensent überhaupt ein Urteil über den Stil eines Autoren erlauben oder kann er nicht vielmehr (und ich bitte, das nicht abwertend zu verstehen) „nur“ den Stil des Übersetzers beurteilen?

Das hängt davon ab, ob der Rezensent sich die Mühe macht, ins Original zu schauen, und ob er die Voraussetzungen mitbringt, so etwas zu beurteilen. Ein Übersetzer muss natürlich nach Möglichkeiten versuchen, den Stil des Originals abzubilden, und das ist umso einfacher, je stilbewusster das Original ist. Schwierig ist das vor allem beim Gros der Unterhaltungsliteratur, die schon im Original oft schlampig geschrieben ist – da ist man als Übersetzer die ganze Zeit damit beschäftigt nachzubessern. In erster Linie ist es allerdings wichtig, dass eine Übersetzung überhaupt einen Sound hat, und den zu finden, ist alles andere als leicht.

Wie kann man sich die Herangehensweise an ein neues Projekt vorstellen? Arbeiten Sie alle Geschichten nach einem bestimmten Schema ab, oder ist die Arbeitsweise abhängig davon, mit welcher Art von Literatur Sie es zu tun bekommen?

Das ist tatsächlich projektabhänig. Meistens übersetzt man ja längere Romane, und da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Manche Übersetzer lesen das Buch stets vorher durch, andere möchten sich die Spannug bei der Arbeit nicht nehmen lassen. Manche Übersetzer fertigen erst eine Rohübersetzung an und überarbeiten dann mehrfach, andere versuchen bereits im ersten Durchgang möglichst nah an einen »fertigen« Text heranzukommen. Ich habe das Glück, dass ich oft mit meiner Frau Sara Riffel zusammengearbeitet habe, und dann fertigt der eine die Rohübersetzung an und die andere überarbeitet (oder umgekehrt), was der Qualität durchaus zuträglich ist.

Oftmals wechselt der Übersetzer eines Schriftstellers im Laufe der Zeit. Waren Sie schon einmal in der Situation, die Arbeit eines Kollegen fortsetzen zu müssen? Wie kann man solche Arbeiten stemmen, ohne die Fans der älteren Übersetzungen zu verprellen oder den Werken eines Autoren plötzlich ein ganz anderes Gesicht zu verleihen?

Das ist mir bisher nur bei Sara Douglass passiert, und da war die Übersetzung der ersten Trilogie einfach nicht besonders gut (das Original im Übrigen auch nicht). Ich weiß, dass das unter Fans ein kitzliges Thema ist, aber oft existiert da auch eine merkwürdige Begeisterung für eine Übersetzungs-»Stimme«, mit der man aufgewachsen oder in der man diesen oder jenen Autor eben kennengelernt hat. Und dann hat eine spätere, vielleicht sogar bessere Übersetzung kaum eine Chance. Ich würde mir jedenfalls wüschen, dass viele Leser sich erst einmal Fragen, ob sie überhaupt kompetent sind, ein Urteil zu fällen, bevor sie etwas im Bausch und Bogen verdammen. Wobei ein einfaches »gefällt mir nicht« ja immer erlaubt ist, denn das zeigt die immanente Subjektivität jedes Urteils – es sind eben Meinungen.

Ich habe durch die Übersetzung meiner Interviews lernen müssen, dass es mitunter schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist, bestimmte Phrasen und Aussagen ins Deutsche zu übertragen. Ich kann mir vorstellen, dass es bei Literaturübersetzungen noch einmal schwieriger ist, den Worten des Autoren treu zu bleiben, besonders wenn es zum Beispiel um Humor oder Wortspiele geht. Wie gehen Sie als professionelle Übersetzer mit solchen Situationen um?

Bei manchen Formulierungen geht es überhaupt nicht darum, dem Original treu zu bleiben. Das fängt bei der Syntax an, die bei vielen Übersetzungen viel zu nah an der Vorlage klebt (und damit unsere Umgangssprache ärmer macht), aber bei bestimmten Redewendungen, Wortspielen oder gar Witzen muss man sich eben schlicht etwas einfallen lassen, das auf dt. Leser möglichst die gleiche Wirkung hat. Oder man streicht eben etwas, bei dem einem partout nichts einfällt, und fügt an anderer Stelle etwas Vergleichbares ein, wo es passt. Wie schon erwähnt – wenn eine Übersetzung einen Sound hat, der dem der Vorlage nahekommt, dann kann man sich im Detail eine Menge erlauben, das den Text im Idealfall bereichert, ihn für die dt. Leser anschmiegsamer macht.

Liest man als Übersetzer überhaupt noch deutsche Ausgaben oder setzt man ausschließlich auf die Originale?

Nun ja, es gibt ja eine Menge Sprachen, bei denen man genauso auf Übersetzungen angewiesen ist wie »normale« Leser. Außerdem kann es oft spannend sein zu sehen, wie sich die Kollegen so schlagen. Allerdings lese ich englische Texte wirklich fast nur im Original, denn sonst fängt man automatisch an, im Korrekturmodus zu lesen, und das ist nicht immer ein Vergnügen.

Generell kann man wohl sagen, dass die deutsche Ausgabe eines Buches mit der Übersetzung steht und fällt. Kommen Sie sich unter diesem Aspekt mitunter nicht übergangen vor, wenn es in einer Kritik heißt „Autor XYZ ist ein Meister des geschriebenen Wortes“?

Kommt ganz auf das Buch an. Aber da hat sich so manches zum Positiven gewandelt, viele Kritiker sind sich bewusst, dass sie eine Übersetzung lesen, andernfalls kann ich sie auch nicht als kompetent akzeptieren. Wer allerdings rein zum Vergnügen schmökert, und das ist ja bei Weitem die Mehrheit, muss sich nicht unbedingt bewusst sein, von wem denn nun die Wörter da stammen, die er oder sie gerade liest – da geht es ja nur darum, ob es Spaß macht oder eben nicht. In diesem Sinne sollte der Übersetzer durchaus »unsichtbar« sein, aber das ist er eben nur dann, wenn er seinen Job gut gemacht hat. Und als Übersetzer weiß ich natürlich, dass man das selbst am wenigsten beurteilen kann, aber deshalb gibt es, manchmal zumindest, gute LektorInnen, die mit einem arbeiten, einem das Beste abverlangen und einen vor vielem bewahren.

Und wieder möchten wir an dieser Stelle die Diskussion eröffnen, also nur Mut und schreibt eure Meinung zum Thema Übersetzungen – habt ihr schon einmal was wirklich schlechtes gelesen und seit euch sicher, dass es an der Übersetzung lag? Wie steht ihr zu Neuübersetzungen von Klassikern?

Weitere Beiträge aus dieser Reihe:

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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