Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Heyne Verlag

Übersetzer: Alexander Wagner

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Eine bessere Welt. Das war alles, was Parker Haas wollte, als er dem Los Angeles Police Department beitrat. Doch die Welt ändert sich und versinkt im Chaos. Eine Seuche greift um sich und führt bei zehn Prozent der Weltbevölkerung zu akuter Schlaflosigkeit. Mit verheerenden Folgen: Die Menschen drehen der Reihe nach durch. Nur ein Medikament namens Dreamer hilft gegen die Qualen. Und das will jeder haben…

Kritik:

Charlie Huston war mir bislang nur durch seinen stellenweise recht humoristisch gehaltenen Thriller „Das Clean-Team“ bekannt. Sein Roman „Die Plage“ bewegt sich nun schon rein inhaltlich in eine völlig andere Richtung. Sie versetzt den Leser nach Los Angeles, zu unserer Zeit, aber in einer parallelen Welt. Das gibt es nicht oft, das ist also schon mal interessant. Von der Tatsache, dass Huston schreiben kann mal ganz abgesehen.

Es wird schnell bewusst, dass sich der Roman nicht nur inhaltlich vom restlichen Schaffen des Autoren unterscheidet, sondern (zumindest soweit mir bekannt) auch in der Erzähltechnik. Anders als im „Clean-Team“ findet sich hier nur selten der Ansatz von Humor, die Story wird stattdessen sehr detailliert erzählt und immer wieder mit glaubwürdigen wissenschaftlichen Exkursen angereichert. Das trägt in jedem Fall zum Realismus bei, zumal der Erreger in Hustons „Die Plage“ in ähnlicher Form (natürlich ohne die weltumspannende Verbreitung) tatsächlich existiert. Detailliert und glaubwürdig beschrieben sind auch die gesellschaftlichen Entwicklungen in L. A. , sowie dem – für die Handlung sehr wichtigen und eng mit der von Huston erdachten Welt verbundenen – Onlinespiel „Chasm Tide„. Die dadurch entstehende Atmosphäre ist düster und unglaublich dicht. Ein halbwegs passender Vergleich wäre wohl die Welt des ersten „Mad Max„-Filmes, in dem die Zivilisation auf einem ähnlich knappen Grad zwischen der guten, alten Zeit und dem unaufhaltsam immer näher rückendem Untergang wandelt.

Auch die Figuren passen vollauf in dieses Konzept. Dem Autoren gelingt es sehr gut, Charaktere zu zeichnen, die versuchen, ihren Platz in diesem apokalyptischen Szenario einzunehmen, hin und her gerissen zwischen den alten Werten und dem was nötig ist, um zu überleben. Die dadurch entstehenden Konflikte sind sehr glaubwürdig, vor allem aber sorgt diese Art von Figurenzeichnung dafür, dass „Die Plage“ keine platten Abziehbildchen als Handlungsträger hat, sondern echte Charaktere, die bodenständig und nachvollziehbar sind. Es gibt niemanden, der nur gut oder nur böse ist, jede Figur hat ihre Motivation, ihren detaillierten Background und erlebt im Verlauf der Geschichte eine interessante Entwicklung.

Stilistisch muss man sagen, dass Huston im Vergleich zum „Clean-Team“ noch einmal eine Schippe nachgelegt hat. Der Roman wirkt auf den ersten Blick sehr gut recherchiert, die Erzählweise eingängig. Zumindest nach einer gewissen Eingewöhnungsphase, denn sie wird nicht nur aus der Perspektive einer Figur erzählt. Zur Geschichte seines Helden Park, erzählt in der dritten Person, gesellen sich noch dessen Notizbucheinträge (erste Person) sowie die Erzählung des Antagonisten Jasper, welche ebenfalls in der ersten Person erzählt sind. Das fordert den Leser vielleicht zu Beginn etwas stärker als eine klassischere Erzählweise, dient aber einem das ganze Buch umspannenden Konzept, welches sich erst zum Schluss hin vollständig offenbart (und gerade unter diesem Aspekt absolut großartig ist). Das dies alles so gut zusammen passt spricht natürlich auch für die Übersetzung von Alexander Wagner.

Fazit:

Die Plage“ von Charlie Huston ist klasse. Damit könnte man es eigentlich schon belassen. Um etwas detaillierter zu werden sei gesagt, dass Innovationen heutzutage eigentlich mit der Lupe gesucht werden müssen, hier jedoch gleich mehrfach auftreten. Sei es nun die sehr interessante Erzählweise oder die Erkrankung, die hier die Welt in den Untergang treibt. Ersteres ist selten, letzteres ist – zumindest für mich – mal etwas komplett neues gewesen. Die spannende und actionreiche Geschichte sowie die sehr dichte Atmosphäre und die interessanten Charaktere runden das Bild dann schließlich noch weiter ab. Top!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)