Christoph Zachariae – Ödland: Der Keller

Taschenbuch: 239 Seiten
Verlag: Lucid Dreams eBook Verlag

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Ödland-Reihe, Band 1

Klappentext:

Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Sie ging vor vierzig Jahren unter. Aus Ressourcenknappheiten wurden Verteilungskämpfe, aus regionalen Konflikten Flächenbrände. Vom Land und von den Städten blieben nur Wüsten und Ruinen übrig: Das ÖDLAND.

Vierzig Jahre nach dem Zusammenbruch haben sich Überlebende in abgeschiedene Enklaven zurückgezogen, in versteckte Keller, alte Bergwerke, verbarrikadierte Dörfer und unzugängliche Stadtteile, denn bewaffnete Söldnerbanden ziehen durchs Ödland und greifen auf der Suche nach Essbarem und aufbereitetem Wasser jeden an, der ihnen in die Quere kommt.

© Lucid Dreams

Auch wenn man es in letzter Zeit nicht mehr sonderlich oft merkt, aber bei uns im Blog sind natürlich nicht nur die etablierten Schriftsteller willkommen. Im Indie-Bereich sind zu viele gute Autoren unterwegs, um sie zu ignorieren. Leider wird man aber oft nicht auf sie aufmerksam, weswegen die »Ödland«-Reihe, deren vierter Band derzeit in Vorbereitung ist, erst jetzt ihren Platz hier bekommt.

Autor Christoph Zachariae nimmt sich nicht viel Zeit für lange Vorreden, sondern wirft seine Leser direkt in eine kaputte Welt, die hier und da kleine Anleihen an »Fallout« und Konsorten nicht zurückweisen kann. Macht aber nichts, denn genau das ist es doch im Endeffekt, was viele Endzeitfans erwarten (und dazu zähle ich mich in diesem Fall auch). Die Atmosphäre ist gelungen und man fühlt sich direkt heimisch, auch wenn das erste Buch der »Ödland«-Reihe seinen Titel »Der Keller« zu recht trägt, denn ein guter Teil der Handlung spielt sich tatsächlich im Untergrund ab. Hier merkt man deutlich, dass es sich um einen geplanten Auftakt zu einem Mehrteiler handelt, denn im Grunde genommen passiert die meiste Zeit über nicht viel. Für Spannung und Drive sorgt Zachariae anfangs, indem er in den Erzählperspektiven wechselt, was mir allerdings erst vergleichsweise spät bewusst wurde und bis dahin doch zum einen oder anderen Stirnrunzeln geführt hat. Denn die Geschehnisse im Keller und der Beginn von Megas Reise (mit dem dann auch auf der anderen Ebene der Story Tempo aufkommt) sind nicht die erzählte Gegenwart, sondern liegen in der Vergangenheit. Ja, hat bei mir was länger gedauert, nachdem dann aber sogar ich es verstanden hatte, wurde die ganze Geschichte übersichtlicher. Das Ende ist absolut offen, man wird also direkt in der Handlung gestoppt und bekommt es mit einem echt fiesen Cliffhanger zu tun. Der erfüllt seinen Zweck, denn nun will ich auch unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Die Figuren haben mir gut gefallen, insbesondere da mit Mega eine sehr untypische Protagonistin zum Hauptcharakter gemacht wird. Mit ihren 19 Jahren, von denen sie 12 im Keller verbracht hat, ist sie für eine Heldin noch vergleichsweise jung, außerdem wird deutlich, welche Faszination die nur verschwommen in ihrer Erinnerung existierende Außenwelt auf sie ausübt. Es wird aber auch schnell klar, dass es noch mehr mit ihr auf sich hat, denn »Ödland« gibt immer wieder große oder kleine Andeutungen darauf, dass sie nicht so ganz unerfahren im Überlebenskampf zu sein scheint. In welcher Beziehung sie zu Hagen, dem Antagonisten des zweiten Erzählstrangs, steht, bleibt noch im Dunkeln, deutlich wird nur, dass da eine Verbindung existieren muss. Welche? Ich weiß es nicht, denn auch hierüber schweigt sich die Geschichte bislang beharrlich aus. Besagter Hagen ist übrigens leider recht klischeehaft ausgefallen, er ist ganz und gar der böse und fiese Plünderer, den man in einer solchen Story erwartet. Die Selbstzweifel, die ihm hier und da mal kommen (und grundsätzlich aus dem Nichts heraus), scheinen nicht so recht zu passen und wirken teilweise aufgesetzt und zu sehr als spontaner Einfall, um ihm ein etwas weniger fieses Gesicht zu verpassen.

Zachariaes’ Stil hingegen weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Seine Beschreibungen sind sehr bildhaft und schaffen es ohne Probleme, ein Bild der zerstörten Welt vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. Das Erzähltempo ist angemessen und es wird deutlich, dass seine Erfahrung als Drehbuchautor sich positiv auf sein literarisches Debüt auswirkt. Ganz nebenbei ist »Ödland – Der Keller« ein optisch großartiges Buch. Die Covergestaltung von Illustrator Colin M. Winkler erinnert mehr an eine Graphic Novel als an einen Roman und sticht damit aus dem Einerlei aus generischen und langweiligen Buchdeckeln heraus. Die großzügig auf den Buchseiten verteilten »Blutflecken« mögen zwar nicht jedermanns Sache sein, ich fand sie aber gut zur Stimmung des Romans passend und auch nicht störend.

Fazit:

Zum Glück bin ich auf die »Ödland«-Reihe aufmerksam gemacht worden. Christoph Zachariae haut mit »Der Keller« einen stimmungsvollen ersten Band raus, der vor allem von der bildlichen Sprache, der tollen Atmosphäre und der ungewöhnlichen Hauptfigur lebt. Nach anfänglicher Konfusion hinsichtlich der Erzählebenen ging es dann auch flott voran, das Tempo und der Spannungsbogen stimmen. Antagonist Hagen konnte mich jetzt zwar (noch) nicht vollends überzeugen, aber die Fortsetzung könnte da ja Abhilfe schaffen. Insgesamt also für Endzeit-Freunde empfehlenswert, auch wenn noch Luft nach oben ist.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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