OT: Blood Father (USA/FR 2016)

Regie: Jean-François Richet

Darsteller: Mel Gibson, Erin Moriarty, Diego Luna, Michael Parks

Freigabe: FSK 16
Laufzeit: 88 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

John Link (Mel Gibson) versucht, seine zerstörerische kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen und Ärger aus dem Weg zu gehen. Seine Familie hat ihm schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt, bis eines Tages seine 16-jährige Tochter Lydia (Erin Moriarty) hilfesuchend vor seinem kümmerlichen Wohnwagen steht. Durch ihre Beziehung zu Drogendealer Jonah (Diego Luna) ist sie mit falschen Leuten aneinandergeraten und ist nun auf der Flucht vor einem mexikanischen Drogenkartell, das sie tot sehen will. John kann dies natürlich nicht zulassen und setzt alles daran, seine entfremdete Tochter zu beschützen, koste es, was es wolle …

Kritik:

Mel Gibson ist mit seinen 60 Jahren mittlerweile ja auch nicht mehr der Jüngste. Trotzdem lässt er es, wie viele seiner Altersgenossen, in den letzten Jahren noch einmal krachen. „Blood Father“ ist nun der nächste Output in Sachen „Rüstige Renter Randale“. Der Film wurde im Vorfeld ziemlich gehypt. Das ist nicht immer ein gutes Zeichen, doch ich lasse mich ja gerne überraschen.

Gleich zu Beginn darf man aber feststellen, dass der Titel ziemlich gut funktioniert. „Blood Father“ ist als Actionthriller konzipiert und über weite Strecken steht das „Thriller“ dann auch deutlich im Vordergrund. Es wird von Anfang an ein guter Spannungsbogen aufgebaut, auch wenn die Geschichte selbst natürlich vieles ist, nur nichts Neues. Hetzjagden von Kriminellen auf andere Kriminelle (wenn auch wider Willen) gab es schon zu Hauf, das Thema ist also dementsprechend ausgelutscht. Besagter Spannungsbogen sorgt dann aber doch dafür, dass der Film nicht langweilig wird. Sehr gelungen ist auch die Atmosphäre, die richtig schön dreckig und fies daher kommt. Das dürfte nicht zuletzt auch an einem guten Händchen für Settings liegen, denn die einzelnen Schauplätze passen gut zueinander und zum Film an sich. Das Ende ist dann zwar trotzdem vorhersehbar, Überraschungen sollte man nicht erwarten, aber dennoch reicht es für einen unterhaltsamen Actionthriller durchaus.

Darstellerisch gibt es das Übliche zu sehen. Mel Gibson gibt seinen John Link gewohnt routiniert und mit offensichtlichem Spaß an der Rolle. Die Figur selbst ist dabei ebenfalls recht interessant ausgefallen. Dem Zuschauer wird der innere Zwiespalt des „Blood Father“ sehr deutlich vor Auge geführt, wenn er sich entscheiden muss, ob er seiner Tochter zuliebe seine Vergangenheit wieder aufleben lässt oder sich doch lieber an die Auflagen seines Bewährungshelfers hält, um nicht wieder einzufahren. Auch wenn  bei dem Titel die Entscheidung natürlich schon vorher auf der Hand lag. Ihm zur Seite steht mit Erin Moriarty eine Hauptdarstellerin, die bislang vorwiegend für Nebenrollen und Auftritte in TV-Serien (u. A. die Netflix-Serie „Jessica Jones„) gecastet wurde. Erfreulicherweise kann man aber sagen, dass auch sie ihre Sache recht gut macht, auch wenn der Figur an sich etwas die Überzeugungskraft fehlt. Das dürfte aber am Script liegen, nicht an Moriartys Leistungen. Ärgerlich hingegen ist der voller Terminkalender von Elmar Wepper, der Gibson schon lange seine deutsche Stimme gibt. Dieses Mal allerdings nicht. Stattdessen übernahm Martin Umbach die Synchro. Es mag sein, dass er seine Sache nicht schlecht macht, trotzdem fühlt sich die Stimme „nicht richtig“ an. Wer es sich zutraut, sollte also lieber zum O-Ton greifen.

Von den Effekten her sollte man nicht allzu viel erwarten. „Blood Father“ ist kein ganz großes Popcorn-Kino, sondern über weite Strecken eher zurückhaltend mit der Action. Wenn Mad Mel dann mal aufdreht, geht es zwar ordentlich zur Sache, aber auch hier muss man sagen, dass mit dem Thema „Alter Recke“ recht gut umgegangen wird. Man hat nicht den Eindruck, dass ein Zwanzigjähriger sich einfach den Bart grau gefärbt hätte. Bombastexplosionen, in sich zusammenfallende Häuser und ähnliches sollte man also dementsprechend auch nicht erwarten.

Fazit:

Blood Father“ ist ein guter Actionthriller mit einer dreckigen, fiesen Atmosphäre und einem überzeugenden Cast. Man muss aber deutlich sagen, dass eher der Thrill im Vordergrund steht und die Action im Verhältnis gesehen eher verhalten ausfällt. Hier und da lassen sich auch leichte Dramaeinflüsse entdecken, die aber zumindest nicht aufgesetzt wirken und sich gut in die (ziemlich dünne und austauschbare) Geschichte einfügen. Man kann Spaß mit dem Film haben, wer es aber etwas actionreicher haben möchte, der möge sein Augenmerk vielleicht eher auf „Get the Gringo“ richten.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Splendid Film

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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