Chris Carter: Death Call – Er bringt den Tod

OT: The Caller
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Ullstein
Übersetzung: Sybille Uplegger

Hunter-&-Garcia-Reihe, Band 8

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Klappentext:

Tanya Kaitlin freut sich auf einen entspannten Abend. Plötzlich klingelt ihr Handy, ein Videoanruf von ihrer besten Freundin. Tanya nimmt den Anruf an, und der Alptraum beginnt: Ihre Freundin ist gefesselt und geknebelt. Tanya hat eine Chance, die Freundin zu retten, hört sie von einer tiefen, unheimlichen Stimme. Sie muss nur zwei Fragen richtig beantworten. Sie scheitert – und ihre Freundin wird vor ihren Augen brutal ermordet. Profiler Robert Hunter und sein Partner Garcia haben einen neuen Fall: ein Serienmörder, der seinen Opfern in den sozialen Medien auflauert. Er studiert ihre Fehler und nutzt sie für sein perfides Spiel. Und das hat gerade erst begonnen …

© Ullstein Verlag

Kritik:

Der neue Chris Carter war auch dieses Jahr natürlich eine Pflichtanschaffung. »Death Call – Er bringt den Tod« heißt das gute Stück und natürlich waren die Erwartungen nach den bisherigen Erfahrungen, die ich mit den Veröffentlichungen des Herrn aus London gemacht habe, entsprechend hoch.

Auf den ersten Blick scheint auch dieses Mal alles beim Alten geblieben zu sein. Carter hat für sich ein Erfolgsrezept erarbeitet, nach welchem er seine Bücher schreibt. Das hat zur Folge, dass sich ab einem gewissen Punkt auch Abnutzungserscheinungen einstellen und der Autor Gefahr läuft, sich selbst zu kopieren. Mit dem mittlerweile achten Band der Hunter-&-Garcia-Serie scheint es, als ob dieser Punkt langsam erreicht wird. »Death Call« fährt in fast allen Details das gleiche Schema wie die bisherigen Romane der Reihe. Kurze, knackige Kapitel die häufig mit einem Cliffhanger enden. Eine Einleitung, die den Leser unmittelbar ins Geschehen wirft und dann in den Folgekapiteln aufgearbeitet wird. Ein Finale, das vor Adrenalin und Spannung geradezu tropft. Ein wie gehabt ziemlich kranker Serienkiller, der die UV-Einheit in Atem hält. Relativ neu ist, dass Carter einen kleinen Subplot einbaut. Zwar war das auch schon beim unmittelbaren Vorgänger »I am Death« der Fall, allerdings unterscheidet sich die Ausführung in allen Details – was der Geschichte dann natürlich auch gleich wieder den nötigen Pepp gibt, und das Buch als eigenständiges Werk erscheinen lässt. Der Spannungsbogen ist, bedingt durch die Wahl der bekannten Mittel, auf einem konstant hohen Niveau und wieder bleibt bis zum Ende unklar, wer hinter den bestialischen (allerdings von Saw inspirierten) Morden steckt. Noch funktioniert das alles wunderbar, aber für die Zukunft ist fraglich, wie lange Carter seine Leser mit dieser seit dem ersten Band nahezu unveränderten Art des Plotaufbaus noch so fesseln kann.

Zu den Figuren muss man eigentlich nicht mehr viel schreiben. Robert Hunter und sein Kollege Carlos Garcia kommen sympathisch wie eh und je rüber. Hunter, wie immer etwas verschroben wirkend, läuft schon immer dicht an der Grenze zum Über-Charakter. Dem wird in »Death Call« mit einer (glücklicherweise sehr knapp) angedeuteten und nicht sonderlich erfolgreichen Lovestory entgegengewirkt, die dem Detective aus LA etwas mehr Bodenständigkeit verleiht. Die anderen Figuren des Buchs, was auch besagtes Love Interest einschließt, sind (und auch das kennt man aus den bisherigen Romanen bereits) eher zweckerfüllendes Beiwerk. Eine kleine Ausnahme gibt es zwar mit dem ominösen Mister J, von dem sich aber jeder selbst ein Bild machen sollte, denn alles andere würde in Spoiler ausarten. Mal abgesehen von dem Hinweis, dass er mich stellenweise (insbesondere kurz nach seiner Einführung) an einen gewissen Filmhelden erinnerte. »Aber was ich habe, sind einige ganz besondere Fähigkeiten.« So, mehr sag ich aber nicht.

Auch was die Schreibweise angeht, bleibt alles beim Bekannten. Was im Fall von Chris Carter aber durchaus positiv zu sehen ist. »Death Call« zeichnet sich wieder durch einen sehr flotten und gut zugänglichen Erzählstil aus, der es ermöglicht, den Roman quasi in einem Rutsch (bei mir waren es knapp 1 ½ Tage) durchzulesen. Wer die bisherigen Bücher kennt, weiß auch, dass er sich auf teilweise ziemlich derbe Gewaltspitzen einstellen muss, allerdings zählt der Roman nicht unbedingt zu den härtesten Veröffentlichungen des gebürtigen Brasilianers. Für Zartbesaitete ist das zwar immer noch nichts, aber der durchschnittliche Thrillerleser sollte wenig Probleme damit bekommen. Das das Buch stilistisch wunderbar zu den anderen Serienteilen passt, ist erneut der Übersetzung von Sybille Uplegger zu verdanken, die bereits die anderen Eindeutschungen vorgenommen hat.

Fazit:

»Death Call – Er bringt den Tod« ist ein weiterer hochspannender Thriller aus Chris Carters’ Feder. Der Stammleser wird mit wenig Neuerungen überrascht, der Autor verfährt nach dem erfolgreichen Schema der Vorgänger. Noch funktioniert das ausgezeichnet, ist für Genrefreunde sehr unterhaltsam und schnell ausgelesen. Allerdings beginnt dieses Prinzip, trotz immer mal wieder eingebrachten Neuerungen, sich langsam abzunutzen. Ich kann nur hoffen, dass Carter beim nächsten Mal ein paar Überraschungen mehr in der Hinterhand hat.

Denkt ihr auch, dass man manche Themen nicht bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter reiten sollte? Lasst uns doch einen Kommentar da.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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