OT: The Boondock Saints (CAN/ USA 1999)

Regie: Troy Duffy

Darsteller: Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Willem Dafoe, David Della Rocco

Freigabe: FSK 18
Laufzeit: 103 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Boston, am Abend des St. Patrick‘s Day: Die irischen Zwillingsbrüder Connor und Murphy MacManus sitzen in ihrer Stammkneipe, als plötzlich Schläger der Russen-Mafia auftauchen und das Lokal schließen wollen. Doch sie haben die Rechnung ohne die Brüder gemacht – die Beiden töten die Russen und gelten in der Öffentlichkeit plötzlich als Heilige, als „Boondock Saints“. Ihnen ist klar: Sie wurden von Gott auserwählt, die Welt vom Bösen zu befreien! Dadurch motiviert beschließen sie, den Kampf gegen die Bostoner Unterwelt aufzunehmen – mit Hilfe von FBI-Agent Paul Smecker, der sich überraschend auf ihre Seite schlägt. Die gnadenlose Jagd auf die Mafia-Bosse beginnt …

Kritik:

Ich bin immer etwas vorsichtig im Umgang mit dem Begriff „Kultfilm“. Nur wenige Titel, denen dieser Status zugeschrieben wird, haben ihn meiner Meinung nach tatsächlich verdient. „Der blutige Pfad Gottes“ von Troy Duffy gehört aber auch in meinen Augen definitiv dazu.

Aus diesem Grund kann ich auch nicht einmal genau sagen, wie häufig ich den Film mittlerweile gesehen habe. Der Einfachheit halber belassen wir es also schlicht bei „oft“. Trotz der vielen Durchläufe im Player macht „Der blutige Pfad Gottes“ jedes Mal aufs Neue Spaß. Der Spannungsbogen, welcher bei der Erstsichtung ziemlich steil nach oben geht, ist zwar mittlerweile etwas ausgelutscht, aber was solls schon. Unterhaltsam ist das Gemetzel, welches die MacManus-Brüder in Boston veranstalten, immer noch. Das liegt in erster Linie an dem speziellen Charme und der leicht bizarren Atmosphäre, die „Der blutige Pfad Gottes“ versprüht. Für beides zeichnet vorwiegend die Figur des FBI-Agenten Smecker verwantwortlich, dazu aber gleich mehr. Und die moralische Seite? Ja, im Grunde genommen hat man es mit einem Selbstjustiz-Actioner zu tun. Allerdings werden die Handlungsweisen der Brüder durch eine Menge schwarzen Humor über weite Strecken doch arg relativiert. Von einer Glorifizierung zu sprechen, was seinerzeit zur (mittlerweile aufgehobenen) Indizierung geführt hat, halte ich persönlich für falsch.

Die Charaktere in „Der blutige Pfad Gottes“ sind in erster Linie eines: überzeichnet bis ans Comichafte. Die beiden Hauptfiguren, Murphy und Connor MacManus, sind dabei fast noch die bodenständigsten, schließlich starten sie ihre blutige Mission aus der Notwehr heraus. Dass sie dabei zu Beginn recht amateurhaft zu Werke gehen, ist nur logisch und realistisch – und damit der Punkt, der die BPjM wohl seinerzeit am meisten beeinflusst hat. Nimmt man nun aber die anderen Charaktere dazu, sieht das Bild gleich ganz anders aus. Ja, auch Smecker ist zu Beginn noch recht „normal“ gehalten, spätestens ab der halben Laufzeit ist er jedoch vieles, nur nicht mehr realistisch. Der Wahn, in den er sich während seiner Ermittlungen steigert, wird von Willem Dafoe großartig in Szene gesetzt. Für mich ist er ohnehin die heimliche Hauptfigur des Films. Aber auch David Della Rocco trägt durch seine Figur und die Darstellung derselben eine Menge zum abgehobenen Stil des Titels bei.

Was die Umsetzung angeht, ist „Der blutige Pfad Gottes“ sicherlich nicht jedermanns Sache. Schon die Erzählweise auf zwei versetzten Zeitschienen, die sich dann irgendwie treffen (aber auch nicht so richtig) mag zunächst für etwas Verwirrung beim Zuschauer sorgen. Auch die mitunter sehr bleihaltige Luft und die blutig inszenierten Shootouts mit der teilweise recht schrägen Kameraführung sind Geschmackssache. Aber das ist wohl ein Teil dessen, was den „Kultfaktor“ des Films ausmacht. Es gilt eine ähnliche Prämisse wie auch für die Werke eines Quentin Tarantino: Man mag es oder eben nicht. Viel dazwischen gibt es nicht.

Fazit:

Der blutige Pfad Gottes“ ist einer der wenigen Filme, denen ich das Attribut „Kult“ tatsächlich zugestehen würde. Die Inszenierung und die Erzählweise sind interessant, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Die Figuren, insbesondere Special Agent Smecker, haben einen hohen Wiedererkennungswert und sind im Genre vergleichsweise einzigartig. Was die Brutalität und die (eventuell) vorhandene Message des Films angeht, so ist beides absolute Geschmackssache. Ich für meinen Teil zähle den Titel zu meinen Lieblingsfilmen, der nächste Durchlauf wird sicherlich über kurz oder lang folgen.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Capelight Pictures

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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