Craig Johnson – Longmire: Bittere Wahrheiten

OT: The Cold Dish
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Festa
Übersetzung: Patrick Bachmann

Longmire-Reihe, Band 1

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Klappentext:

Als die Leiche von Cody Pritchard gefunden wird, weiß Walt Longmire, seit 25 Jahren Sheriff in Absaroka County, Wyoming, dass echte Schwierigkeiten auf ihn zukommen.
Zwei Jahre zuvor hatten Cody und drei seiner Schulfreunde ein Cheyenne-Mädchen vergewaltigt. Cody wurde in der Nähe des Indianer-Reservates erschossen. Hat dort jemand mit einem Rachefeldzug begonnen? Es scheint so.
Und nun ist es Longmire selbst, der zwischen den übrigen Jungen und einem Sharps-Gewehr steht …

Longmire ist der unerschütterliche Sheriff aus den Thrillern des Bestseller-Autors Craig Johnson. Vorlage der mitreißenden Netflix-Serie.

Craig Johnson schildert sehr überzeugend die atemberaubende Weite des modernen amerikanischen Westen und seine schrulligen Figuren sind unvergesslich.

© Festa Verlag

Kritik:

Ich muss gestehen, dass ich die »Longmire«-Serie bislang nicht auf dem Schirm hatte. Weder in Form der TV-Serie noch Craig Johnsons Roman-Vorlagen. Nun suchte der Festa Verlag nach Rezensenten, die Willens waren, sich auf die Abenteuer von Sheriff Walt Longmire einzulassen. Was soll ich sagen? Klang cool, hatte ich Bock drauf.

Es wird dann auch bereits auf den ersten Seiten klar, dass Johnson ein verflucht gutes Händchen dafür hat, Wyoming vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen. Die Stimmung und die Atmosphäre sind so dicht, dass sie beinahe schon greifbar sind. Damit war schon einmal die halbe Miete verdient, denn ich fühlte mich sofort mittendrin. Der Spannungsbogen baut sich dabei zunächst eher gemächlich auf. »Bittere Wahrheiten« ist kein Roman, der den Leser sofort auf eine wilde Achterbahnfahrt mitnimmt, sondern anfangs ein eher ruhiger Krimi, der vorwiegend durch die Chemie zwischen den Protagonisten vorangetrieben wird. Ähnlich einer Dampflok nimmt er aber stetig an Fahrt auf und treibt die Geschichte spätestens ab der Hälfte unaufhaltsam voran. Dabei mutiert der Roman aber nicht zum Actionthriller, Craig Johnson nimmt sich immer wieder die Zeit, ruhige Passagen einzubauen, die sich mit den Figuren selbst beschäftigen. Die Mischung ist gelungen, denn so hat man als Leser nie den Eindruck, es mit irgendwelchen austauschbaren und eindimensionalen Abziehbildern zu tun zu haben. Das Finale wird von einem Ende gekrönt, welches ich nicht habe kommen sehen. Ein gelungener Twist gibt dem Titel »Bittere Wahrheiten« eine ziemlich fiese Bedeutung, auch wenn ich gestehen muss, dass die Beweggründe des Täters schon etwas oberflächlich wirkten.

Ein echtes Highlight sind allerdings die Figuren als solche. Man stelle sich ein riesiges Einkaufszentrum vor, in dem, fein säuberlich auf Stangen geordnet, FBI-Agenten und CSI-Ermittler hängen und auf ihren Einsatz warten. Fragt man nun einen der Verkäufer nach einem Sheriff Marke Longmire, wird der einen zunächst verständnislos anschauen. Nach etwas überlegen wird er dann das Gesicht verziehen, den Kopf schütteln und antworten »Tut mir leid, aber der Longmire ist ein Einzelstück«. Und das gilt nicht nur für den Titelhelden, auch alle anderen Charaktere haben eine ganz eigene und unverwechselbare Art an sich, die zwar stellenweise etwas verschroben anmutet, sich dadurch auf der anderen Seite aber vom Einheitsbrei des Krimigenres abhebt. Dabei nutzt Craig Johnson die ruhigen Phasen von »Bittere Wahrheiten« geschickt, um nach und nach immer mehr Profil in seine Akteure zu schnitzen, sodass sie am Ende nicht nur einzigartig, sondern vor allem auch echt wirken. Dazu tragen auch die Dialoge, bei denen man sich oft ein Grinsen nicht verkneifen kann, ebenfalls ihren Teil bei. Die Wortgefechte zwischen Walt und seinem indianischen Freund Henry Standing Bear (oder aber Ladies Wear, je nachdem) und auch seinem Vorgänger Lucian Connally haben ein ungemeines Unterhaltungspotenzial, ohne dass der Roman dabei zu einer Posse verkommt.

Johnsons Stil hat es mir auch angetan. Wie eingangs erwähnt, hat er ein unglaubliches Talent dafür, das Absaroka County bildgewaltig vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen zu lassen. Dabei reicht er meiner Meinung nach an Meister ihres Fachs wie zum Beispiel James Lee Burke heran. Dazu trifft er genau die richtige Mischung aus ruhigen Passagen, Actionelementen und klassischem Krimi, ab und an garniert mit einer Portion indianischer Weisheit und Mythologie. Das ist, auch in der deutschen Übersetzung von Patrick Baumann, eine runde und absolut lesenswerte Sache.

Fazit:

»Longmire« hat es mir absolut angetan. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, welches auf allen Erzählebenen eine durchgehend so hohe Qualität bietet. Unverwechselbare sowie durch und durch realistische Charaktere treffen auf ein stetig steigendes Tempo und eine großartige Atmosphäre. Garniert wird das ganze mit einem bitteren Schlusstwist und einer Menge Humor in Erzählweise und Dialogen. Mehr davon!

Habt ihr einen der Romane gelesen oder kennt ihr die Serie? Was ist eure Meinung?

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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