Andreas Winkelmann: Housesitter

Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Wunderlich

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Klappentext:

Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter

Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.

Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen…

© Wunderlich Verlag

Kritik:

Dass die Bücher von Andreas Winkelmann gut sind, ist dem regelmäßigen Leser des Blogs mit Sicherheit schon aufgefallen. Darum war es abzusehen, dass auch seine neuste Veröffentlichung, »Housesitter«, früher oder später hier ihren Platz finden wird. Zugegeben, es ist früher.

Bereits von der ersten Zeile an versteht Winkelmann sich wieder sehr gut darauf, eine düstere und bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Er gibt eine Marschrichtung vor, welcher »Housesitter« über die knapp 500 Seiten dann auch gnadenlos folgt. Damit einher geht eine Spannungskurve, die zunächst vergleichsweise langsam nach oben geht, nach den ersten Kapiteln dann aber einen Blitzstart hinlegt. Die Jagd auf den Entführer kommt mit einer Menge Tempo daher, Verschnaufpausen werden dem Leser zunächst durch eine zweite Zeitschiene gewährt, die einen Blick in die Vergangenheit der Titelfigur erlaubt. Die Atmosphäre ist anfangs eher beklemmend als bedrohlich, entwickelt sich mit der Zeit aber auch in Richtung Thriller und gibt vor allem einen guten Einblick in die Persönlichkeit des Antagonisten. Schließlich und endlich wird beides logisch und schlüssig miteinander verwoben. Als Topping wird ein extrem temporeiches Finale aufgesetzt, bei welchem es beinahe unmöglich ist, den Roman aus den Hand zu legen – auch dank der vielen fiesen Cliffhanger, die den Leser im Unklaren über so manches Schicksal lassen und tatsächlich auch erst am Ende aufgelöst werden. Fies, aber geil!

Leider bewegen sich die Figuren nicht konstant auf einem solch hohen Niveau wie die Story selbst. Über gut ⅔ des Buches erschienen sie mir stellenweise etwas oberflächlich und vor allem zu sehr in starre Gut-Böse-Muster und die beiden Kategorien ›Sympathisch‹ und ›Unsympathisch‹ gequetscht. Ich hätte mir etwas differenziertere Charaktere gewünscht, deren Rolle in der Geschichte nicht von Beginn an klar ist. Für mich persönlich war der Bruder des Hauptprotagonisten Thomas Bennett, Nils, ein kleines Highlight. Ein Schlitzohr, welches so einigen Dreck am Stecken zu haben scheint, dabei aber doch irgendwie sympathisch ist. Aber Stammleser wissen ja, dass ich ohnehin eine kleine Schwäche für Antihelden habe. Im letzten Drittel wird den Handlungsträgern von »Housesitter« dann doch noch ein bisschen mehr Tiefe verliehen, was zum Beispiel bei Kerkmann auch gut funktioniert. Dass die Identität des Entführers und dessen Persönlichkeit sich erst im Verlauf der Handlung immer weiter herauskristallisieren, ist hingegen ein Kniff, der mir sehr gut gefallen hat.

Was die Schreibweise angeht, muss man über Andreas Winkelmann nicht mehr viele Worte verlieren. Auch »Housesitter« lebt von einer sehr lebendigen und bildhaften Sprache. Auf den Punkt geschrieben, ohne unnötig aufgebläht zu wirken, geht der Roman gut von der Hand. Daran ändern auch die paar Rechtschreibfehler, die durchs Korrektorat gerutscht sind, nichts. Die wenigen Gewaltspitzen sind dezent eingesetzt und passend in die Geschichte integriert. Wer also einen Hardcore-Thriller der Marke Chris Carter erwartet, wird wohl etwas enttäuscht sein. Wer Hochspannung erwartet, ist allerdings absolut richtig.

Fazit:

Mit »Housesitter« festigt Andreas Winkelmann seinen Ruf, zur Spitze der deutschsprachigen Thrillerautoren zu gehören. Sieht man von den etwas monotonen Figuren einmal ab, hat sein neustes Werk alles, was der Genrefreund erwartet. Einen Antagonisten, der mysteriös und undurchschaubar bis zum Schluss bleibt, eine Atmosphäre, die jederzeit überzeugend ist und vor allem Spannung von der ersten Seite an bis hin ins nervenzerfetzende Finale. So soll es sein!

Wollt ihr mehr über Andreas Winkelmann erfahren? Dann werft einen Blick in unser Interview!

Denkt ihr, dass deutsche Autoren mit der internationalen Konkurrenz mithalten können oder bevorzugt ihr Thrillerkost aus dem Ausland? Lasst uns doch einen Kommentar da!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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