vincent preis

 

Wer sich regelmäßig und etwas eingehender mit der unheimlichen Phantastik beschäftigt, wird sicherlich schon einmal über den Begriff “Vincent Preis” gestolpert sein. Bereits seit 2007 wird die Auszeichnung jährlich verliehen, auch wenn im Startjahr zunächst nur die beste Kurzgeschichte gekürt wurde. Aber: Der Vincent Preis ist somit ein Vorreiter, denn einen Preis, der sich ausschließlich dem Horror-Bereich widmet, gab es bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nicht.

Der Initiator, Herausgeber Michael Schmidt (u. A. “Zwielicht”), wurde im Lauf der Jahre durch ein Team von Genre-Kennern verstärkt und ist schließlich, um dem Vorwurf der Vetternwirtschaft vorzubeugen, vor zwei Jahren aus dem Projekt Vincent Preis ausgeschieden. Betreut wird die Verleihung und die Auswertung derzeit von Markus Solty (der unter anderem auch hier bereits eine Gast-Rezension verfasst hat), Eric Hantsch (dem Herausgeber des CTHULHU LIBRIA NEO-Magazins und der Edition CL) und Elmar Huber, dessen Rezensionen in Phantastik-Kreisen ebenfalls sehr geschätzt werden und die unter anderem in seinem Blog El Mundo Fantastico zu finden sind.

Der Vincent Preis wird traditionsgemäß auf der Marburg Con vergeben, die Abstimmung für die diesjährige Preisverleihung hat Anfang Januar begonnen. Da es sich um einen reinen Publikumspreis handelt, der mittlerweile keinerlei Restriktionen mehr unterliegt, darf jeder, der daran interessiert ist, seine Stimme in den Kategorien Roman national, Roman international, beste Grafik, beste Anthologie/ bestes Magazin, beste Storysammlung sowie dem Sonderpreis abgeben. Am besten surft ihr dazu gleich auf die Homepage des Vincent Preis:

http://www.vincent-preis.de

Nun haben wir den Preis in diesem Artikel nur sehr kurz umrissen, was daran liegt, dass wir das Vergnügen hatten, Eric, Elmar und Markus selbst zum Gespräch bitten zu dürfen. Darum bleibt uns an dieser Stelle nicht mehr viel zu sagen, stattdessen möchten wir dem Team des Vincent Preis nun das Wort überlassen. Viel Spaß!

Hallo zusammen,

zunächst einmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, uns ein paar Fragen zum Vincent Preis zu beantworten.

VP-Team: Lieber Sebastian, danke für die Gelegenheit und auch ein großes SORRY, dass sich das so hingeschleppt hat, wie es leider oft mit Aktivitäten ist, die neben dem Alltag laufen.

Zunächst einmal die für viele Leser sicherlich interessanteste: Wer sind die Köpfe hinter dem Award?

VP-Team: DER Kopf ist auf jeden Fall Autor und Herausgeber Michael Schmidt, der den Award ins Leben gerufen hat, um der deutsche Horrorliteratur etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und die Verdienste der Autorinnen und Autoren recht zu würdigen.
Kurz darauf, das müsste 2010 gewesen sein, kam Elmar dazu, als er von Michael direkt deswegen kontaktiert wurde. Gemeinsam haben beide dann auf einem Con Eric Hantsch angesprochen, den Herausgeber von CTHULHU LIBRIA, inzwischen CTHULHU LIBRIA NEO und der EDITION CL. Markus Solty hat dann häufig Vorschläge für die Listen eingereicht und ist dann von Michael schließlich gefragt worden, ob er nicht ins Team einsteigen möchte. Vor zwei Jahren ist Michael schließlich ausgestiegen, u.a. weil er selbst, mit seinen ZWIELICHT-Anthologien, oft in der Gewinnerliste vertreten war und keinen Verdacht auf Vetternwirtschaft aufkommen lassen wollte.

Der Vincent Preis wird seit 2007 für Kurzgeschichten verliehen. Wie ist es zu der ursprünglichen Idee gekommen?

VP-Team: Michael Schmidt fragte sich 2006, welche aktuellen deutschsprachige Horrorautoren gibt es und sammelte daraufhin im Horror-Forum alle relevanten Neuerscheinungen. Schnell stellte man per Umfrage fest, die große Masse kannte nur die Heftromanautoren, aber selbst bei den Horrorexperten gab es da größere Lücken. In der folgenden Diskussion entstand der Gedanke, einen Horrorliteraturpreis ins Leben zu rufen, den gab es in Deutschland bis dato nämlich nicht. Auf Grund Uneinigkeiten, ob man einen Autorenpreis ähnlich dem Nebula Award oder einen Leserpreis wie den Hugo startet, schlief das Thema wieder ein.
Michael griff die Idee dann 2007 erneut auf und rief den Vincent Preis ins Leben. Der Name ist eine Wortspielerei zum Schauspieler Vincent Price und wurde von der Autorin Charlotte Engmann aufgebracht.

Seit 2008 sind die Rubriken deutlich umfangreicher geworden, zu den Kurzgeschichten gesellten sich Anthologien, nationale und internationale, Hörbücher, Grafiken und noch mehr. Habt ihr euch bewusst für die Ausweitung entschieden oder ist das auf Publikumswünsche zurückzuführen?

VP-Team: Warum das zu Anfang nur Kurzgeschichten waren, habe ich auch gar nicht mehr parat. Ich kam auch erst 2010 dazu. Dass die Idee am “Stammtisch” geboren wurde klingt vielleicht etwas abwertend, doch das war es zunächst: Eine Idee ohne wirkliche Vorstellung, wie das zu organisieren ist oder welche Kreise das möglicherweise zieht oder welcher Aufwand notwendig ist, alles zusammen zu sammeln und auszuwerten. So erklären wir uns die anfängliche Beschränkung auf den Status als “Testballon”. Ziemlich schnell leuchtete dann ein, dass die Beschränkung auf Kurzgeschichten eigentlich ungerecht ist, erscheinen ja außerdem eine erkleckliche Anzahl Anthologien/Storysammlungen und natürlich auch Romane jedes Jahr.
Hörspiele mit rein zu nehmen, war eine Idee von Elmar, da hier auch sehr viel erscheint und er selbst relativ viele Hörspiele und Hörbücher hört. An der Anzahl der Stimmen dafür war dann aber abzusehen, dass das anscheinend die wenigsten Leser teilen, also haben wir die Kategorie wieder rausgenommen.
Meist kommt einer von uns mit einer Idee um die Ecke und wenn uns allen das einleuchtet, probieren wir gerne mal was, wie jüngst die Aufteilung von Antho/Magazin und Storysammlung in zwei Kategorien. Auch an den Teilnahmeregeln haben wir schon einige Male geschraubt. Teils auf Basis von Rückmeldungen, teil aus eigenem Antrieb, so z.B., dass inzwischen jeder stimmberechtigt ist, einfach um den VP auch bekannter und “zugänglicher” zu machen und die Teilnahme nicht an Bedingungen geknüpft ist. Das würde ich auch selbst nicht wollen und wohl eher nicht abstimmen. So ist der VP auch wirklich ein Publilkumspreis.

Traditionsgemäß werden die Gewinner auf der Marburg Con bekanntgegeben. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

VP-Team: Wie Michael Schmidt ausgerechnet beim Marburg Con gelandet ist, können wir dir gar nicht sagen. Die Erreichbarkeit/Wegstrecke spielt da sicher eine Rolle und die Größe der Veranstaltung passt dafür auch sehr gut und auch mit den Veranstaltern, dem Marburger Verein für Phantastik, hat sich über die Jahre ein schönes, familiäres Verhältnis entwickelt. Denkbar wäre natürlich noch der Buchmesse Convent in Dreieich gewesen aber da wurde zu dem Zeitpunkt immer der DPP verliehen, außerdem ist die Veranstaltung sehr viel größer. Da so hoch auf die Bühne zu müssen, das kostet schon Überwindung 😉

Habt ihr bei der Einführung des Awards damit gerechnet, dass er so langlebig sein würde und sich zu einem der, wenn nicht sogar dem, wichtigsten deutschen Publikumspreise im Bereich der unheimlichen Literatur entwickeln würde?

VP-Team: Ist das so? Wir können bestätigen, dass der VP in der Kleinverlagsszene sehr gut angenommen wurde und das Renommee gewachsen ist, inzwischen machen wir das auch schon 10 Jahre. Einige werben sogar damit, an Con-Ständen oder auf ihren Webseiten oder es wird in Autorenvitae genannt. Das ist schon sehr schön zu sehen. Und nein, damit haben wir nicht gerechnet. Andererseits fehlt uns auch die Zeit, wirklich massiv Werbung zu machen und uns überall aktiv zu positionieren. Es wäre also sicherlich noch mehr drin.

Wie kann man sich eure Arbeit vorstellen? Setzt ihr euch in regelmäßigen Abständen zusammen und sichtet die Veröffentlichungen der einschlägigen Verlage oder setzt ihr da vorwiegend auf die Mitarbeit der Abstimmenden? Wie viel Zeit müsst ihr in den Vincent Preis investieren?

VP-Team: Wir treffen uns meist nur zweimal im Jahr, wenn überhaupt, nämlich auf dem Marburg Con und dem Buchmesse Con. Und meist geht es da beim quatschen gar nicht um den VP. Die Hauptsache läuft also über E-Mail. Was die Sammlung der Werke angeht, sprechen wir uns gar nicht ab. Jeder stellt in den Blog (inkl. der Gesamtlisten), was ihm so vor die Flinte kommt. Das ist recht überschaubar. Die richtige Arbeit geht los, wenn der Abstimmungszeitraum beginnt, also jetzt kürzlich am 01.01.2018, und die Stimmen eintrudeln. Dann geht es ans Listen erstellen und ans Punkte eintragen. Das macht jeder für sich, da einem doch schon mal die ein oder andere Stimme durchrutschen kann und gegen Ende gleichen wir unsere Listen ab, bis wir ein gemeinsames Ergebnis haben.

Das Abstimmungsverfahren wurde über die Jahre modifiziert. Zunächst waren meines Wissens nach lediglich die Mitglieder des Horrorforums stimmberechtigt, später wurde es dann auch für Blogger und andere „Experten“ geöffnet. Für die letzte Preisverleihung wurde auf eurer Homepage ein öffentlich zugängliches Formular eingeführt, welches allen Interessierten ein Voting ermöglicht. Wie kam es dazu und seht ihr die Gefahr als gegeben, dass die freie Zugänglichkeit von Verlagen oder Autoren ausgenutzt werden könnte?

VP-Team: Weiter oben sind wir darauf schon eingegangen. Wir selbst würden uns nirgends anmelden wollen, nur um irgendwo mitzustimmen. Also weg mit dieser Hürde. Was das “ausnutzen” angeht behalten wir uns das Recht vor, einzelne Stimmzettel auch nicht zu werten, wenn etwas auf Massen- oder Sympathievoting hindeutet. Unsere Alarmzeichen wollen wir jetzt mal bewusst nicht nennen. Übertrieben dargestellt z. B. ist es kaum anzunehmen, dass eine einzelne Kurzgeschichte 200 Stimmen bekommt.

Hat sich das neue System in der Anzahl der Abstimmungen niedergeschlagen? Wie ist das Abstimmungsverhalten seit der Einführung des Preises generell zu sehen?

VP-Team: Die Anzahl der Stimmen ist über die Jahre kontinuierlich aber überschaubar gewachsen. Mit der Einführung des Webformulars nahezu explodiert 🙂 Also das waren letztes Jahr schon deutlich mehr als die doppelte Anzahl Stimmen des Vorjahres.

Wird der Vincent Preis auch zukünftig ein Horror-Preis bleiben oder könnt ihr euch vorstellen, die Genre-Eingrenzung fallen zu lassen und auch andere, weniger unheimliche, Phantastik-Veröffentlichungen mit einfließen zu lassen?

VP-Team: Nein, der VP wurde speziell als Horror-Preis eingeführt, da das Genre vorher so etwas gar nicht vorzuweisen hatte. Ansonsten gibt es den eher allgemeinen DPP und den DSFP für die Science-Fiction und den Deutschen Fantasy Preis und den Seraph und wasweißich, die eher eine breite Ausrichtung haben. Die Grenzen sind natürlich immer unscharf und im Einzelfall besprechen wir uns auch mal.

Was sind die Pläne für die Zukunft? Wird der Vincent Preis auch weiterhin eine alljährliche Tradition bleiben?

VP-Team: Das haben wir auf jeden Fall vor. Wie wohl schon herauszulesen war, hätten wir nichts gegen mehr Zeit und weitere Unterstützung. Technisch ist bestimmt auch noch mehr drin, wie z. B. eine Automatische Stimmauszählung, wovon wir einfach keine Ahnung haben. Wenn jemand der Leser uns also unterstützen möchte oder eine schlaue Idee hat, wie etwas zu automatisieren ist, sind wir dafür offen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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