OT: The Boondock Saints: All Saints Day (USA 2009)

Regie: Troy Duffy

Darsteller: Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Billy Connolly, Clifton Collins Jr.

Freigabe: SPIO/ JK
Laufzeit: 113 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Von Troy Duffy, Drehbuchautor und Regisseur von Der blutige Pfad Gottes, kommt diese lang erwartete Fortsetzung der knallharten, stilisierten, innovativen Saga der MacManus-Brüder (Norman Reedus, Sean Patrick Flanery). Die beiden halten sich mit ihrem Vater, Il Duce (Billy Connolly), in den tiefen Tälern Irlands versteckt, weitab von ihrer früheren Existenz als Selbstjustiz ausübende Rächer. Als ihnen zu Ohren kommt, dass ein geliebter Priester von dunklen Kräften innerhalb der Mafia umgebracht worden ist, kehren die Brüder nach Boston zurück, um gewaltsam und blutig die Mörder zur Verantwortung zu ziehen. Mit einem neuen Komplizen (Clifton Collins Jr., Star Trek) und einer sexy FBI-Agentin (Julie Benz, TV-Serie „Dexter“) heften sie sich an ihre Fersen… Die Saints sind wieder da!

Kritik:

Erst vor Kurzem zeigte ich mich an dieser Stelle sehr begeistert von „Der blutige Pfad Gottes„. Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen, trägt das Prädikat „Kultfilm“ absolut zu Recht… und hat ein Sequel. Bei so einem Vorgänger ist es eine schwierige Aufgabe, den Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen.

Fast hat macht es dabei dann auch den Eindruck, dass Regisseur Troy Duffy die große Fanschar des Vorgängers auf billigste Art zufriedenstellen will: Mit einer Fortsetzung, die man fast schon ein Remake des ersten Teils nennen könnte. Zwar sind in „All Saints Day“ die Voraussetzungen, unter denen Connor und Murphy MacManus auf Verbrecherhatz gehen, etwas anders, das war dann aber auch schon der große Unterschied zwischen den beiden Filmen. Der Rest ist in vielen Punkten absolut identisch. Von den Innovationen, die der Pressetext so lautstark beschwört, lässt sich im zweiten Teil der Reihe nicht mehr viel bemerken. Der Spannungsbogen setzt auf die gleichen Elemente wie Teil eins, die Atmosphäre soll in eine ähnliche Richtung gesteuert werden, entfaltet aber nicht die gewünschte Wirkung. Dafür ist das Gezeigte einfach zu ähnlich. Auch der Twist am Ende funktioniert nicht richtig, man hat kommen sehen, was passieren würde.

Auch die Charaktere sind nahezu identisch mit dem ersten Teil. Natürlich ist das im Fall der MacManus-Brüder, die wieder sehr gut von Norman Reedus und Sean Patrick Flanery verkörpert werden, nicht weiter schlimm. Sie tun genau das, was von ihnen erwartet wird. Okay, genau genommen ist das schon irgendwie etwas schwach, denn wo man in im Vorgänger noch zwei Typen, die irgendwie in die Scheiße geraten sind präsentierte, hat man es hier nun mit zwei abgebrühten Killern zu tun. Sie nehmen das Geschehen einfach zu cool hin und wirken nicht so verpeilt und ahnungslos wie im ersten Teil. Ähnliches gilt für Il Duce, den Vater der beiden Herren. Wo ihn im ersten Teil noch der Hauch des mysteriösen umwehte, ist er hier halt schon altbekannt. Die Origin-Story, die ihm das Script verpasst, ist zwar nett, reißt aber die Schwäche in der Charaktergestaltung nicht mehr raus. Die schlägt nämlich in epischer Tiefe und Breite zu, wenn zunächst der Mexikaner Romeo auf den Plan tritt. Der wirkt in seinem Auftreten nämlich 1 zu 1 wie Rocco. Wo der Italiener aus dem ersten Teil noch entscheidend zum Flair des Films beigetragen hat, ist sein Nachfolger einfach nur ein Abziehbildchen seines Charakters. Noch viel schlimmer ist aber FBI-Agentin Bloom, die das weibliche Äquivalent zu Agent Smecker aus dem Vorgänger ist. Nur mit Brüsten. Und wesentlich schlechter. Wo Dafoe im ersten Teil den Wahnsinn gelebt hat, wirkt Julie Benz einfach deplatziert – und vor allem wie eine schlechte Kopie. Die Präsentation wurde auch hier nahezu unverändert übernommen. Und das haut einfach nicht hin. Einen Charakter wie Smecker kann man weder ersetzen noch kopieren – und das gilt ebenso für die Darstellung durch Willem Dafoe. Auch ein Gastauftritt von Peter Fonda kann da keinen Blumentopf mehr gewinnen. Was ebenfalls unangenehm aufstößt, ist die Tatsache, dass das Gebet der „Heiligen“ im zweiten Teil in der Lokalisierung einen anderen Wortlaut erhalten hat. Das nennt man groben Pfusch am Bau.

Die Umsetzung selbst führt das Prinzip „Kopier deinen eigenen Erfolg“ ebenso ungeniert fort. Die Inszenierung der Shootouts ist altbekannt und nutzt sich mit der Zeit zunehmen ab. Die Spannung fehlt, da man als Kenner des ersten Teil ohnehin spätestens nach einem Drittel der Laufzeit sagen kann, wie „Der blutige Pfad Gottes 2“ weitergehen wird – und auch wie es umgesetzt sein wird. Das ist nicht reizvoll, das ist kein Fan-Service. Das ist einfach langweilig und wirkt unglaublich uninspiriert. Das Team um Troy Duffy hat es in dieser Hinsicht versäumt, dem Film die Eigenständigkeit zu verleihen, die den Vorgänger für viele Fans überhaupt erst ausgemacht hat.

Fazit:

Was bleibt, ist ein Kopfschütteln. „Der blutige Pfad Gottes 2“ wirkt an allen Ecken und Enden wie ein Abklatsch des großartigen ersten Teils. Dabei erreicht er aber in keinem Punkt dessen Klasse. Abgesehen von der Herkunftsstory um Il Duce gibt es kaum etwas, was man nicht schon (mehr oder weniger genau so) gesehen hätte. Das gilt nicht nur für die Inszenierung, sondern insbesondere auch für die Charaktere und deren Darstellung. Was gut sein könnte, wäre da nicht der Umstand, dass man in keiner dieser Kategorien an der Klasse des Vorgängers kratzen kann.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Sony Home Entertainment

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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