Taschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Piper

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Klappentext:

Aurelius, vor zehntausend Jahren auf der legendären Erde geboren, ist einer von nur sechs Menschen, die Zugang zu Omni haben, einem Zusammenschluss von Superzivilisationen, der die Macht über die Milchstraße innehat. Nun erhält Aurelius seinen letzten Auftrag: Er soll verhindern, dass ein rätselhaftes Artefakt an Bord des im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs Kuritania in falsche Hände gerät. Eine einflussreiche Schattenorganisation ist dem Wrack bereits auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober sollen den Fund bergen und Aurelius entführen – denn mit seiner Hilfe könnte das Artefakt wieder aktiviert werden. Doch die Mission gerät außer Kontrolle – und Aurelius, Forrester und Zinnober finden sich in einem undurchsichtigen Spiel wieder, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedroht …

Kritik:

Bereits von „Das Schiff„, dem letzten Roman von Andreas Brandhorst, war ich sehr angetan. Nun steht mit „Omni“ der Nachfolger in den Startlöchern. Und natürlich war die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Das ist nun aber bekanntlich nicht immer von Vorteil.

Glücklicherweise kann ich aber direkt zu Beginn Entwarnung geben. „Omni“ kommt mit den gleichen Stärken daher, die auch den letztjährigen Output Brandhorsts ausgezeichnet haben – und die hier sogar teilweise noch etwas stärker in den Vordergrund treten. So gelingt es dem Autoren von der ersten Seite an, einen Spannungsbogen zu schaffen, der mich direkt gefangen nehmen konnte und mich auch bis zum Schluss nicht mehr losließ. Geschickt entwickelt Brandhorst gleich zwei rote Fäden, die zwar eng miteinander verwoben sind, sich aber nur an einigen Punkten tatsächlich kreuzen. Den Stoff, den er hier verarbeitet hat, würden andere Autoren direkt in zwei Romane packen. Das sorgt dafür, dass „Omni“ auch über den großen Umfang von 560 Seiten zu keiner Zeit langweilig wird. Dazu wird wieder eine Atmosphäre geschaffen, die absolut greifbar ist. Das mag zum Großteil daran liegen, dass ich als Leser den Eindruck hatte, es tatsächlich mit einem homogen gewachsenen Universum zu tun zu haben. Anders als viele Science Fiction-Autoren beschränkt sich Brandhorst nicht darauf, nur den unmittelbar für die Handlung wichtigen Teil des Alls auszuarbeiten, sondern liefert eine komplexe Hintergrundgeschichte inklusive politischer Konstrukte und Verflechtungen ab, die vorbildlich ist. Auf den letzten 150 Seiten bekommt man schließlich noch ein sehr temporeiches und spannendes Finale serviert, welches dem Roman die Krone aufsetzt.

Auch was die Figuren angeht, wird aus den Vollen geschöpft. Zwar sind die wichtigsten Figuren an einer Hand abzuzählen, Brandhorst gibt ihnen aber durch die Bank ein ordentliches Profil. Alle Charaktere kommen glaubwürdig daher, ihre Motivation bleibt oftmals zunächst im Dunklen verborgen, wird erst im Laufe der Story immer mehr offen gelegt. Vinzent und Zinnober, die beiden Hauptcharaktere, erleben in der Geschichte zudem eine den Ereignissen angemessene und nachvollziehbare Entwicklung. Angereichert wird der Stoff zudem noch mit einer Unmenge an Nebenakteuren unterschiedlichster Couleur und einem Antagonisten, der auch erst nach und nach seine Pläne offenbart – und die Geschichte dadurch zusätzlich lesenswert macht.

Auch stilistisch kann ich gegen „Omni“ nichts sagen, obwohl es sich von der Art her doch deutlich von „Das Schiff“ unterscheidet. Wo letzteres über weite Strecken sehr ruhig und philosophisch daher kam, ist der Nachfolger wesentlich direkter und actionreicher ausgefallen. Trotzdem beschäftigt sich Brandhorst auch hier mit ethnischen und moralischen Fragen, die durchaus über den Roman hinaus in unsere Zeit passen würden. Ob das nun Intention ist oder nicht sei erstmal dahin gestellt, dem Buch bekommt es aber sehr gut. In seinem Nachwort schreibt Brandhorst, dass seine aktuelle Veröffentlichung eine Hommage an die bildgewaltige Schaffenskraft George Lucas‘ enthält. Das merkt man, denn diese Bildgewalt findet sich auch in „Omni“ wieder. Ich hatte in jeder Situation ein Bild vor Augen. Super. Zwar musste ich mich zu Beginn noch etwas in die Geschichte hineinfuchsen und auch öfters mal im Glossar nachschauen, allerdings gibt sich das mit voranschreitender Story immer mehr. Die anfangs eventuell auftretenden Fragen werden im Handlungsverlauf aufgeklärt und vermitteln einen noch tieferen Eindruck in die Welt von Vincent, Aurelius und Zinnober.

Fazit:

Omni“ setzt auf die Stärken des Vorgängerromans „Das Schiff“ auf und geht dabei noch einen Schritt weiter. Wieder gelingt es Andreas Brandhorst, ein Buch vorzulegen, welches zwar auf der einen Seite komplex und anspruchsvoll, auf der anderen aber auch sehr zugänglich und gut zu lesen ist. Die Geschichte ist packend, umfangreich und, wie auch das Universum dahinter, sehr gut durchdacht. Dazu gibt es wieder tolle Figuren und die eine oder andere Passage, die nachdenklich stimmt und nachhallt. Es wundert mich nicht, dass Brandhorst zur Speerspitze der deutschen SciFi-Autoren gehört.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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