OT: An Evil Mind

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Ullstein Verlage

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Hunter & Garcia-Reihe, Band 6

Klappentext:

Profiler Robert Hunter vertraut nur wenigen Menschen. Eigentlich gibt es nur einen, für den er immer seine Hand ins Feuer legt. Lucien Folter, seinen Freund aus Studientagen. Beide können Menschen besser lesen als jeder andere. Hunter vertraute Folter seine engsten Geheimnisse an. Bis dieser plötzlich verschwand. Jetzt kommt ein Anruf. Die Körperteile unzähliger Mordopfer sind aufgetaucht, grausige Trophäen. Angeklagt ist Lucien Folter. Und er will nur mit einem reden: Robert Hunter …

Kritik:

Chris Carter steht in dem Ruf einer der härtesten Thrillerautoren der Gegenwart zu sein. Mir war bislang nur sein „Der Totschläger“ bekannt, welcher diesen Ruf eindrucksvoll zu untermalen wusste. Wundert nicht, denn als studierter forensischer Psychologe sollte der gute Mann wissen, wovon er spricht. Wenn dann der Roman auch noch mit dem Hinweis untermalt wird, dass Carter hier erstmals einen Fall aus seiner eigenen Karriere als Vorlage genommen hat, ist die Spannung auf das Buch natürlich direkt noch größer.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger fällt hierbei auf, dass Carter für „Die stille Bestie“ die Hauptfigur Robert Hunter aus dem gewohnten Umfeld von L.A. herausholt und ihn quer durch die USA jagt und ihn zudem auch nicht auf die Jagd nach einem Mörder, sondern auf die Suche nach Opfern schickt. Gleich bleibt jedoch die Tatsache, dass sich auch dieses Buch durch einen sehr steilen Spannungsbogen und eine atemberaubende Geschwindigkeit auszeichnet. Die Story wird sehr temporeich und dynamisch voran getrieben und der Leser wird schnell in die brutale Welt hineingezogen, in der sich Hunter bewegt. Die Atmosphäre, die Carter dabei aufbaut ist bedrückend und hart gezeichnet, passt also wie die Faust aufs Auge zur Handlung des Buches. Erfreulich ist, dass man auch ohne Vorkenntnisse der Reihe ohne Schwierigkeiten in die späteren Bände einsteigen kann (auch wenn dadurch so manche schöne Querverbindung verloren).

Die Figuren sind gelungen. „Die stille Bestie“ setzt auch hier nicht viel Vorabwissen voraus, auch wenn natürlich deutlich wird, dass die Entwicklung des Hauptprotagonisten schon seit einiger Zeit im Gange ist. Dennoch ist es ohne Schwierigkeiten möglich, sich in Robert Hunter hineinzuversetzen – was in diesem Roman ungemein wichtig ist, da er sehr an die Persönlichkeit des Charakters geht. Carter gelingt es sehr gut, die Zerrissenheit herauszuarbeiten, die ihn voran treibt, schließlich geht es um die Entlastung eines guten Freundes – oder vielleicht auch nicht? Im Lauf der Geschichte entwickelt sich ein gelungenes Verwirrspiel, welches den Leser abwechselnd an der Schuld und dann gleich wieder an der Unschuld Folters zweifeln lässt, ein endgültige Klärung der Verhältnisse stellt sich erst relativ spät ein. Lucien als als Charakter selbst weiß auch zu überzeugen, hier kann man aber ohne große Spoiler nicht zu sehr ins Detail gehen – und das möchten wir ja vermeiden ;-).

Stilistisch kann man Carter nichts vorwerfen. Wie eingangs erwähnt steht er in dem Ruf, einer der härtesten Thrillerautoren der Neuzeit zu sein – und das stellt er hier eindrucksvoll unter Beweis. „Die stille Bestie“ ist sowohl auf grafischer als auch auf psychischer Ebene sehr schonungslos und definitiv nichts für zarte Gemüter. Allerdings wirkt die Gewalt an keiner Stelle selbstzweckhaft und nur aus reinen Unterhaltungsgründen eingearbeitet, sondern passend zum Kontext und der heftigen Geschichte an sich. Chris Carter ist eingängig zu zügig zu lesen, ohne dabei in die Oberflächlichkeit abzudriften. Die knapp 450 Seiten wirken auf den ersten Blick viel für einen durchschnittlichen Thriller, in der Realität sind sie aber schnell durch, man fragt sich am Ende fast „Wars das schon?“

Fazit:

Die stille Bestie“ ist ein Paradebeispiel für einen modernen, harten Thriller. Gut ausgearbeitete Figuren, ein spannender, wendungsreicher Plot und ein Höchstmaß an Spannung bescheren uneingeschränkte Unterhaltung über die volle Seitenzahl. Schwache Nerven sollte man allerdings nicht haben, Carter geht in seinen Beschreibungen und im psychologischen Sinne tatsächlich bis an die Grenze. Harter Stoff, der aber von Anfang bis Ende zu gefallen weiß.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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