OT: The Plot To Kill The Pope
Taschenbuch: 445 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Übersetzung: Thomas Schichtel
Dead Hunters-Reihe, Band 1

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Klappentext:

Man nennt ihn den Roten Mohikaner. Wann immer er auftaucht, trägt er eine Maske mit einem roten Irokesenschnitt – und hinterlässt ein Blutbad. Rodeo Rex bekommt den Auftrag, den Mohikaner auszuschalten, denn der will als nächstes angeblich den Papst höchstpersönlich ermorden. Und es kommt noch besser: Rex soll nicht allein auf diese Jagd gehen. Zwei Auftragskiller, deren Ruf in puncto Wahnsinn dem Mohikaner in nichts nachsteht, sind mit von der Partie – der legendäre Elvis und der zu spontanen Gewaltexzessen neigende Bourbon Kid. Eine Höllentour im Namen des Heiligen Vaters beginnt …

Kritik:

Anonymus ist voll mein Ding. Das ist, wenn man sich ein bisschen in den Archiven umsieht, nur allzu offensichtlich. Von daher war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch der neue Roman „Drei Killer für ein Halleluja“ Einzug ins heimische Regal halten durfte. Dieses Mal sogar als Gewinn, vielen Dank noch einmal an Manuela und ihr Blog „Lesenswertes aus dem Bücherhaus„.

Anonymus, oder Bourbon Kid, so bezeichnenderweise das Pseudonym im englischen Original, steht seit jeher für ziemlich abgefahrene Geschichten, die eine deutliche B-Movie (B-Book? B-Story? Wie zum Geier nennt man es denn nun in der Literatur?) Schlagseite haben. Daran ändert auch die aktuelle Veröffentlichung „Drei Killer für ein Halleluja“ nicht viel. Auch nicht neu ist, dass der Autor sich nicht viel Zeit für den Aufbau der Geschichte nimmt, sondern direkt durchstartet – und zwar mit einem Affenzahn. Das erste Kapitel weist die Richtung für den weiteren Storyverlauf, so mag man als Kenner der anderen Titel vermuten. Stimmt auch. Fast. Denn im Gegensatz zur Bourbon Kid-Reihe oder auch dem Vorgänger „Psycho Killer“ bleibt der aktuelle Roman eine recht lange Zeit eher ruhig, baut nur hier und da eine kleinere Gewaltspitze ein und schafft es dabei trotzdem, die gleiche abgefahrene Atmosphäre aufzubauen, die man von Anonymus gewohnt ist. Auch der Spannungsbogen kommt dabei nicht zu kurz, er wird hier aber tatsächlich im klassischen Sinn aufgebaut, statt sich einfach von Gemetzel zu Gemetzel zu hangeln. Eine Entwicklung, die man im Rückblick von Veröffentlichung zu Veröffentlichung schon gut verfolgen konnte. Man sollte aber zumindest den direkten Vorgänger gelesen haben, denn vieles im neuen Anonymus nimmt auf diesen Bezug. Theoretisch klappt es auch ohne Vorkenntnisse, mit macht es aber sicherlich deutlich mehr Spaß.

Bei den Figuren bekommt man ein kleines Allstar-Team geboten. Neben Joey, dem Roten Irokesen (klingt dämlich, ist aber so – das englische Red Mohawk hätte sich bestimmt besser gelesen. Noch peinlicher übrigens, dass er auf dem Klappentext wörtlich übersetzt und zum Mohikaner gemacht wird.) und seiner Perle Baby (ja, der Dirty Dancing-Bezug ist gewollt) tauchen noch weitere Bekannte aus „Psycho Killer“ auf, komplettiert wird der Cast von Rodeo Rex, Elvis und dem unvergleichlichen Bourbon Kid aus der gleichnamigen Reihe. Allerbeste Voraussetzungen also für stumpfe Mord und Totschlag-Action. Dachte ich zumindest. Tatsächlich ist es Anonymus aber, besonders in Bezug auf Joey, gelungen, seinen Charakteren in „Drei Killer für ein Halleluja“ deutlich mehr Tiefe und vor allem menschliche Seiten zu verleihen. Das ist interessant, denn so kann hat man weniger den Eindruck, es mit einem übermenschlichen Massenmörder zu tun zu haben (okay, eigentlich ist er das ja mehr oder weniger. Egal, ihr wisst, was ich sagen will). Nicht gefallen hat mir hingegen die Entwicklung des Bourbon Kid. Ich finde die Figur, so wie sie in der Tetralogie war, großartig. Hier wird er nun aber von einem mysteriösen Serienmörder zu einem Auftragskiller. Einem verdammt coolen zwar, aber in meinen Augen gehen dadurch die Wurzeln der Figur zu sehr verloren. Es ist also ein bisschen, wie nach Jahren einen alten Kumpel zu treffen, der sein Leben aber um 180 Grad gedreht hat. Das finde ich ein bisschen schade. Erfreulich waren jedoch die kleinen Cameos anderer bekannter Figuren – auch wenn mir Sanchez nach wie vor fehlt.

Stilistisch hingegen kann ich mich nicht beschweren. Anonymus setzt immer noch auf die Trademarks, die seine Veröffentlichungen wie einen auf Papier gebannten Tarantino-Film wirken lassen. Viel Humor, meistens bitterböse und sarkastisch sowie eine Menge Gewalt (ja, nachdem die erste Hälfte vergleichsweise ruhig war, geht es anschließend derbe zur Sache und steuert auf ein Massaker zu, wie man es kennt und mag). Glücklicherweise hat man mit Thomas Schichtel wieder den selben Übersetzer an Bord geholt wie schon im Vorgänger, sodass „Psycho Killer“ und „Drei Killer für ein Halleluja“ auch in der deutschen Version wie aus einem Guss wirken, nachdem die Bourbon Kid-Reihe sich durch drei unterschiedliche Übersetzer teilweise doch eine ziemlich unterschiedliche Tonalität hatte.

Fazit:

Drei Killer für ein Halleluja“ ist ein Crossover-Spektakel aller bisherigen Anonymus-Veröffentlichungen. Und es macht durch und durch Spaß. Eine Menge Guts ’n Gore, eine Menge Action und dabei doch eine Erzählweise, die den Charakteren nach „Das Buch des Todes“ erstmals wieder mehr Entfaltungsspielraum bietet und eben nicht zu sehr nach selbstzweckhafter Gewalt aussieht. Das einzige Manko war hier tatsächlich die Entwicklung des Bourbon Kid, mit der ich mich noch nicht so richtig anfreunden kann – und mich trotzdem tierisch darauf freue, dass die „Dead Hunters“ (so der Name des Killer-Teams) wieder eine Reihe werden. Yay!

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.