OT: Deadpool (USA/ CAN 2016)

Regie: Tim Miller

Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T.J. Miller

Freigabe: FSK 16
Laufzeit: 104:00 Minuten

Inhaltszusammenfassung: 

Basierend auf Marvels unkonventionellstem Anti-Helden, erzählt DEADPOOL die Geschichte des ehemaligen Special Forces Soldaten und Söldners Wade Wilson, der – nachdem er sich einem skrupellosen Experiment unterzieht – unglaubliche Selbstheilungskräfte erlangt und sein Alter Ego Deadpool annimmt.

Mit schwarzem, schrägen Sinn für Humor und ausgestattet mit neuen Fähigkeiten begibt sich Deadpool auf die unerbittliche Jagd nach seinen Peinigern, die beinahe sein Leben zerstörten.

Kritik:

Deadpool“ war wohl einer der am heißesten erwarteten Filme der letzten Jahre. Nicht zuletzt die Entstehungsgeschichte um das angebliche Herzensprojekt von Hauptdarsteller Ryan Reynolds, auch das große Trara um die Freigabe mit einem R-Rating hat schon im Vorfeld der Produktion für einiges an Propaganda gesorgt. Die Neugier war dadurch natürlich bei Comicfans noch deutlich höher, denn alles in allem ist der „Merc with a mouth“ ja doch deutlich vom typischen Marvel-Saubermann entfernt. Man durfte also gespannt auf die Umsetzung sein.

Es wird dabei schon in den ersten Minuten klar, dass man sich redlich bemüht hat, die Erwartungen der Fans an die Figur Deadpool auch zu erfüllen. Der Zuschauer wird mitten in eine schnell geschnittene Actionsequenz geworfen, die dann auch direkt die Marschrichtung des Films klar macht: straight forward und mit dem Kopf durch die Wand. Zumindest vorerst. Die Actionsequenzen sind von vorne bis hinten adrenalin- und testosterongetränkt und machen eine Menge Spaß. Zwar schaffen sie es nicht, darüber hinwegzutäuschen, dass „Deadpool“ eigentlich eine Story hat, die man schon hunderte von Malen vorgekaut bekam, sorgen aber zumindest dafür, dass man sich über weite Strecken nicht langweilt. Bedauerlicherweise gilt das aber nicht für die ruhigen Passagen, in denen Wade Wilson auf seine Vergangenheit zurückblickt. Hier merkt man dann nämlich die Schwäche der Geschichte doch sehr deutlich, sodass sich diese Rückblicke teilweise als arger Einknicker in der Spannung (die eben vorwiegend durch die Action getragen wird) entpuppen. Wenn Mr. Pool also schon die Vierte Wand durchbricht, hätte ihm das auch durchaus klar sein müssen. Generell hätte man aus daraus noch viel mehr machen können, es wurde als doch so manches an Potenzial verschenkt. Alles in allem sind Tempo und Atmosphäre aber durchaus angemessen, sodass diese Kritikpunkte bei der Spaßwertung nur bedingt ins Gewicht fallen. Großartige Wendungen sollte man allerdings nicht erwarten und das Finale kommt dann doch etwas zu plötzlich, ich hatte den Eindruck, zwischendurch irgendetwas verpasst zu haben.

Für die Spaßwertung ungemein wichtig sind hingegen die Figuren, in erster Instanz natürlich die Titelfigur. Und die ist genau so geworden, wie ich mir Deadpool wünsche. Der ehemalige Söldner mit der Klappe, die man extra totschlagen müsste, beleidigt und pöbelt sich seinen Weg durch die 104minütige Geschichte, dass es eine helle Freude ist, ihm zuzuhören. Für die dicht an die Vorlage angelehnte Figur gibt es direkt zwei enthusiastisch erhobene Daumen. Ryan Reynolds scheint auch nicht übertrieben zu haben, wenn er sagte, dass der Film ein Herzenswunsch sein, denn er schlüpft, anders als im generell verunglückten „X-Men Origins: Wolverine„, absolut überzeugend und mit offensichtlichem Spaß an der Sache in den roten Lederanzug. Besonders rund läuft die Sache, wenn er mit seinen beiden Sidekicks Colossus und dessen Auszubildender Negasonic Teenage Warhead (kein Scheiß!) von Wortgefecht zu Wortgefecht marschiert. Zwar wird offensichtlich, dass die beiden tatsächlich nicht viel mehr als die Sidekicks unseres (Anti-)Helden sind, diese Funktion erfüllen sie aber voll und ganz. Leider muss man jedoch sagen, dass die Gegenspieler unserer Mutantencrew recht blass ausgefallen sind. Ed Skrein als Francis Freeman und Gina Carano als Angel Dust konnte nur bedingt überzeugen, von beiden Figuren ging eigentlich keine wirkliche Bedrohungshaltung aus.

Die Effekte sind dann leider auch ein Knackpunkt für sich. „Deadpool“ musste mit einem relativ kleinen Budget von 58 Millionen Dollar auskommen (klein. haha!). Das merkt man den Effekten zum Großteil leider auch an, denn vieles kommt aus dem PC. Die CGI sind dann auch ganz deutlich als solche zu erkennen – und komischerweise stört mich das in diesem Fall nur ganz am Rande. Das wundert mich selbst, denn eigentlich bin ich überhaupt kein Freund von zu offensichtlichen Computer-Effekten, hier passen sie aber irgendwie zu dem Gesamtbild, welches der Film zeichnet. Die Actionsequenzen selbst sind dann temporeich, von tiefschwarzem Humor durchzogen und machen einfach nur Laune. Recht blutig sind sie dann auch tatsächlich ausgefallen, aber alles andere hätte auch nicht gepasst. Eine Splatter-Platte sollte man aber nicht erwarten, sondern viel mehr einen angenehmen Härtegrad.

Fazit:

Deadpool“ macht eigentlich fast alles richtig. Lässt man die schon oftmals durchgeleierte Rachegeschichte außen vor und betrachtet die Rückblicke in die Vergangenheiten unseres roten Freundes als notwendiges Übel, kann man sich über einen hoch motivierten Hauptdarsteller und eine der Comicvorlage sehr nahe kommende Titelfigur freuen. Den derben Humor und die für eine Marvelverfilmung recht hoch angesetzte Gewaltschraube sollte man natürlich schon mögen, denn sonst hat man an dem Film wohl nicht übermäßig viel Spaß.

(c) des Bild- und Tonmaterials: 20th Century Fox

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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