diamantAndreas Brandhorst – Diamant

Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Piper

Die Kantaki-Saga, Band 1

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Klappentext:

Die Menschheit hat es geschafft! Mit Hilfe der Kantaki, insektoider Aliens, die über die Technik des überlichtschnellen Raumflugs verfügen, ist es ihr gelungen, ferne Welten zu besiedeln. Die Herrschaft darüber teilen sich zwei wirtschaftliche Großmächte, das Konsortium und die Allianz. Doch feindliche Wesen bahnen sich ihren Weg zurück an die Macht: Einst in ein Zeitgefängnis verbannt, wollen die gefährlichen Temporalen die Galaxis erneut mit Krieg überziehen. Dabei missbrauchen sie Rungard Avar Valdorian, ehemaliges Oberhaupt des Konsortiums, als ihren Helfer. Werden Menschen, Kantaki und ihre Verbündeten das Universum noch retten können?

© Piper Verlag

Dass ich die Geschichten von Andreas Brandhorst sehr mag, ist wohl mittlerweile jedem deutlich geworden, der regelmäßig hier vorbeischaut. Bereits mit “Das Schiff“, dem ersten mir bekannten Roman aus seiner Feder, wusste er mich absolut zu überzeugen. Und so war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die Piper-Neuauflage seiner Kantaki-Saga bei mir einziehen durfte. Der Auftakt der sechsteiligen Reihe ist “Diamant“, die Geschichte um eine menschliche Pilotin in den Diensten der mysteriösen Kantaki.

 

Man könnte nun fast sagen, dass es sich bei dem Buch um ein “Frühwerk” Brandhorsts handelt, schließlich stellt die Geschichte seine Abkehr von den Auftragsübersetzungen zurück zu den eigenen Romanen dar. Aber eben nur fast. Der Aufbau der Story macht schnell deutlich, dass man es mit einem Autoren zu tun hat, der genau weiß, was er tut. In seinen aktuelleren Werken habe ich mich immer wieder begeistert davon gezeigt, wie es ihm ohne große Schwierigkeit gelingt, große und atmosphärische Universen aufzubauen, die es schaffen, den Leser mitten ins Buch zu ziehen. “Diamant” ist hier  keine Ausnahme, es kommt schnell eine Stimmung auf, die trotz aller Phantastik glaubwürdig und nachvollziehbar scheint – zumindest, soweit es die menschliche Seite betrifft. Die Kantaki hingegen verleihen dem Roman eine weitere, deutlich mysteriösere Facette, die dem Buch immer wieder etwas Schlagseite weg von der Science hin zur Fiction gibt und eine interessante Atmosphäre entstehen lässt. Leider bleibt die Spannung mitunter etwas auf der Strecke, da sich die Story sehr auf den Aufbau der Charaktere fokussiert, was allerdings nicht zwangsläufig negativ zu betrachten ist. Zudem sollte erwähnt werden, dass “Diamant” ganz deutlich einen Auftaktband darstellt, der mit einem offenen Ende daherkommt und lediglich den Wegbereiter für eine deutlich komplexere und umfangreichere Geschichte darstellt. So werden die Temporalen und ihre Rückkehr hier nur kurz angerissen, das Wissen um sie nur etappenweise und vergleichsweise oberflächlich vertieft.

Die Figuren sind es schließlich, mit denen eine gute Geschichte steht und fällt und in diesem Fall nimmt sich Andreas Brandhorst sehr viel Zeit, beim Leser ein Verständnis für die Akteure, ihre Beweggründe und ihre spezielle Beziehung zueinander aufzubauen. Dabei entstehen mit Lidia DiKastro und Rungard Avar Valdorian zwei grundverschiedene Hauptcharaktere, die sehr gut ausgearbeitet sind und deren Entwicklung man als Leser gut nachvollziehen kann. Brandhorst gelingt es, sie beide glaubwürdig auszugestalten, auch wenn die Sympathien bereits früh und deutlich verteilt werden dürften.

Stilistisch gibt es, wie vom Autor gewohnt, nichts zu meckern. Bereits der erste Kantaki-Roman macht deutlich, dass es problemlos möglich ist, auf dem schmalen Grad zwischen Zugänglichkeit und Komplexität zu wandern, auf einer der beiden Seiten abzustürzen. Komplexität ist in Bezug auf “Diamant” ein gutes Stichwort, denn der Roman erzählt die Geschichte von zwei reifenden Personen auf unterschiedlichen Zeitebenen. Es wird immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und her gesprungen, was zunächst vielleicht etwas verwirrend sein mag, im Lauf des Buches aber schließlich in Fleisch und Blut übergeht.

Fazit:

8Diamant” macht deutlich, dass es höchste Zeit für Brandhorsts Rückkehr zu den eigenen Geschichten gewesen ist. Der Auftakt seiner Kantaki-Saga lebt von den schön ausgestalteten Figuren und der Geschichte, die sie miteinander verbindet, ohne dabei den großen Metaplot zu kurz kommen zu lassen. Die Atmosphäre trägt ihr übriges dazu bei, dass man ein Buch in der Hand hält, welches Lust auf mehr macht und zugleich deutlich aufzeigt, warum es sich um eine Saga handelt – denn die Story beginnt gerade erst, sich komplett zu entfalten.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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