OT: Buk and Jimmy go west

Taschenbuch: 157 Seiten
Verlag: Festa Verlag

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Klappentext:

Der Filmfreak Buk Thompson ist auf blutiger Fahrt durch den amerikanischen Südwesten. Er mordet sich seinen Weg bis nach Hollywood, zur Heimat der Stars, die er seit seiner grausamen Kindheit für seine einzigen Freunde hält.

Buk hat ungeheueren Spaß in diesem Film seines Lebens. Als ihm das Schicksal den unschuldigen Jimmy vor die Füße wirft, beschließt der Psychopath, sich um den Jungen zu kümmern und ihm das »Spiel des Tötens« beizubringen. Im Drehbuch stehen die schlimmsten Szenen – doch Jimmys Rolle ist mehr als die eines Nebendarstellers …

Kritik:

Die “Extrem”-Reihe des Festa-Verlages ist mittlerweise 5 Bände alt und schon so eine Art Aushängeschild der Leipziger, ist es doch schon sehr bezeichnend für die Marschlinie, die mittlerweile an den Tag gelegt wird. Das mag man – oder auch nicht. Da mit Brett McBean ein von mir doch sehr geschätzter Autor sein Debüt unter diesem Label gegeben hat, stand natürlich außer Frage, dass das Buch auch gelesen werden muss. Zur Rezension muss ich vorab direkt sagen, dass sie nicht spoilerfrei auskommen wird, da mein wichtigster Kritikpunkt ansonsten nicht nachvollziehbar wäre.

Die Story selbst beginnt dabei auch sehr vielversprechend und nimmt von der ersten Seite an auch direkt Fahrt auf. Das mag man nun dem relativ geringen Umfang von knapp 160 Seite zuschreiben, so oder so tut es der Geschichte gut. McBean setzt in “Buk und Jimmy ziehen nach Westen” auf Erzählweise, die gänzlich ohne Helden auskommt und spielt damit fast schon ein bisschen im Hardboiled-Genre, was auch erstaunlich gut funktioniert. Die Novelle zieht ihre Wirkung dabei weniger aus der Spannung, die zwar auch vorhanden ist, im direkten Vergleich zur Action aber eher eine Nebenrolle spielt. Nicht weiter störend, der Drive ist da und das zählt. Leider muss ich aber sagen, dass sich das Finale des Buches in eine Richtung bewegt, die mir persönlich überhaupt nicht zugesagt hat. Der knüppelharte Roadtrip mündet zum Abschluss in eine fast schon bizarroartige Phantastikstory, die meiner Meinung nach einfach nur unpassend und aufgesetzt wirkte.

Auf der charakterlichen Seite gibt es bis zu diesem Punkt nicht viel auszusetzen. Man hat es mit einem sehr ungleichen Gespann zu tun, welches völlig im Fokus steht und alle anderen Figuren zu Nebendarstellern degradiert. Das stört allerdings wenig, da die Nebendarsteller, analog zu Buks Weltbild, ohnehin nur Kanonenfutter darstellen. Man muss McBean zu Gute halten, dass er es in Hinsicht auf die Kürze der Geschichte sehr gut schafft, seine Hauptfigur mit einem angenehm dichten, wenn auch etwas klischéebehafteten, Hintergrund auszustatten. Und erschreckenderweise gelingt es ihm auch, zumindest streckenweise fast schon so etwas wie Sympathie für seinen Killer aufkommen zu lassen. Zu Jimmy hingegen möchte ich mich an dieser Stelle etwas bedeckt halten, da ich nicht noch mehr Spoiler einbauen möchte.

Stilistisch ist Brett McBean auch bei “Buk und Jimmy ziehen nach Westen” wieder über jeden Zweifel erhaben. Sein Stil ist eingängig, actionreich und macht einfach Spaß. Das war schon in seinen bisherigen Werken der Fall und hat sich auch hier nicht geändert. Besonders den Ansatz, die einzelnen Kapitel drehbuchmäßig einzuleiten hat mir sehr gut gefallen und passt natürlich wie die Faust auf’s Auge. Zudem sorgt sie dafür, dass man ein sehr konkretes Bild der Schauplätze vor Auge hat. Sehr schön auch die vielen Film-Zitate und -Andeutungen, die mir als Film-Freak (ja, ich weiß, die letzte Besprechung ist schon ewig her…) sehr gut gefallen haben.

Fazit:

“Buk und Jimmy ziehen nach Westen” hätte etwas richtig großes werden können, wenn Brett McBean, ähnlich wie schon bei “Die Bestien“, nicht diesen unpassenden Phantastik-Einschlag zum Schluss eingebaut hätte. Bis zu diesem Punkt hat der Leser es mit einem knallharten, blutigen Roadtrip zu tun, der auch sehr unterhaltsam ist. Ab diesem Punkt wirkt die Geschichte aber nicht mehr wie aus einem Guss, sondern wie ein nicht so recht miteinander harmonierendes Gemisch zweier völlig unterschiedlicher Genres. Und das hat sich in der Gesamtwirkung leider – trotz dem gewohnt sehr guten Stil – zwangsläufig niedergeschlagen

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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