die tiefe der zeitAndreas Brandhorst – Die Tiefe der Zeit

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Piper Verlag

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Klappentext:

Seit vielen Tausend Jahren führt die Menschheit Krieg gegen die geheimnisvollen Crul. Und seit ebenso langer Zeit erzählt man sich Geschichten von der Hauptstreitmacht des Feindes, die seit Ewigkeiten durch die Weiten des interstellaren Raums unterwegs ist, um eines Tages die Kernwelten der menschlichen Zivilisation zu vernichten. Der ehemalige Soldat Jarl, dem man Verrat und Mord zur Last legt, ist auf der Flucht vor den eigenen Verbündeten. Als Gejagter muss er die legendäre Erde finden, jenen mythischen Ursprungsplaneten der Menschen. Denn dort soll die größte aller Waffen lagern, eine Waffe, die den Krieg beenden und Frieden bringen kann. Jarls Suche führt ihn durch die Tiefe der Zeit. Doch er ahnt nicht, dass er nur ein Werkzeug in einem viel größeren Plan ist …

© Piper Verlag

Ein Roman von Andreas Brandhorst ist jedes Mal aufs Neue etwas, worauf man gerne wartet. So geht es mir, seitdem ich »Das Schiff« als meinen persönlichen Brandhorst-Erstling gelesen habe. Die Vorfreude auf »Die Tiefe der Zeit« war dementsprechend groß – zumal der Autor erneut ein neues Universum geschaffen hat, worauf er sich hervorragend versteht.

Seine neuste Veröffentlichung wirft den Leser somit in unbekannte Gefilde, die sich, wie man es gewohnt ist, als sehr schlüssig und mit einer dichten, glaubwürdigen Atmosphäre versehen darstellt. Insoweit also alles so, wie man es kennt und mag. Die Geschichte als solche breitet sich langsam aus, mit steigender Seitenzahl wächst das Verständnis dafür, wie sich diese Zukunftsvision dorthin entwickeln konnte, wo sie steht. Dieses Verständnis wächst auf eine unterhaltsame Art und Weise, sodass man sich als Leser nicht mit seitenlangen trockenen Fakten herumschlagen muss, sondern einfach so tiefer in die Materie rutscht, ohne dabei gelangweilt zu werden. Gut gelöst, insbesondere da die Geschichte zum Ende hin deutlich an Komplexität zulegt und die Hirnwindungen etwas mehr beansprucht, als es ein typische Military-SF oder eine Space Operas tun. Man muss sich zudem darauf einlassen, dass »Die Tiefe der Zeit« nicht nur eine einzelne Geschichte erzählt, sondern vom Schicksal und den Erlebnissen mehrerer Figuren lebt, welche erst im letzten Drittel endgültig zusammengeführt werden.

Die Charaktere sind dann auch so ein Fall für sich. Andreas Brandhorst hat eine Welt geschaffen, in der die Menschen für ihre Aufgaben geboren werden, im allerwörtlichsten Sinn. Doch was ist, wenn sie die ihnen zugedachte Rolle nicht einnehmen wollen, sie – und damit verbunden sich selbst – verabscheuen? Wohin führt blinde Pflichterfüllung, wie sehr ist die eigene Persönlichkeit in einer derart starren Welt in der Lage, sich gegen das aufzulehnen, wofür sie geschaffen wurde? Eine mögliche Antwort darauf gibt die Story um Jarl, der als Hauptfigur so gar nicht in die Kaste der Krieger passen will, zu dem ihm sein gelbes Blut macht. Aus ihr zieht »Die Tiefe der Zeit« einen Großteil seiner Dramatik, während der Teil rund um die Strategin Prizilla ein wenig mehr im Zeichen des großen Ganzen steht. Auch hier ist immer wieder die Auflehnung gegen das bestehende System zu erkennen, auch wenn ihre Beweggründe sich gänzlich von denen Jarls unterscheiden – was die beiden Handlungsfäden in ihrer Gegensätzlichkeit zu den tragenden Säulen der Story macht und dafür sorgt, dass die Charaktere durch ihre Zielsetzungen und Motivationen ein rundes Gesamtbild ergeben.

Stilistisch muss ich über Brandhorst vermutlich zumindest für die Stammleser des Blogs nicht mehr viele Worte verlieren. Neben der Fähigkeit, tiefgründige und nachvollziehbare Universen zu schaffen, stechen seine Veröffentlichungen durch einen wort- und bildgewaltigen Sprachstil hervor, der immer den schmalen Grat zwischen Komplexität und Zugänglichkeit trifft. »Die Tiefe der Zeit« macht da keine Ausnahme und ist somit für jede Lesevorliebe gut geeignet.

Fazit:

Andreas Brandhorst setzt seinen Erfolgszug auch mit seinem neusten Roman fort. »Die Tiefe der Zeit« vereint alle Trademarks wie einen bildgewaltigen Sprachstil, einen hohen Spannungsbogen, gelungene Figuren und ein durchdachtes und glaubwürdiges Universum. Ein starker Science-Fiction-Roman, der gutes für den im Herbst folgenden Thriller »Ewiges Leben« erahnen lässt.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.