Die „Dunklen Seiten“ des aus dem Hause Twilight-Line gingen  bereits in die neunte Runde. Unter den Fans von phantastischen Kurzgeschichten hat die Reihe einen guten Ruf. Von Zeit zu Zeit werden außerhalb der regulären Reihe auch Sonderbände veröffentlicht, so wie unlängst „Karneval des Todes“, welches ich euch an dieser Stelle näher vorstellen möchte. Warum keine Rezension? Ein Blick auf die Autorenliste verrät, dass ich definitiv befangen wäre :-).

Die Ausschreibung zur Anthologie habe ich Mitte letzten Jahres gelesen und mir gedacht „Ach was solls, lass es doch mal auf einen Versuch ankommen.“ Dass ich eine Rückmeldung bekommen würde oder dass aus diesem Versuch sogar etwas werden würde habe ich nicht erwartet. Umso größer war natürlich die Überraschung (und auch die Freude), als mir Herausgeber Alexander Knörr (der im weiteren Verlauf des Artikels noch selbst zu Wort kommen und euch einen etwas tieferen in die Entstehung des Buches geben wird) schrieb, dass meine Geschichte dabei sei und mir einen Autorenvertrag schickte. Wow! Hinsichtlich der Qualität, welche die anderen Autoren (unter anderem Marc Hartkamp, Thomas Williams und Andreas Dör) mit ihren Geschichten vorlegen, ist die Überraschung umso größer. Allzu wörtlich sollte man den Begriff Karneval übrigens nicht nehmen, denn auch wenn er als Oberthema über allen Geschichten hängt, sind die Herangehensweisen, die Örtlichkeiten und die Geschehnisse gänzlich unterschiedlich.

Karneval, eigentlich ein buntes Treiben, um das Leben zu feiern und dieses ohne Tabus für wenige Stunden im Jahr zu genießen. Man verkleidet sich, um ausgelassen und frei die Sorgen der Welt für kurze Zeit vergessen zu können. Doch hinter so mancher Verkleidung verbirgt sich ein wahrer Schrecken, abgrundtiefe Alpträume, irre Mörder und grauenvolle Schicksale. Dort wo die Grenzen zwischen Vergnügen und Angst verwischen, feiert man den Karneval des Todes

Dreiundzwanzig Geschichten, in denen gefeiert wird, bis der Sensenmann kommt…

Jan Orbahn – Hölle und Verdammnis
Anna-Katharina Höpflinger – Der goldene Schädel
Nadine Baumann – Karneval des Lebens
Andreas Dörr – Die Frau im Feld
Christian Veit Eschenfelder – Mr. Rabbit
Tim Pollok – Des Todes Ehrenplatz
Heidi Gensheimer – Mardi Gras – Begegne dem Tod
Alexander Knörr – Rudi
Iolana Paedelt – Spieglein, Spieglein an der Tür
Sebastian Hallmann – Maskenball des Grauens
M.W. Ludwig – Eigentlich bin ich ganz anders
Lyakon – Hotel California
Thomas Williams – Der letzte Karneval
Cleo A. Wiertz – Faschingsball
Nadine Buch – Allerseelen-Traum
Doris E. M. Bulenda – Balur der Krieger
Marc Hartkamp – Möhnentanz
Grit Kasdorf – Der Sturm
Peter Stohl – Das Fest des Prinzen Fortuno
Monika Grasl – Der Buscho Umzug
Sarah Ziegler – Dunkle Gestalten
Uta Maria Jürgens – Geleit
Christina Bombardi – Fremde Haut

Das Buch ist direkt bei Twilight-Line als Taschenbuch und Hardcover verfügbar, außerdem gibt es natürlich auch ein eBook. Der Umfang der Printausgabe liegt bei 240 Seiten.

Und nun freue ich mich, noch ein kurzes Interview mit Herausgeber Alexander Knörr präsentieren zu können. Viel Spaß!

Hallo Alexander,

zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um mit uns über dein Projekt „Karneval des Todes“ zu sprechen. Unser klassischer Intervieweinstieg ist eine kleine Selbstvorstellung. Würdest du uns vielleicht ein bisschen über dich erzählen?

Hallo Sebastian,

es freut mich ungemein, dass ich mit Dir ein Interview über mein neuestes Projekt führen darf. Als Autor als auch als Herausgeber ist man ja super stolz, dass man etwas Neues veröffentlichen durfte, und das möchte man natürlich auch gerne mitteilen. Wenn jemand mehr darüber erfahren möchte – freiwillig (lacht) – umso besser.

Was soll ich über mich erzählen? Es gibt da vieles, ich muss mich wahrscheinlich kurz fassen, was schwer wird. Ich wurde 1972 in der Weinstadt Neustadt an der Weinstraße als Sohn einer Schaustellerfamilie geboren. Schon als kleiner Junge wurde mir viel Fantasie zugestanden, denn ich erzählte überall Geschichten, die ich mir ausgedacht hatte. Auf die Idee, diese auch aufzuschreiben, kam ich erstmalig mit 14 oder 15 Jahren. Doch das Schreiben von phantastischen Geschichten, was damals schon und heute auch mein Anliegen ist, habe ich dann bald wieder ad acta gelegt und mich der Erforschung von Rätseln unserer Welt verschrieben. Mein erstes Buch war dann auch ein Sachbuch über eine untergegangene technische Hochkultur im Mittelmeerraum. Das Buch wurde in drei Auflagen wirklich gut verkauft und ist ausverkauft. Doch im September 2017 erscheint eine vollkommen überarbeitete, vierte Auflage mit neuem Titel (Atlantis lag im Mittelmeer, Nibe Verlag, 16,95€).

Mein erstes Buch war also ein voller Erfolg. Ich erhielt unheimlich viel Feedback von Lesern, viele wollten danach unbedingt auch nach Malta – was ein Dreh- und Angelpunkt des Buches ist – um dort die Rätsel persönlich in Augenschein zu nehmen. Ich organisierte dann auch bald eine Leserreise dorthin und präsentierte stolz „mein Malta“.

Den Sachbüchern bin ich dann immer treu geblieben. Die meisten meiner Sachbücher drehen sich um die Prä-Astronautik, also der Suche nach Hinterlassenschaften der Götter von einst, die wahrscheinlich wirklich existierten und nicht von dieser Erde stammen. Aber ich beschäftige mich auch mit anderen Themen wie rätselhaften Versteinerungen, untergegangnen Kulturen, unidentifizierten Flugobjekten und Himmelsphänomenen und mit den kulturellen aber auch archäologischen und mythologischen Rätseln Chinas. Letzteres und die Liebe zu dem Land und den Leuten dort, die ich auf mehreren Reisen erfahren durfte, brachte mich auch zu meiner lieben Ehefrau, Ying Zhu. Sie kommt aus Shenyang im Norden Chinas und seit sie mich kennt, hat sie auch ein gewisses Interesse für die Rätsel Chinas entwickelt und wir gehen nun gemeinsam auf Spurensuche. Ein Buch mit unseren Ergebnissen, in dem wir wirklich sagenhafte Rätsel aufdecken und der westlichen Welt zugänglich machen, ist gerade in Arbeit.

Irgendwann im Jahr 2010 begann ich dann wieder mit dem Schreiben von Geschichten. Erst einmal Kurzgeschichten, die dann auch meine düstere Seite preis gaben. Im Jahr 2012 kam ich dann auf die Idee, einen Roman über die Götter von Einst zu schreiben, die – wie damals überall in etlichen Theorien zu lesen und hören war – zurück auf die Erde kamen. Im August 2012 erschien dann mein Roman „Quantensprung 2012 – der Tag, an dem wir geholt werden“ im Twilightline Verlag und kam gleich sehr gut an. Eine Fortsetzung stand bald fest und mittlerweile ist daraus eine Science-Fiction-Saga geworden. Die Chroniken von Tilmun haben mittlerweile viele Fans und diese können bisher in sechs Büchern der Saga schmökern. 2017 erscheinen noch weitere zwei Folgen der Saga.

In diesem Jahr steht dann auch gleich ein doppeltes Jubiläum an, das mit vielen Neuveröffentlichungen gefeiert wird. 5 Jahre Chroniken von Tilmun und 10 Jahre seit meiner ersten Buchveröffentlichung.

So weit erst einmal als kleiner Einblick in meine Autorenkarriere.

Wie bist du auf die Idee zum „Karneval des Todes“ gekommen? War das ein Thema, welches du schon länger im Hinterkopf hattest oder war es mehr eine spontane Eingebung?

„Karneval des Todes“ war eigentlich eine spontane Eingabe – so wie die meisten meiner Projekte und viele, die in meinen Notizbüchern noch gefangen sind. Es kam dazu, weil eine gute Freundin von mir es liebt, sich an Halloween sehr außergewöhnlich zu kostümieren und dies dann auf Fotos festhält. Da sie auch nebenbei modelt, kommen da immer sehr tolle Fotos raus, die sie dann auch in den Sozialen Medien teilt. Eine Fotoserie hat mich unheimlich angesprochen und ich war von Anfang an in den Bildern gefangen. Da hatte ich dann die Idee zu „Karneval des Todes“. Denn der Karneval bietet so manche Möglichkeit, auch das Zwielichtige, Böse und mysteriöse zu verstecken. An diesen tollen Tagen fallen alle Tabus. Brave Mädchen lassen in ihren Kostümen alle Scham und Hemmungen fallen, weil sie in eine andere Rolle schlüpfen. Aber auch Triebtäter treiben maskiert ihr Unwesen, genau so wie Kriminelle. Und wer weiß, vielleicht treiben sich ja auch wirklich Wesen aus anderen Welten – versteckt unter den Maskierten – umher und genießen es, nicht aufzufallen. Mir fielen da gleich viele interessante Möglichkeiten ein. Aber ich wollte auch hören und vor allem lesen, was andere darüber denken, was anderen Autoren dazu einfällt und startete dann die Ausschreibung. Von dem was heraus kam wurde ich überwältigt.

Wie war die Resonanz auf die Ausschreibung? Hast du viele Einsendungen erhalten?

Das Thema scheint bei den Autoren zumindest voll ins Schwarze getroffen zu haben. Denn ich erhielt weit mehr als 50 Einsendungen, die allesamt gut waren. Hier eine Auswahl zu treffen war sehr schwer, denn man konnte unmöglich alle in das Buch bringen. Zusammen mit meiner eigenen Geschichte, schafften es dann doch 22 in die Anthologie und ergaben meiner Meinung nach – aber ich bin befangen – ein großartiges Leseerlebnis.

Wie darf man sich das Auswahlverfahren vorstellen? Es ist doch sicherlich nicht immer leicht, entscheiden zu müssen, was nun „gut genug“ für eine Veröffentlichung ist. Immerhin hast du auch absoluten Neulingen die Möglichkeit gegeben, ihre Geschichten in gedruckter Form in der Hand halten zu können.

Natürlich ist das Auswahlverfahren nicht einfach. Irgendwann weiß man vor lauter Geschichten nicht mehr wo einem der Kopf steht. Das hatte ich schon von Bekannten aus dem Verlagswesen erfahren, die Anthologien veröffentlichten und mir berichteten, dass sie alle Eingaben erst dann lesen, wenn der Stichtag vorbei ist. Das habe ich persönlich unterlassen. Ich las immer sofort alle eingehenden Geschichten und markierte sie mit meinen persönlichen Eindrücken. Dann kamen sie auf drei Stapel: Ja, Nein, Vielleicht.

Der größte war natürlich der „Vielleicht-Stapel“. Nach dem Stichtag las ich dann alle aus diesem Stapel wieder und wieder und schaute auch darauf, dass ich eine ausgewogene Mischung an Geschichten hatte. Ich wollte nicht drei Serienkiller oder fünf Terroristen in dem Buch haben. Aber die Autoren hatten auch viel Abwechslung in ihren Geschichten, was es wiederum nicht einfacher machte. Und da ich selbst ja einmal „Neuling“ war, wollte ich auch diesen eine Chance geben. Ich musste aber niemanden bevorzugen, denn alle Geschichten, die es in das Buch geschafft haben, sind auch wirklich super!

Die Entstehungsphase der Anthologie ist etwas länger gewesen. Nach einiger Unklarheit hinsichtlich des Verlags wurde „Karneval des Todes“ schließlich als Sonderband der bekannten „Dunklen Seiten“ bei Twilight-Line veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Leider kam es mit den Verlagen zwischendurch zu Problemen im Hintergrund, die ich auch nicht näher erläutern möchte. Das Buch nun bei Twilight-Line zu veröffentlichen war aber dennoch keine Notlösung. Ich kenne den Verleger, Michael Schneider, und seinen Verlag schon sehr lange. Früher habe ich schon Fachartikel über rätselhafte Dinge in seinem Magazin „Der einsame Schütze“ veröffentlicht. Und meine ersten Kurzgeschichten, die ich veröffentlichen durfte, kamen in der Tat in die „Dunkle Seiten“ Reihe. Und diese kamen sehr gut bei den Lesern an. Das Feedback war erfreulich gut und oft lobte man in den vielen Geschichten im Band ausgerechnet meine. Dies war dann auch ein Anlass, mehr Kurzgeschichten zu schreiben. Ich wusste also, dass „Karneval des Todes“ dort wirklich gut aufgehoben war. Und gerade die Tatsache, dass das Buch in der Reihe „Dunkle Seiten“ erscheinen wird, machte die Entscheidung, bei Twilight-Line zu veröffentlichen, noch einfacher. Einerseits waren die „Dunklen Seiten“ der Beginn meiner Kurzgeschichtenschreiberei und andererseits ein bekanntes und beliebtes Format.

Gab es bereits erste Rückmeldungen zu der Geschichtensammlung? Falls ja, wie sind sie ausgefallen?

Tatsächlich gibt es schon ein paar persönliche Rückmeldungen und auch eine 5* Rezension bei Amazon. Die fielen alle bisher sehr positiv aus. Ich bin gespannt, was noch kommt, denn das Buch ist ja eben erst erschienen.

Du bist selbst auch Autor und mit einer Geschichte im „Karneval des Todes“ vertreten. Unter anderem hast du mit „Die Chroniken von Tilmun“ eine eigene Science-Fiction-Reihe auf dem Markt. Woher diese Vorliebe für das Phantastische?

Meine Vorliebe zum Phantastischen stammt noch aus meiner frühen Jugendzeit. Ich liebte es, Gespenstergeschichten in Comics zu lesen und später dann auch Sachbücher zu den bereits angesprochenen Themen der Grenzwissenschaften. Dazu kam noch eine Leidenschaft zu Science-Fiction, die ich jedoch nicht las, sondern nur in Form von Filmen und Serien verschlang. Dass dann meine Geschichten ins Phantastische gingen, war eigentlich nur die logische Schlussfolgerung. Schon mit 14 Jahren schrieb ich meinen ersten phantastischen Roman mit dem Titel „Tollwut“, der aber nie veröffentlicht wurde.

Neben deinen Fiction-Veröffentlichungen beschäftigst du dich auch professionell mit grenzwissenschaftlichen Phänomenen. Was kam zuerst – dein Interesse an Phantastik oder das Interesse an Ufos, Atlantis und Co.?

Na ja, professionell ist etwas übertrieben, denn ich verdiene damit eigentlich kein Geld, von dem man leben könnte, was das Wort „Professionell“ ursprünglich besagt. Aber Du meinst natürlich die Herangehensweise, die ist sicherlich professionell und da versuche ich auch immer so gut wie möglich wissenschaftsgetreu zu arbeiten. Irgendwie war die Phantastik eher da, denn schon als Kind erzählte ich, wie gesagt, Geschichten. Doch ebenso als Kind besuchte ich mit meinem Onkel Gérard immer die Burgen und Schlösser in Rheinland-Pfalz und hörte die tollsten Geschichten über Ritter, Kriege und Gemetzel, über Geister, die in den Burgen spuken sollen und einiges mehr. Dies schrieb ich mir schon als kleiner Junge immer in Hefte und hütete diese bis ins Teenageralter. Wahrscheinlich entstand auch daraus meine Leidenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und alles, was ZU phantastisch ist, für ein Sachbuch, wird dann in meinen Geschichten verarbeitet.

Wann kam der Punkt, an dem du beides verbunden hast?

Das geschah eigentlich fließend. Ich denke es gab nie ein Entweder Oder. Natürlich habe ich immer peinlichst darauf geachtet, meine Fantasie nicht in den Sachbuchbereich einfließen zu lassen. Umgekehrt ist es jedoch so, dass ich Teile meiner Forschungen und Erfahrungen mit in die Geschichten und Bücher mit einbringe und diese versuche geschickt einzubinden. Viele Hinweise, beispielsweise in der Prä-Astronautik, lassen phantastische Schlüsse zu, die jedoch SO nie in einem Fachbuch oder –Artikel einfließen würden. Aber als Roman oder Geschichte kann man sie immer verarbeiten. Meine Saga „Die Chroniken von Tilmun“ ist ein Paradebeispiel dafür. Hier kann ich alle meine Gedanken in meinem Kopf zu den Göttern von Einst frei laufen lassen. Wer diese Saga liest, der weiß, was mir wirklich im Kopf vorgeht und das ist unheimlich interessant und auch bedrohlich. Aber ich will nicht zu viel verraten. Lesen bedeutet ja, dass man sich überraschen lassen möchte. Und ich hoffe, ich überrasche noch viele Leser dort draußen.

Das soll es dann auch schon gewesen sein, noch einmal vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke in die Entstehung des „Karneval des Todes“ und dein eigenes Wirken.

Vielen Dank für das Interview und ich wünsche weiterhin viel Erfolg, aber vor allem Spaß mit dem, was Du machst. Das ist auch bei mir immer das Wichtigste.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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