Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Heyne

Übersetzung: Berni Mayer

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Klappentext:

Marshall Grade hat zwei Leben. Früher war er undercover für das New York City Police Department im Einsatz. Nachdem er enttarnt wurde, hat das organisierte Verbrechen ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Jetzt sitzt er im Zeugenschutzprogramm in New Mexico fest und soll sich unauffällig verhalten. Doch dann verschwindet eine junge Frau, die jemandem aus seinem ersten Leben zum Verwechseln ähnlich sieht. Grade schlägt alle Warnungen in den Wind und begibt sich auf ihre Spuren. Wird es ihm diesmal gelingen, die Frau zu retten?

Kritik:

Eigentlich liest man es ja schon aus dem Klappentext: „American Blood“ von Ben Sanders ist ziemlich weit davon entfernt, den Titel für die innovativste Geschichte des Jahres zu bekommen. Auf der anderen Seite gilt das aber auch für Filme mit Jason Statham – und die erfüllen im Normalfall trotzdem ihren Zweck. Unterhalten.

Die Parallelen ließen sich an dieser Stelle jetzt immer weiter ziehen, den grundsätzlich entspricht die erste internationale Veröffentlichung Sanders über weite Strecken genau dem Prinzip des durchschnittlichen Actionthrillers. Anfangs wirkt alles noch etwas unübersichtlich und die Fülle an Figuren ist auch nicht gerade einfach zu überschauen. Mit voranschreitender Handlung wird die Geschichte dann aber schließlich klarer; man bekommt schnell einen Eindruck, in welche Richtung sich die Story bewegen wird. Mit vielen Überraschungen sollte man dabei nicht rechnen, alles in allem ist „American Blood“ sehr geradlinig ausgefallen. Auch der vermeindliche Aha-Effekt am Ende kommt nicht so überraschend, wie der Autor es vielleicht gerne gehabt hätte. Dafür stimmt das Tempo, von dem der Roman in erster Linie auch lebt. Die Spannung wird durch die Action erhalten, außerdem gelingt es Sanders dadurch, eine konstant bedrohliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Trotzdem, etwas mehr Pepp in der Story hätte dem Buch ganz sicher nicht geschadet. Auch nach der finalen Auflösung ist zudem auch nicht (logisch) nachvollziehbar, warum Marshall sich auf die Suche nach dem Entführungsopfer begibt. Die dafür gelieferten Gründe sind oberflächlich und wirken an den Haaren herbei gezogen.

Die Figuren überfuhren mich zunächst etwas. Nicht, weil sie so komplex wären, sondern rein auf Grund ihrer Anzahl. Es fällt zunächst etwas schwer, sie alle auseinander zu halten. Besonders ein Vater/ Sohn-Gespann, bei dem zunächst nur die Nachnamen genannt werden sind mir in der Hinsicht negativ aufgefallen. Der Überblick kommt erst später. „American Blood“ setzt mit Protagonist Marshall zudem auf eine Hauptfigur, die klischeebeladen ist. Undercover-Bulle im Zeugenschutzprogramm, der nicht viel auf Verhaltensregeln oder geltendes Recht gibt. Kennt man ja schon. Zwar liefert Sanders in Rückblenden einige Hintergrundinformationen, diese leiden aber unter der gleichen Klischeelastigkeit. Mit fehlten zudem auch echte Schwächen bei der Hauptfigur. Sie kann alles, macht alles und wird von alledem emotional auch wenig belastet. Interessanter ist da dann schon Antagonist Wayne. Hier ist es Sanders gelungen, ein sehr interessantes Bild eines Auftragskillers zu zeichnen, welches sich aber erst langsam entfaltet. Alles in allem hat er aber wesentlich mehr Profil als unser Statham… ähm, Marshall. Verschwendetes Potenzial gibt es zudem beim zweiten Antagonisten Troy. Zuerst bemüht sich der Autor, dem Leser Sympathien für ihn zu wecken, nur um diese dann ein paar Seiten später im Klo runter zu spülen. Das macht wenig Sinn.

Stilistisch steht Ben Sanders etwas auf der Kippe. Auf der einen Seite gelingt es ihm sehr gut, die Action seines Romans zu transportieren und zu veranschaulichen. In der Handlung und den Dialogen hingegen schwächelt er gerne mal. Wo die Gespräche zwischen Marshall und dem betreuenden US Marshal Cohen pfiffig daher kommen und (um wieder beim Film zu landen) fast One Liner-Charakter haben, sind die meisten anderen Gespräche teilweise sehr gestelzt. Hier wäre ein Vergleich mit dem englischsprachigen Original interessant, um heraus zu finden, ob dieses Problem an der (ansonsten sehr stimmigen) Übersetzung von Berni Mayer liegt. Auch an anderen Stellen ist „American Blood“ noch etwas ungeschliffen, so werden viele Dialogzeilen ganz schulbuchmäßig mit „Er sagte:“, „Sie fragte:“, „Er antwortete:“ eingeleitet. Das liest sich nicht übermäßig schön und ist vor allem eigentlich auch unnötig.

Fazit:

American Blood“ von Ben Sanders ist genau das, was er eingangs zu sein scheint. Ein Actionthriller, der nicht übermäßig tiefsinnig ist. Die Figuren sind teilweise doch sehr klischeehaft ausgefallen, die Geschichte ist dünn und Marshalls Motivation nicht logisch zu begründen. Trotzdem kann man dem Buch einen gewissen Unterhaltungsfaktor nicht absprechen. Kann man lesen – wenn man es nicht tut, verpasst man aber auch nicht viel.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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