OT: Bloody Sunday (GB/ IRL 2002)

Regie: Paul Greengrass

Darsteller: James Nesbitt, Tim Pigott-Smith, Nicholas Farrell, Gerard McSorley

Freigabe: FSK12
Laufzeit: 102 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Derry/Nordirland 1972: Ohne Genehmigung beginnt eine Demonstration für Bürgerrechte ihren Marsch. Englische Fallschirmjäger überwachen den friedlichen Zug an diesem 30. Januar, als plötzlich erste Schüsse fallen – der Auftakt zu einem Massaker.

Als Blutsonntag erlangte die Tragödie Berühmtheit und ließ den Nordirland-Konflikt erneut aufflammen. Die irische Band U2 schrieb darüber das weltberühmte Lied „Sunday Bloody Sunday“. In mitreißender Weise arbeitet Paul Greengrass (BOURNE 2+3, FLUG 93) diesen historischen Tag auf und stürzt den Zuschauer in das dramatische Geschehen.

© epiX media

Kritik:

Ich muss sagen, dass ich diese speziellen Filme liebe, die einen gewissen dauerhaften Eindruck hinterlassen und sich während des anschauens wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen Martyrs, Inside oder Irreversibel lassen grüßen. Es geht aber auch ganz anders. Bloody Sunday lässt den Zuschauer auch mit genau diesem Gefühl zurück, nur kann man dem in diesem Fall nur wenig positives abgewinnen. Das vorherrschende Gefühl nach dem Ansehen: Wut.

Zu der Geschichte an sich muss man wohl nicht viel erzählen. Sie klingt nach etwas, was man schon tausende Male in Filmen gesehen hat nur traurigerweise werden hier entgegen dem oftmals recht freimütig verteilten Stempel „Nach einer wahren Begebenheit“ tatsächlich Fakten auf die Leinwand gebracht, die sich so ereignet haben. Erzählt wird die Geschichte um den Bloody Sunday auf eine Art und Weise, die fesselt, auch wenn man nicht unbedingt sagen möchte, dass sie unterhält. In diesem Fall ist das sicherlich nichts negatives, denn das Werk soll zum nachdenken anregen. Es will nicht unterhalten, sondern gibt sich eher als ein halbdokumentarischer Film. Und das auf eine gelungene Art und Weise. Der Atmosphäre sehr zuträglich ist hierbei die durchgängige Verwendung des Handkameraprinzips, welches den Zuschauer noch dichter an die Ereignisse von 1972 heran drückt. Ich bin normalerweise kein großer Freund von Filmen in dieser Optik, jedoch trägt es in diesem speziellen Fall eindeutig zur Authentizität bei und ist nicht wie zum Beispiel bei „Der Soldat James Ryan“ einfach nur ein Effektträger. Super.

Was ich sehr gelungen finde, ist die Tatsache dass der Film die historischen Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven aufarbeitet. Es geht also nicht ausschließlich um die Demonstranten, die Opfer. Es wird auch aufgezeigt, wie sich die damalige Situation auf Seiten der britischen Armee dargestellt hat, vom kleinen Gefreiten auf den Straßen bis hin zu den kommandoführenden Offizieren. Das dabei kein sonderlich gutes Bild dieser Partei gezeichnet wird ist wenig überraschend, aber nach allem was man aus Medienberichten, Wikipedia und Co. über diese Ereignisse weiß wohl durchaus gerechtfertigt. Aus all diesen Perspektiven wird nun letztlich ein Gesamtbild gezeichnet, welches die Eskalation der Ereignisse in einer zunächst langsamen, schließlich aber unaufhaltsam schneller werdenden Spirale aus Hoffnung und nicht zuletzt auch Gewalt darstellt. Ich denke nicht, dass hier über- sondern wahrscheinlich noch untertrieben wurde. Sehr schön dargestellt ist auch die Tatsache, dass die Zuspitzung der Gesamtsituation in Irland durch verlogenes Verhalten der Besatzungstruppen noch weiter angeheizt wurde und dass die Ereignisse des Blutsonntags wohl für einen unglaublichen Zustrom an neuen IRA-Rekruten verantwortlich war.

Auf darstellerischer Seite kann man sich nicht beschweren. Alle Schauspieler geben ihre Rollen überzeugend, wenngleich durch die gewählte Optik natürlich sehr viel Hektik, vor allem während der Hauptereignisse des Bloody Sunday aufkommt. Gerade in den ruhigen Passagen merkt man aber deutlich, dass man es mit Profis zu tun hatte, von denen viele ihre Charaktere mit mehr als nur Routine spielen wie ich finde ist das beim gewählten Thema auch absolut wichtig und angemessen.

Fazit:

Bloody Sunday Blutsonntag ist eine Halbdokumentation, welche den Zuschauer schonungslos und authentisch an eines der wohl berüchtigsten Ereignisse der neueren Zeitgeschichte heranführt und ihn nach dem Ansehen mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zurück lässt. Nicht auf den Film selber sondern darauf, dass so etwas tatsächlich (auch heute noch) möglich ist und über eine so lange Zeit (die offizielle Entschuldigung für den Derry-Vorfall wurde erst im Jahr 2010 durch die britische Regierung abgegeben) schweigend toleriert wurde.

© des Bild- und Tonmaterials: epiX Media

Habt ihr den Film gesehen? Wie ist eure Meinung? Kommentare sind gern gesehen 🙂

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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