Originaltitel: The End of the World Running Club
Paperback: 432 Seiten
Verlag: FISCHER-Tor

Übersetzung: Nadine Püschel, Gesine Schröder

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Wie weit würdest du gehen … für die, die du liebst?

Adrian J Walker hat mit ›Am Ende aller Zeiten‹ einen postapokalyptischen Roman geschrieben, in dem ein ganz normaler Familienvater vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt wird.

Edgar Hill ist Mitte dreißig, und er hat sein Leben gründlich satt. Unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer, fragt er sich vor allem eins: Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt.
Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer verwüstet die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang?

Edgar und seine Familie werden während der Evakuierung voneinander getrennt, und ihm bleibt nur eine Wahl: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er 500 Meilen weit laufen, durch ein zerstörtes Land und über die verbrannte Erde, von Edinburgh nach Cornwall. Zusammen mit einigen wenigen Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Ultra-Marathon durch ein sterbendes Land. Doch sein Weg ist gefährlich: Im postapokalyptischen England kämpft jeder gegen jeden ums blanke Überleben.

Kritik:

FISCHER-Tor wurde groß als die neue Science Fiction- und Fantasy-Marke der Fischer Verlagsgruppe angekündigt. Tor, die am internationalen Markt schon seit den 80ern Bestand haben, können auf Veröffentlichungen von großen Namen wie Orson Scott Card oder George R. R. Martin zurückblicken. Gute Voraussetzungen also für eine neue, interessante Marke in der deutschen Verlagslandschaft.

Am Ende aller Zeiten“ sprach mich, als altgedienten Freund von Endzeit-Szenarien, dann auch mit dem Klappentext schon unmittelbar an. Der gute Eindruck verstärkte sich unmittelbar auf den ersten Seiten. Entgegen vieler gleichartiger Romane setzt Adrian J. Walker hier nicht auf eine Welt, die schon völlig hinüber ist, sondern wirft den Leser in die letzten Stunden unmittelbar vor den verheerenden Einschlägen. Dadurch kommt natürlich gleich zum Start ordentlich Tempo und Spannung auf. Man muss allerdings sagen, dass besonders Tempo seltener im Roman zu finden ist. Der Fokus liegt eher auf der zwischenmenschlichen Komponente der Gruppe von Überlebenden, die man auf ihrem 500 Meilen weiten Marsch nach Cornwall begleitet. Dabei präsentiert sich das Buch wie eine Mischung aus einem kleinen Teil „Todesmarsch“ von Stephen King und einer (offensichtlichen) Menge „The Road“ des unvergleichlichen Cormac McCarthy. Bei aller Schlagseite bewahrt es sich aber doch genügend Eigenständigkeit. Besonders hervorzuheben ist dabei die vom Anfang bis zum Schluss sehr starke Atmosphäre, die „Am Ende aller Zeiten“ versprüht. Ein Ringen der Emotionen zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Selbstaufgabe in einer Welt, bei der vor allem der gesellschaftliche Zusammenbruch erschreckend realistisch geschildert wirkt. Garniert wird die Geschichte mit einem hochdramatischen Schlussteil, der sitzt wie eine gut gezielte Backpfeife.

Stark sind auch die Figuren. Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass besonders Hauptfigur und Ich-Erzähler Ed streckenweise ziemlich polarisierend wirken dürfte, mir für meinen Teil hat er jedoch sehr gut gefallen. Im Verlauf der Geschichte macht der eigentlich äußerst negative und menschenfeindliche Herr eine Entwicklung durch, die zwar wegen seiner Ansichten mitunter extrem wirkt, mit Blick auf die Ereignisse aber durchaus realistisch scheint. Walker stellt ihm eine kleine Gruppe von Begleitern zur Seite, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwar stehen sie zu Beginn noch etwas blass da, werden nach und nach aber immer mehr mit einer Hintergrundgeschichte versehen. Diese Rückblicke und Entwicklungen sorgen dafür, dass der Autor mich sehr an seine Charaktere binden konnte. Besonders der Tod eines Mitstreiters ging mir dann tatsächlich ziemlich nahe. Das schaffen nicht viele Autoren, Chapeau, Mr. Walker!

Auch stilistisch kann ich mich nicht beschweren. „Am Ende aller Zeiten“ liest sich sehr flüssig und ist jederzeit gut verständlich. Adrian J. Walker drückt hier und da mal aufs Gaspedal, ohne aus seinem Buch jedoch einen Actionthriller zu machen. Der Fokus liegt auf dem Figurenaufbau und der Spannung, die in den einzelnen Episoden immer mal wieder kleine Höhepunkte erfährt. Die Übersetzung weiß zu gefallen. Ich war zunächst etwas kritisch, als ich gelesen habe, dass gleich zwei Übersetzer mit dem Buch betraut waren, aber der Übergang von Nadine Püschels und Gesine Schröders Arbeit ist fließend und unauffällig.

Fazit:

Am Ende aller Zeiten“ wird mit Sicherheit nicht mein letztes Buch aus dem FISCHER-Tor-Verlag gewesen sein. Die Geschichte ist toll erzählt, die Figuren sind sehr interessant und werden im Lauf der Geschichte immer vielschichtiger. Warum also nicht die volle Punktzahl? Nur aus einem einzigen Grund: Stellenweise sind mir die Parallelen zu „The Road“ dann doch etwas zu offensichtlich. Aber um ehrlich zu sein ist das in diesem Fall meckern auf ganz hohem Niveau.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)