ewiges lebenAndreas Brandhorst – Ewiges Leben

Klappenbroschur: 704 Seiten
Verlag: Piper

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Klappentext:

Die Journalistin Sophia erhält einen scheinbar harmlosen Auftrag: Für den Biotechnologie-Konzern Futuria soll sie ein Porträt für die Firmengeschichte verfassen. Futuria wird wegen seiner Verdienste um die gentechnische Heilung von Krankheiten wie Krebs und der Forschungen auf dem Gebiet der Lebensverlängerung geschätzt. Doch je tiefer Sophia gräbt, desto unheimlicher wird ihr das Unternehmen, dessen Gründer, der legendäre Salomon Leclerq, seit einigen Jahren verschwunden ist. Sie stößt auf Hinweise, dass Futuria den genetischen Schlüssel für die Unsterblichkeit gefunden hat. Doch hinter der Verheißung von ewigem Leben verbirgt sich ein düsteres Geheimnis, ein großangelegter Plan, den das Unternehmen verfolgt. Gemeinsam mit dem abtrünnigen Casper muss Sophia alles daransetzen, den Plan zu vereiteln. Denn Futuria hat nicht vor, sein Wissen nur zum Wohle der Menschheit einzusetzen …

© Piper Verlag

Mittlerweile versorgt Andreas Brandhorst seine Anhänger nicht nur ein Mal jährlich, sondern gleich im Doppelpack mit neuem Lesestoff. Neben dem obligatorischen SciFi-Epos erschien bereits im vergangenen Jahr der Thriller »Das Erwachen«, welcher für mich persönlich zu den absoluten Highlights in 2017 zählt. Dementsprechend hohe Erwartungen hatte ich natürlich an seinen aktuellen Spannungsroman »Ewiges Leben«, der natürlich wie gehabt im Piper Verlag veröffentlicht wurde.

Es wird dann auch schnell klar, dass diese Erwartungen zurecht aufgekommen sind, denn auch Brandhorsts’ aktuelles Buch macht direkt klar, wo der Hammer in Hinsicht auf die Spannung hängt. Ganz flott ganz weit oben – und dieses Niveau wird auch über den gesamten Verlauf des Romans annähernd gehalten. Zwar gibt es hier und da einen kleinen Durchhänger, »Ewiges Leben« berappelt sich aus den Flauten aber zügig wieder und treibt das Tempo dann postwendend zurück nach oben. Wie gehabt ist auch der 2018er Thriller zumindest leicht futuristisch angehaucht, wobei sich die Entwicklung der brandhorstschen Welt aber auf einem Level bewegt, welches greifbar und durchaus realistisch ist. Die Geschichte erhält dadurch einen bodenständigen Touch, der die Storyentwicklung in einem unheilvollen Licht erscheinen lässt – auch wenn dieses nicht die Qualität von »Das Erwachen« erreicht, das für mich persönlich noch eine Spur erschreckender und aufrüttelnder gewesen ist.

»Ewiges Leben« scheint zudem leicht an Ernest Clines’ gefeierten Roman »Ready Player One« angelehnt zu sein. Auch Brandhorsts’ Buch räumt der virtuellen Realität einen gewissen Raum ein, der aber – glücklicherweise – wesentlich kritischer betrachtet wird, als es im von Steven Spielberg verfilmten Bestseller der Fall ist. Das war einer meiner größten Kritikpunkte und ja, ich freue mich darüber, dass hier deutlich mehr Reflexion an den Tag gelegt wird, als es bei Cline der Fall gewesen ist.

Wie immer lebt auch »Ewiges Leben« viel von den starken Figuren, die der Autor geschaffen hat. Sie alle wirken glaubwürdig und echt, und sie alle machen deutlich, wie angewiesen wir bereits heute auf die Möglichkeiten der modernen Technik, insbesondere der Medizin, sind – und wohin sich diese Abhängigkeit noch entwickeln könnte. Aus diesem Plot zieht der Roman einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Spannung und vor allem der Aktualität. Leider muss aber gesagt werden, dass bei der Ausgestaltung sehr viel schwarz/weiß Malerei stattfindet, die Fronten also auf den ersten Blick sehr klar vor dem Leser ausgebreitet werden. Lediglich zum Schluss hin wird dann doch noch mit einer kleinen Überraschung aufgewartet, die sich allerdings ebenfalls schon nach etwa drei Vierteln des Buches abzuzeichnen begann. Das ist etwas schade, denn hier wäre bestimmt noch etwas Platz für die eine oder andere Wendung gewesen.

Nichts zu meckern gibt es hingegen am Stil. Brandhorst bewegt sich mittlerweile auf einem Level, welches man wohl ohne zu übertreiben den »Höhepunkt seines Schaffens« nennen darf. Leicht und flüssig zu lesen, ohne dabei ins Anspruchlose abzudriften. Perfekt.

Fazit:

8»Ewiges Leben« reiht sich nahtlos hinter »Das Erwachen« ein – ein gelungener, extrem spannender Thriller, der durch seine Handlung trotz des leicht futuristischen Settings brandaktuell und realistisch ist. Brandhorst widmet sich in seinem Rundumschlag nicht nur der zentralen Frage nach dem ewigen Leben, sondern bettet darin auch noch weitere Themen ein, die für den Menschen von heute zwangsläufig zu einem Problem werden. Klimawandel, das Abdriften in die virtuelle Realität, die Abhängigkeit von der Technik und von denen, die den Finger darauf halten. Super! Ich hätte mir nur ein paar mehr Überraschungen bei der Figurenentwicklung gewünscht, dann wäre aus einem tollen ein großartiges Buch geworden.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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