kill baxterCharlie Human – Kill Baxter
Showdown in Cape Town

OT: Kill Baxter
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Fischer-Tor
Übersetzung: Clara Drechsler, Harald Hellmann

Baxter Zevcenco, Band 2

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Klappentext:

Mit ›Kill Baxter‹ geht Charlie Humans wahnwitzige Urban-Fantasy-Serie aus Südafrika in die zweite Runde: »Völlig durchgeknallt und verdammt einfallsreich: die reine Freude.« SciFi Now
Als Nachfahre südafrikanischer Mystiker hat Baxter die Kräfte seiner Ahnen geerbt. Um zu lernen, wie man damit umgeht, wird er nach Hexpoort verfrachtet, einer Schule für magisch begabte Teenager in der Nähe von Kapstadt, die verdächtig an Hogwarts erinnert (allerdings mit mehr Sex, Drugs, Rock ‘n’ Roll und schnellerem W-Lan). Doch das Leben als Zauberschüler ist alles andere als einfach. Dass er vom hiesigen Auserwählten schikaniert wird und es im Unterricht einfach nicht bringt, gehört noch zu seinen kleineren Problemen: Richtig schlimm wird es erst, als die Schule angegriffen wird und sein alter Freund Ronin auftaucht, um ihm aus der Patsche zu helfen …
›Kill Baxter‹ ist ein irrwitziger Urban-Fantasy-Roman für alle Leser von Lauren Beukes, David Wong, Joseph Fink und Neil Gaiman.

© Fischer-Tor

Kritik:

Der erste Teil der Reihe, »Apocalypse Now Now« wusste mich seinerzeit schon zu überzeugen. Mehr oder weniger zumindest. Mir gefiel das wunderbar abgefahrene Setting und der zynische Humor. Die hohe Fehlerdichte und die auf einer Seite mehrfach wechselnden Namen von Personen und Locations haben mich aber teilweise an den Rand des Wahnsinns getrieben. Das Buch hat dadurch in der Bewertung einiges an Boden verloren. Nun blieb zu hoffen, dass ich nicht der einzige war, der sich darüber aufgeregt hat – und dass die Kritik beim Verlag angekommen ist.

Auf den ersten Seiten scheint erstmal alles entspannt zu sein. Charlie Human setzt mit »Kill Baxter« die Ereignisse aus »Apocalypse Now Now« recht zeitnah fort. Er versucht, neuen Lesern einen groben Überblick über das bisherige Geschehen zu geben. Insgesamt fallen über die etwa 350 Seiten aber immer wieder kleine Bezüge auf, die ohne Vorkenntnisse zum Stirnrunzeln einladen – ich empfehle also, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Dem kundigen Leser fällt zudem auf, dass der Fantasy-Anteil des aktuellen Buchs vom Start weg wesentlich höher ist, als es beim Vorgänger der Fall war. Human verzichtet darauf, seine Welt groß zu erklären. Auch an dieser Stelle sind also Vorkenntnisse grundsätzlich empfehlenswert. Die Story selbst entwickelt sich dann rasant, das Gaspedal ist vom ersten Kapitel an durchgetreten und die Bremse wird nur in engen Kurven betätigt. Daraus resultiert ein Spannungsbogen, der mehr vom Adrenalin getrieben wird als von klassischem Thrill. Macht aber nichts, denn das funktioniert, wie schon im ersten Band, gut. Zum Finale hin schaltet Human den Nachbrenner ein, das Tempo macht noch einmal einen gehörigen Satz nach vorn. Das ändert allerdings nichts daran, dass das Ende insgesamt vorhersehbar ist und die Story generell mit wenig Überraschungsmomenten auskommen muss. Die Atmosphäre weiß zu gefallen. Sie ist wieder angenehm düster ausgefallen und abgefahren, der Vergleich mit Neil Gaiman ist nicht unpassend.

Bei den Figuren hat man es zu großen Teilen mit alten Bekannten zu tun. Natürlich ist an erster Stelle Baxter zu nennen. Aus dem pornodealenden Schüler ist jemand geworden, der auf Gedeih und Verderb zu einem Gutmenschen werden will. Dass das nicht auf Anhieb gelingt, dürfte den meisten Lesern klar sein. Daraus resultiert eine Figur, die man am ehesten als einen zynischen, misanthropischen Harry Potter wider Willen nennen kann. Das macht Laune und ist stimmig und konsequent. »Kill Baxter« stellt dem Titelhelden erneut seinen Sidekick Ronin zur Seite. Auch er hat in der Zwischenzeit hart an sich gearbeitet und versucht das Saufen einzustellen. Und wie man sich vorstellen kann, schlägt sich das auf seine Laune nieder. Die beiden sind also ein infernalisch schlechtgelauntes Duo, woraus so manches unterhaltsames Wortgefecht resultiert. Und dass man bei schlechter Laune eher mal auf den Putz haut, als geduldig alles auszudiskutieren sollte wohl klar sein.

Auch stilistisch hat sich nicht viel geändert. Charlie Humans Schreibe besticht durch eine tolle Mischung aus dreckigem, zynischen Humor, einer Menge Action und stellenweise auch viel Gekröse. Wie im ersten Teil der Reihe folgt man der Hauptfigur in »Kill Baxter« aus der Egoperspektive und im Präsens. Das mag zwar für manchen Leser gewöhnungsbedürftig sein, sorgt aber auf der anderen Seite dafür, dass man sich noch unmittelbarer im Geschehen fühlt. Hat mir gut gefallen. Aber man kennt das ja: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Beziehungsweise Rechtschreibfehler. Ich muss der Fairness halber sagen, dass ich nach dem Debakel mit »Apocalypse Now Now« vermutlich genauer hingeschaut habe. Aber egal ob dem so war oder nicht, auch »Kill Baxter« krankt unter diversen Rechtschreibfehlern und Namensänderungen. Teilweise mehrfach auf derselben Seite. Und auch wenn es insgesamt deutlich seltener vorkam als im ersten Teil: Es nervt immer noch. Ob das an der ansonsten gelungenen Übersetzung von Clara Drechsler und Harald Hellmann oder einem unsauberen Korrektorat liegt, lasse ich dahingestellt.

Fazit:

»Kill Baxter« ist eine konsequente Fortsetzung von »Apocalypse Now Now«, sowohl was die Stärken als auch was die Schwächen angeht. Die abgefahrene Story mit den bizarren Charakteren und dem deftigen Humor ist actionreich und spannend. Die Atmosphäre weiß erneut zu gefallen und wirkt, besonders während Baxters Schulzeit, wie Hogwarts auf Crack. Die auffälligen Rechtschreibfehler drücken den guten Gesamteindruck jedoch merklich. Wenn auch nicht so sehr wie im Vorgänger.

Wie sieht es bei euch aus? Versauen euch auffällige Rechtschreibfehler das Lesevergnügen oder könnt ihr problemlos darüber hinwegsehen? Lasst uns doch einen Kommentar da.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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