OT: Ash vs. Evil Dead

Darsteller: Bruce, Campbell, Ray Santiago, Dana DeLorenzo

Freigabe: FSK 18

10 Folgen

Inhaltszusammenfassung:

Seit 30 Jahren drückt sich Ash Williams um die Verantwortung, die der Besitz des Necronomicons mit sich bringt. Solange, bis er dummerweise völlig stoned eine junge, scheinbar willige Dame beeindrucken will, um sie in die Kiste zu kriegen. Einer spontanen (und ziemlich dummen) Eingebung folgend, rezitiert er die berühmten Worte aus dem Buch. Es kommt, wie es kommen muss und seine Vergangenheit holt ihn wieder ein. Zeit, zur Schrotflinte und der berühmten Kettensägenhand zu greifen und den Zombies Feuer unter’m Hintern zu machen. Groovy!

Kritik:

Tanz der Teufel„, das Original von Sam Raimi aus dem Jahr 1981, zog zwei direkte Sequels nach sich und war außerdem die Vorlage für ein recht gelungenes Remake. Nun ist man mit „Ash vs. Evil Dead“ den nächsten Schritt gegangen und hat den, vermutlich erst durch den Reiz des Verbotenen, großen Kultklassiker als Basis für eine Serie hergenommen, und präsentiert mit B-Movie-Held Bruce Campbell auch gleich den Hauptdarsteller des Originals in seiner Paraderolle. In Deutschland ist die Serie bislang allerdings Amazon Prime Kunden vorbehalten.

Natürlich stellt sich schnell die Frage, ob dieses Format den Geist des ersten Films auch einfangen kann. Die Antwort hierzu lautet: bedingt. Wo „Tanz der Teufel“ sich ganz auf die Location der Waldhütte beschränkte, wird „Ash vs. Evil Dead“ zu einem Road Trip zu genau dieser Hütte. Das Ende steht am Anfang oder so ähnlich. Bei ganz ehrlicher und genauer Betrachtung sind sich die einzelnen Folgen der Serie dabei zudem auch sehr ähnlich. Die Truppe um Ash kommt irgendwo an, metzelt sich durch die Location, geht wieder. Hierbei werden immer wieder kleine Einzelhandlungen eingebettet, die allerdings zumeist recht dünn ausfallen und eigentlich nicht viel mehr zu tun haben, als die Serie nicht zu gänzlich hirnlosem Splatter werden zu lassen. Zwar umspannt der Metaplot die erste Staffel ganz gut, allerdings ist auch der in wenigen Worten abgehandelt. Komischerweise bleibt die Spannung dabei aber nicht auf der Strecke, denn auch wenn man, bedingt durch das Serienformat, natürlich weiß, dass die Herren und Damen irgendwann am Ziel ankommen werden, bleibt doch immer noch die Frage offen, wo sie wann und warum als nächstes landen werden und vor allem, ob sie die nächste Station auch wieder geschlossen verlassen, ohne Ausfälle beklagen zu müssen. Das Staffelfinale hingegen ist sehr schwach ausgefallen, wirkt uninspiriert und als ob sich das Team nicht sicher war, ob man noch eine zweite Staffel hinterherschicken würden (kommt aber, auch in Deutschland, wohl noch in diesem Jahr). Wer die Filme kennt, weiß zudem, dass es absolut nicht bierernst zugeht, wenn die Teufel wieder tanzen. Auch das hat man auf die Serie übertragen, Ash rennt sprücheklopfend durch die Gegend, als gäbe es kein Morgen mehr. Dazu gibt’s einiges an Situationskomik und natürlich Fun-Gesplatter. Leider sitzt der Witz aber nicht unbedingt immer, sodass man manchmal mehr müde als amüsiert grinsen muss.

Was nun die Figuren angeht, ist „Ash vs. Evil Dead“ offen gestanden ein Sprung von Klischee zu Klischee. Zum ersten Mal kriegt Ash Mitstreiter an die Seite gestellt, eine nett anzusehende junge Dame und einen lateinamerikanischen männlichen Sidekick. In der Gruppe gibt es eine nette Dynamik, die Wortgefechte zwischen den drei Hauptfiguren machen Spaß. Davon ab bietet die Serie allerdings nicht übermäßig viel. Campbell steht eindeutig im Mittelpunkt und ist offensichtlich auch mit Spaß bei der Sache. Da wohl hauptsächlich Fans der Filme angesprochen werden sollen, sind viele Hintergrundinformationen zu ihm nicht nötig. Kelly und Pablo hingegen sind sehr oberflächlich ausgefallen; fast scheint es, dass sie Ash nur zur Seite gestellt wurden, um entweder in Schwierigkeiten zu geraten oder ihn aus eben jenen herauszuboxen. Die anderen Figuren, die im Lauf der 10 Folgen auftauchen, kann man getrost auch ganz schnell wieder abhaken, hier bleibt kaum jemand länger im Gedächtnis als unbedingt nötig.

Die Effekte werden wohl das sein, woran sich die Geister am meisten scheiden. Soviel vorweg: „Ash vs. Evil Dead“ ist eine Splatterplatte, wie sie im Buche steht. Es wird geheadshotet, gekettensägt, gepfählt, kurz: gemetzelt was das Zeug hält. Stellenweise sind die SFX dabei auch echt ansehnlich ausgefallen. Immer dann, wenn sie handgemacht sind, wirken sie überzeugend und versprühen den Geist des ersten Films. Leider sind die CGI aber deutlich in der Überzahl und dabei auch absolut offensichtliche Computerprodukte. Was mich unter anderen Umständen wahrscheinlich extrem stören würde, passt in diesem Fall aber fast schon wieder in das trashige Konzept der Serie und erfüllt seinen Zweck damit trotzdem. Zwar hätte ich persönlich mir einen deutlich konsequenteren Einsatz der klassischen, handgemachten Effekte gewünscht, aber man kann halt nicht alles haben. Die Gewaltdarstellung ist für eine Fernsehserie (zumindest soweit mir bekannt) damit also ziemlich einzigartig und wahrscheinlich können wir froh sein, dass sie gnadenlos überzogen und immer mit einer Prise schwarzem Humor gewürzt präsentiert wird, ansonsten hätte eine Uncut-Veröffentlichung in Deutschland wohl ganz schlechte Karten gehabt.

Fazit:

Ash vs. Evil Dead“ teilt, zumindest in meinem Bekanntenkreis, die Fans in zwei Lager. Die einen finden die Serie abgrundtief schlecht, die anderen freuen sich einen Keks über die Reminiszenz an einen der großen Kult(horror)filme der 80er Jahre. Ich gehöre übrigens zur zweiten Kategorie und habe die 10 Folgen ziemlich schnell durchgesuchtet. Klar, die Figuren sind jetzt nicht unbedingt toll ausgearbeitet, der Humor zieht nicht immer und die CGI sind wenig überzeugend, aber das Konzept dreht die Regler von vornherein Richtung „Trash“, will kein ernsthaftes, schockierendes Hardcore-Horror-Geschehen sein, sondern ist in meinen Augen vor allem eines: ein Geschenk Raimis und Campbells an die Fans der Filme. Nicht jedem gefällt es, ich für meinen Teil freue mich aber wahnsinnig auf die zweite Staffel.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Amazon Prime Video Deutschland

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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