Es gibt Themen, die kommen immer wieder auf. Echt, immer wieder. Oder sie sind einfach nur Dauerbrenner. So wie die Auseinandersetzung zwischen dem Online-Giganten und den stationären Buchhändlern (die eigentlich nach meiner Ansicht auch nur einseitig geführt wird, das große A setzt sich da bestimmt mit seinem großen Hintern drauf). Die meiste Zeit habe ich das Thema mehr oder weniger mit einem Schmunzeln abgetan, denn sein wir doch mal ehrlich: jeder kann darüber schreiben, was ihm nicht passt, doch ob sich dadurch etwas ändern wird, ist so eine Frage für sich. Wenn das ganze allerdings zu verbalen Rundumschlägen wird und die Bücherwelt so klar in schwarz und weiß aufgeteilt wird, wie es in diesem Plädoyer für den Buchhandel von Maria-Christina Piwowarski der Fall ist, macht man sich natürlich schon so seine Gedanken.

(c) Erwin Lorenzen / pixelio.de

Kurz zu mir. Ich mag Amazon nicht, hatte einmal Probleme mit deren Service und dann lange kein Konto mehr. Mittlerweile habe ich wieder eines, aber nur, um dort eine Wunschliste zu führen. Bestellen werde ich dort ganz sicher nicht mehr. Und ja, ich mag die Atmosphäre im einem gut sortierten Buchladen. Besonders, wenn man dann auch noch den Eindruck hat, es mit einem fachkundigen Händler zu tun zu haben, vielleicht den einen oder anderen Schwank mit ihm austauschen zu können und dabei vielleicht auch noch einen guten Tipp für eventuelle Mehrkäufe zu bekommen. Nun liegt aber genau da der Hund begraben. Bei uns in der Gegend (ländlich, SEHR ländlich) gibt es nur wenige Buchgeschäfte, von denen dann auch die meisten nicht mal übermäßig gut sortiert sind. Großteils beschränkt man sich auf die Bestseller-Listen, was ja auch nicht verwerflich sind, das sind nun mal die Bücher, mit denen man in den Zeiten der eBook-Piraterie am ehesten noch ein paar Mark verdienen kann. Das schränkt die Auswahl für mich persönlich dann auch gleich schon wieder ein. Als Freund von abseitigen Büchern wie sie ein Wrath James White, Brian Keene oder von mir aus auch schon ein Joe Lansdale schreiben, werde ich dort nicht fündig, allenfalls wird man mit drei Fragezeichen über dem Kopf angesehen und nach ein paar Sekunden Tipperei mit einem „Kann ich bestellen“ abgefertigt. Doof, denn wenn ich das Buch ohnehin nicht bekomme, kann ich mir auch die 20 Kilometer Fahrt sparen. Besonders, wenn man dann auch noch (und das ist in der Buchhandlung mit der größten Auswahl zumeist der Fall) an einen Einzelhandelskaufmann gerät, der einfach nur seinen Job machen will – dabei aber nur sehr bedingt literaturaffin ist. Ersteres ist nicht schlimm, letzteres stört mich schon. Welche Möglichkeiten bleiben in so einem Fall dann also? Richtig, der Klick ins Internet. Wie gesagt, nicht zu Amazon, aber es gibt ja genügend Alternativen. Die von mir bevorzugte ist übrigens die Bestellung direkt beim Verlag. Besonders wenn es um die kleinen Hanseln im Business geht, freue ich mich nämlich schrecklich über jeden Cent, den sich weder ein Versandriese noch ein Buchhändler mit entweder zu kleiner Auswahl oder aber unkundigem Personal in die Tasche stecken können. Ällabätsch.

So viel erstmal dazu. Die viel zentralere Frage war ja eigentlich, warum wir bösen Blogger und die bösen Autoren dann auch immer zu Amazon verlinken müssen. So eine Schweinerei! Betrachten wir das Ganze doch zunächst einmal aus der Sicht des Bloggers. Hier bei uns gibt es keine Affiliate-Links. Es wäre aber gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht irgendwann schon einmal darüber nachgedacht hätte. Sicherlich, es ist interessant zu wissen, dass es viele Buchhändler gibt, die Partnerprogramme anbieten. Allerdings habe ich mich nun heute schon durch ein paar Seiten geklickt und bin, zumindest auf den ersten Blick, nirgends fündig geworden. Das ist sicherlich ein zentrales Problem, denn wir wissen: Amazon = groß = jeder, der Interesse daran hat, weiß um deren Partnerprogramm. Warum also sollte der geneigte Blogger sich die Mühe machen, sich durch X Unterseiten eines kleinen Shops zu klicken, nur um dann am Ende seine Zeit für nichts und wieder nichts vertan zu haben? Die Option wäre natürlich, wie Frau Piwowarski in ihrem Plädoyer schreibt, die Betreiber anzuschreiben. Aber auch hier stellt sich dann die Frage: warum? Letztlich sollte ein Partnerprogramm doch, so sagt es zumindest der Name, eine partnerschaftliche Win-Win-Situation schaffen. Warum wird dann also der potentielle Partner (sprich, der Blogger) nicht von demjenigen, der doch vom Grundsatz her viel mehr davon hätte (also dem Händler, der seine Marge einstreicht, während der Link-Partner ein paar Cent Provision für den Verkauf bekommt), direkt darauf aufmerksam gemacht? Warum sollte ein interessierter Blogger hinterher rennen müssen? Vor allem in Hinsicht auf die oben beschriebene Situation mit dem Amazon-Programm, von dem jeder weißt – und welches auch direkt auf der Startseite zu finden ist. Hier jetzt die Schuld bei den Bloggern oder dem Klassenfeind zu suchen, erscheint mir doch sehr an der Intention vorbei geschossen zu sein. Ich für meinen Teil kann diejenigen verstehen, die ihren Blog monetarisieren wollen. Und ich kann auch verstehen, warum sie sich für Amazon entscheiden: das Partnernet (ja, ich habe nachgesehen. Asche auf mein Haupt.) bietet schnell einzubauende und ansehnliche Widgets. Ohne, dass man danach fragen müsste. Zudem muss man auch die Zielgruppe im Auge behalten, die – so ist meine persönliche Überzeugung – in 95 % der Fälle eher ein Amazon-Konto als ein Konto bei Georg Müllers Bücherbude haben wird. Die Amazon kennt, Georg Müllers Bücherbude aber nicht. Und klar, ich würde auch nicht zwangsläufig Georg Müllers Bücherbude eine Vorkassenrechnung bezahlen wollen, wenn mir der Schuppen so gar nichts sagt. Weil es Optionen gibt, die bekannter und somit zwangsläufig auch vertrauenswürdiger sind. Und genau darum geht es bei der Monetarisierung: man möchte eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen, um dabei möglichst viele Klicks auf die schönen, bunten Werbebuttons zu kriegen. Bei mir kam beim Lesen des Artikels außerdem die Frage in den Sinn, warum gegen den Branchenprimus so scharf geschossen wird. Sind Thalia, Bücher.de und Co. etwa weniger böse? Oder einfach nur leichter zu tolerieren, weil es da ja nicht den Kindle, sondern den Tolino (wie übrigens auch im Onlineshop der Buchhandlung Ozelot) gibt? Das bleibt leider unbeantwortet, es bleibt also nicht viel mehr, als sich seinen Teil dazu zu denken. Und das führt mich dann irgendwie ein bisschen zum nächsten Punkt.

Die Autoren, böse wie sie sind, verlinken auch auf Amazon. Natürlich, weil der lokale Buchhandel eben lokal ist. Im Netz führt aber kaum ein Weg an Amazon vorbei. Wenn der Autor klug ist, hat er ebenfalls das Partnerprogramm eingebunden und verdient noch mal ein paar Cent mehr an den Verkäufen. Auch das ist sicherlich nicht verwerflich. Warum es das tut? Mit Sicherheit aus genau den gleichen Gründen, wie es die Blogger tun: man will es dem potentiellen Kunden so einfach wie möglich gestalten. Auch hier kann man wieder meine unrecherchierte, aber wahrscheinliche, 95%-Quote anwenden, wenn man es denn möchte. Gedankenlosigkeit, wie im Stein des Anstoßes geschrieben, kann man da sicherlich nicht allen Autoren unterstellen. Ausgeklammert werden hierbei natürlich ganz kategorisch Selfpublisher. Natürlich, denn die sind ein Kraut, welchem der Amazon-Gegner nur schwer beikommen kann. Zumindest wenn er es gänzlich vermeiden will, auch nur ein gutes Haar am Objekt der Abscheu zu lassen. Sein wir mal ehrlich: wo wäre der SP-Markt denn ohne Amazon? Wahrscheinlich immer noch irgendwo im Untergrund, würde allenfalls ein Nischendasein führen, was ich persönlich extrem schade finden würde. Klar, der Markt ermöglicht es nun tatsächlich jedem, seinen Schund zu veröffentlichen, aber im Gegensatz dazu stehen einige sehr talentierte Schreiberlinge, die es unter anderen Umständen wohl nicht geben würde. Oder die man zumindest nicht kennen würde. Und das sollte man wohl nicht unter den Tisch fallen lassen, zumindest nicht, wenn man nicht in reine Schwarz/Weiß-Malerei abdriften möchte.

Was war nun eigentlich der Stein des Anstoßes für das erneute Aufflammen dieser Diskussion? Groß durch das Netz ist ja die ominöse Gratisaktion gegangen. Wir erinnern uns, Dan Browns „Illuminati“ kostenlos zur Kindle-App dazu. WOW! Was ein Knaller-Angebot. Ja, man kann hier jetzt gerne Ironie sehen. Halten wir doch mal kurz die Eckpunkte fest. „Illuminati“ ist im Jahr 2003 erstmals in Deutschland erschienen. Vor 13 Jahren also. Hat sich seitdem 3,4 Millionen mal verkauft. Ist ´ne Hausnummer. Bedeutet im Umkehrschluss aber sicherlich auch, dass jeder, der das Buch wirklich haben will, es auch hat – und dass dem stationären Buchhandel damit wohl höchstens Kleinstbeträge verlustig gehen dürften. Die Frage, ob das nun den ganzen Aufriss, der darum gemacht wurde (und jetzt ja immer noch / schon wieder seine Kreise zieht) wert ist, kann ich leider nicht beantworten. Ich persönlich finde es offen gestanden total sinnfrei. Besonders wenn man bedenkt, dass gerade im vergangenen Dezember der Tolino Shine inklusive einem 25 Euro-Bücherpaket bei Buch.de vertickt wurde. Aber nun ja, lassen wir das…

Wow, das war jetzt ´ne Menge Text zu später Stunde. Und ich habe fast so etwas wie eine Lanze für Amazon gebrochen. Man möge es mir verzeihen, denn eigentlich sollte der Grundtenor dieses Artikels ein anderer sein: wenn man schon meckert, dann doch bitte mit Niveau. Und nicht mit einem uninspirierten, undifferenzierten Rundumschlag.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.