Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Verlag

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Klappentext:

Jahrhundertelang ist das Imperium der Menschen gewachsen, und seine mächtigen Kaiser haben mit ihren Truppen alle umliegenden Länder unter Kontrolle gebracht. Doch an den Grenzen brodelt es und immer häufiger kommt es zu Überfällen. Bei einem blutigen Angriff auf ihr Dorf kommt die junge Ariadne nur knapp mit dem Leben davon, als sie überraschend Hilfe von dem geheimnisvollen Wanderer Dariush erhält. Aber ihre Verfolger lassen sich nicht abschütteln, und Dariush beginnt zu ahnen, dass Ariadne das eigentliche Ziel des Überfalls war. Währenddessen wird Valeria, die Oberbefehlshaberin des imperialen Heeres, in die Hauptstadt beordert. Der neue, junge Imperator will Valeria in die weit von den Grenzen entfernte, abtrünnige Provinz Heliopolis entsenden. Allerdings ahnt niemand, dass dies ein fataler Fehler ist, der das Schicksal der Menschen zu besiegeln droht …

Kritik:

Christoph Hardebusch darf ohne Zweifel zu den erfolgreichsten deutschen Fantasyautoren gezählt werden. Sein letzter Roman „Feuerstimmen“ war, vor allem in Verbindung mit dem „Soundtrack“ der Band Van Cato, ein sehr interessantes und innovatives Projekt. Gute Voraussetzungen für das neuste Buch des Herren aus Lüdenscheid. Oder doch nicht?

Der Prolog geht sich dann tatsächlich sehr gut an. Eine wunderbar düstere Szene, welche die Hoffnung nährte, vielleicht doch weniger High Fantasy, dafür aber eine gehörige Dark Fantasy-Schlagseite präsentiert zu bekommen. Dieser Eindruck revidiert sich dann aber im weiteren Verlauf der Geschichte wieder, es bleibt zwar düster, aber die wesentlichen Stilelemente sind halt doch wieder die der High Fantasy. Das ist grundsätzlich ja nichts schlechtes, insgesamt hätte ich mir aber gewünscht, dass der Prolog wegweisender gewesen wäre. „Schattenkaiser“ erweist sich zudem schnell als eine sehr komplexe Geschichte. Hardebusch konstruiert eine umfangreiche Welt, die ein komplexes politisches System zum Hintergrund hat. Stellenweise fühlte ich mich hier sehr an das alte Rom oder auch an das antike Griechenland erinnert. Es wird ein großer Metaplot eingeführt, um den sich dann viele kleinere Geschichten einzelner Handlungsträger gruppieren. Und genau da kommen die Schwächen des Romans dann zum Vorschein: Die einzelnen Episoden sind leider nicht immer übermäßig spannend, die Subplots wirken auf den ersten Blick sehr unabhängig voneinander, sodass sich kein komplettes Bild einstellen wollte. Das Springen von Geschichte zu Geschichte riss mich doch öfters mal aus dem Lesefluss. Ja, man erahnt immer wieder die Verbindungen zueinander, aber wirklich schließen mögen sich die Kreise nicht. Das wird dann auch von einem extrem offenen Ende noch einmal zusätzlich unterstrichen, denn nach all den Irrungen und Wirrungen weiß man nach der letzten Seite eigentlich nicht viel mehr, als dass die Welt des „Schattenkaisers“ jetzt ein ziemliches Problem hat. Leider findet sich auch weder im Buch noch auf der Homepage des Verlages der Hinweis darauf, dass es noch einen Folgeband geben wird. Das habe ich erst vom Autoren selbst erfahren. Veröffentlichungstermin: zur Buchmesse 2017.

Viele Subplots erfordern auch etwas anderes: viele Protagonisten. Hier habe ich so manches Mal gedacht, dass weniger vielleicht mehr gewesen wäre. Durch die Reihe an unterschiedlichen Figuren kam es doch das eine oder andere Mal vor, dass ich den Überblick verloren habe, mit wem ich es nun gerade zu tun habe (und selbst der Autor macht an einer Stelle aus dem Charakter Brayn die Figur Brix). Das ist ärgerlich, auf der Habenseite kann man „Schattenkaiser“ aber attestieren, dass seine Protagonisten durch die Bank glaubwürdig ausgefallen sind. Die Emotionen werden gut vermittelt, die Handlungsweisen sind gut nachzuvollziehen. Die Figuren haben ihre Ecken und Kanten, was sie bodenständig wirken lässt und in den meisten Fällen für Sympathie sorgt. Allerdings fehlt, bedingt durch die unterschiedlichen Schauplätze, eine interessante Gruppendynamik, wie sie bei den klassischen Heldenquesten oft zu finden ist.

Stilistisch hingegen hat Christoph Hardebusch wieder alles richtig gemacht. Es gelingt ihm sehr gut, Bilder in den Köpfen seiner Leser entstehen zu lassen und eine glaubwürdige Fantasywelt zu kreieren. Das Erzähltempo ist sehr angenehm, man wird nicht dauernd von Schwertkämpfen erschlagen, sondern kann sich auch die Zeit nehmen, den „Schattenkaiser“ auf sich wirken zu lassen.

Fazit:

Ich bin mir nicht sicher, was ich tatsächlich von „Schattenkaiser“ halten soll. Auf der einen Seite hat Christoph Hardebusch wieder eine tolle, bildliche Fantasywelt geschaffen. Es tummeln sich viele interessante Charaktere in einer komplexen Geschichte, die eigentlich einen hohen Unterhaltungswert hätte. Das große Aber: Eben diese Charaktere gereichen auch etwas zum Nachteil. Die unterschiedlichen Storystränge haben nur sehr wenige Berührungspunkte, wodurch das Buch mitunter zur Episodenerzählung gerät. Damit gehen immer wieder Einknicker im Spannungsbogen einher. Ich bin mir auch nicht sicher, ob mich das extrem offene Ende so sehr ärgert wie die Tatsache, dass nirgends erkenntlich war, dass „Schattenkaiser“ nicht in sich abgeschlossen, sondern Auftakt eines Mehrteilers ist. Na ja, gespannt bin ich trotzdem, wie es weiter geht. Was grundsätzlich schon mal ein ganz gutes Zeichen ist.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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