Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Piper

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Klappentext:

Der neue Roman des Bestsellerautors von »Das Artefakt« und »Kinder der Ewigkeit«: Seit tausend Jahren schicken die intelligenten Maschinen der Erde lichtschnelle Sonden zu den Sternen. Sie sind auf der Suche nach den Hinterlassenschaften der Muriah, der einzigen bekannten und längst untergangenen Hochkultur in der Milchstraße. Bei der Suche helfen die Mindtalker, die letzten sterblichen Menschen auf der Erde – nur sie können ihre Gedanken über lichtjahrweite Entfernungen schicken und die Sonden lenken. Doch sie finden nicht nur das technologische Vermächtnis der Muriah, sondern auch einen alten Feind, der seit einer Million Jahren schlief und jetzt wieder erwacht.

Kritik:

Vor einiger Zeit hatten wir die Möglichkeit, den Übersetzer Andreas Brandhorst im Interview ein bisschen kennen zu lernen. Somit konnte es auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir dem Autoren Andreas Brandhorst etwas Raum im Blog einräumen. Dass seine aktuelle Veröffentlichung „Das Schiff“ unlängst mit dem Deutschen Science-Fiction Preis sowie dem Kurd-Laßwitz-Preis 2016 ausgezeichnet wurde, steigerte die Neugier natürlich noch mehr und sorgte dafür, dass diese Zeit nicht allzu lang wurde.

Brandhorst verschwendet am Anfang nicht viel Zeit damit, den Leser über die Ereignisse vor dem Beginn des Romans aufzuklären, sondern lässt die Handlung gänzlich unvorbereitet auf ihn los. Auf den ersten Seiten führte das noch dazu, dass ich mich immer wieder dabei ertappte, einen Blick in das Glossar des Romans zu werfen und, das muss ich gestehen, hier und da etwas mit der Stirn runzelte. Es wurde mir allerdings schnell bewusst, dass „Das Schiff“ eines dieser Bücher ist, die Zeit brauchen, um sich zu entfalten. Schnell finden sich erste Andeutungen darauf, dass die Situation zwischen den intelligenten Maschinen, genannt „der Cluster“ und den lediglich 4 Millionen Menschen auf der Erde, von denen die meisten unsterblich sind, nicht so friedlich ist, wie es zunächst scheint. Auch was es mit dem ominösen Weltenbrand auf sich hat, der einen Großteil des Lebens in der Galaxis auslöschte, bleibt zunächst im Dunkeln verborgen. Wer dem Buch aber die Zeit gibt sich zu entwickeln, wird mit einer äußerst dichten Atmosphäre belohnt, die vor allem von der philosophischen Herangehensweise Brandhorsts an das Thema Mensch/ Maschine geprägt wird. Richtig gelesen, ich sagte philosophisch. Glücklicherweise bedeutet das aber noch lange nicht, dass „Das Schiff“ zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig wird, im Gegenteil. Gerade aus dieser Situation zieht das Buch einen Großteil seiner Spannung. Ich wollte unbedingt wissen, was nun die tatsächlichen Beweggründe sind, was es mit den angedeuteten Auseinandersetzungen zwischen Cluster und Menschen auf sich hatte, wollte mehr über das von Brandhorst geschaffene Universum erfahren. Und nicht zuletzt wollte ich natürlich auch wissen, was aus der Hauptfigur Adam wird. Die Geschichte mündet schließlich in ein hochgradig spannendes Finale, dessen letzte Wendung absolut unvorhersehbar war und welches einen genialen Abschluss der Geschichte darstellt und schließlich aus dem anfangs noch sehr fordernden Universum eine absolut runde Sache macht, in der alle Fragen, die man sich zu Beginn noch gestellt hat, geklärt werden.

Die Charaktere, allen voran eben Adam, sind dabei ohnehin eine weitere große Stärke des Buches. Gerade der Protagonist der Geschichte bekommt eine Entwicklung verpasst, die ihresgleichen sucht. Das mag in erster Linie daran liegen, dass es dem Autoren wunderbar gelingt, beide Seiten von Adams Leben sehr detailliert zu beschreiben und beim Leser durch diesen riesigen Abgrund, der sich zwischen den beiden Welten befindet, den Eindruck enstehen lässt, es fast schon mit zwei Figuren zu tun zu haben, die sich aufeinander zu entwickeln. Klingt etwas verwirrend, was? Ist es aber eigentlich überhaupt nicht – wenn man das Buch selbst liest, ist es im Gegenteil sehr schlüssig, also keine Angst. Auch die anderen Charaktere weisen zumeist eine sehr interessante Entwicklung auf, der aber im direkten Vergleich zu Adam vergleichsweise wenig Raum eingeräumt wird. Sehr gelungen finde ich dabei, dass auch hier erst zum Schluss wirklich klar wird, welche Beweggründe hinter den einzelnen Handlungsweisen stehen, man also auch bis zum Ende darüber nachdenken muss, welche Intentionen nun beispielsweise der Avatar (= physische Verkörperung des Clusters) Bartholomäus hat oder auf welcher Seite er nun tatsächlich steht. Als Nebeneffekt bleibt natürlich auch dadurch die Spannung auf einem konstant hohen Niveau.

Brandhorst präsentiert uns „Das Schiff“ auf eine sehr bildliche Art und Weise, es gelingt ihm sehr gut, ein Bild seines Universums im Kopf entstehen zu lassen. Wie bereits erwähnt ist die Geschichte von einem eher philosophischen Ansatz geprägt, der Roman ist also weit weg von der PewPewPewAlleTot-Science Fiction Marke „Star Wars„. Das bedeutet nun aber nicht, dass gar nichts passieren würde, der Autor lässt hier und da sich gut in die Geschichte einfügende temporeiche Szenen einfließen, die ebenso überzeugend sind. Alles in allem würde ich „Das Schiff“ aber dennoch als einen ruhigeren Genrevertreter sehen. Das Erzähltempo ist der Geschichte angemessen und man hat Spaß am Lesen.

Fazit:

Mit 544 Seiten ist „Das Schiff“ natürlich ein sehr umfangreiches Werk, welches durch seine Erzählweise den Leser zudem auch förmlich dazu auffordert, sich intensiver mit der Geschichte und der Bedeutung dahinter auseinander zu setzen und sie nicht einfach nur „schnell wegzulesen“. Das geschickte Spiel mit den asimovschen Gesetzen der Robotik, der sehr bildliche Schreibstil und die großartigen Figuren sorgen aber trotzdem dafür, dass man zügig voran kommt und das mehr als nur gelungene Ende schließt das Buch auf dem selben hohen Niveau ab. Mein erster Brandhorst – aber ganz sicher nicht der letzte.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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