OT: 7 Psychopaths (USA/ GB 2012)

Regie: Martin McDonagh

Darsteller: Colin Farrell, Woody Harrelson, Abbie Cornish, Christopher Walken

Freigabe: FSK 16
Laufzeit: 106:00 Minuten

Inhaltszusammenfassung: 

Martin ist Drehbuchautor. Drehbuchautor mit einem ziemlichen Kreativitätsloch. So hat er zu seinem neuen Werk “7 Psychos” bislang nicht mehr als die Überschrift und die Hauptfiguren. Mehr oder minder. Eigentlich weiß er nur, dass es um die namensgebenden sieben Psychopathen gehen soll. Um ihn zu unterstützen gibt sein Freund Billy eine Zeitungsannonce auf, in der er nach Psychos sucht, die Marty ihre Geschichte erzählen. Damit stößt er eine Geschichte an, die so nicht abzusehen war. Plötzlich ist Marty gemeinsam mit Billy und dessen “Geschäftspartner” Hans auf der Flucht vor Unterweltboss Charlie. Seltsamerweise scheint sich aber aus dieser Situation auch genau das Drehbuch zu entwickeln, an dem er eigentlich gerade schreibt.

Kritik:

Ich muss gestehen, dass mir Regisseur McDonagh bislang kein Begriff war, obwohl er mit “Brügge sehen… und sterben?” ja allem Anschein nach ein großartiges Debüt hingelegt hat. Gut, diese Bildungslücke sei mir verziehen, denn mit “7 Psychos” habe ich es nun zumindest geschafft, den zweiten Film McDonaghs anzusehen. Und ich muss gestehen, dass es mir relativ schwer fällt, eine Kritik zu schreiben, die dem Titel auch wirklich gerecht wird.

7 Psychos” entwickelt gleich vom Start weg eine sehr abgefahrene, mitunter fast schon bizarre Atmosphäre, die vor allem durch zwei Dinge lebt: Überzeichnung und das geschickte Spiel mit unterschiedlichen Erzählebenen. Ersteres gilt vor allem für die wenigen, dafür aber fast schon exzessiven und comichaften Gewaltspitzen, die McDonagh seinem Film verpasst hat. Sie entstehen zumeist aus Nichtigkeiten heraus und widersprechen im Grunde genommen im vollem Umfang dem, was Marty für seinen Film haben wollte (keine typischen Psychopathen). Hierdurch entsteht natürlich eine wunderbar selbstironische Komik, die sich von Anfang bis Ende durch den kompletten Film zieht. Die verschiedenen Erzählebenen entstehen durch die Storyideen für Martys Drehbuch, die immer wieder von den unterschiedlichen Beteiligten eingestreut werden, sich dabei oftmals wiederholen und anders interpretiert werden. Klingt etwas wirr? Ist es irgendwie auch, aber gerade davon lebt der Film. Letztlich gelingt es McDonagh aber, den Zuschauer nicht so sehr zu verwirren, dass er den Überblick über den Film verlieren würde. Eine kleine Gratwanderung, die aber wunderbar gelungen ist und einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistet, “7 Psychos” bis zum Schluss hin unvorhersehbar und unterhaltsam zu gestalten.

Überzeichnung ist auch das Stichwort in Hinsicht auf die Figuren des Films. Ich würde nicht davon sprechen wollen, dass sie “realitätsgetreu” dargestellt werden, dafür ist die Geschichte insgesamt auch einfach zu abgefahren. Aber auch das ist ein durchaus wichtiger Aspekt des Titels, denn sie alle haben ihren Anteil daran, dass der Geschichte so gut funktioniert. Dennoch kann man sagen, dass sie zu großen Teilen eine gewisse Tiefgründigkeit aufweisen, was dafür sorgt, dass sie nicht einfach zu Stereotypen werden. Darstellerisch ist auf jeden Fall auch alles im tiefgrünen Bereich. Man merkt dem Cast an, dass alle mit Spielfreude und Motivation bei der Sache waren. Jeder einzelne Schauspieler wusste zu überzeugen, besonders sei an dieser Stelle Christopher Walken hervorgehoben, der seinem Hans sehr viel Profil verleiht – und dem diese Rolle auch auf den Leib geschneidert scheint.

Fazit:

7 Psychos” ist ein spezieller Film, auf den man sich einlassen muss. Abgedreht und Überzogen bis ins letzte, mit einer manchmal etwas verwirrenden Erzählweise weiß er aber dennoch (oder gerade deswegen) auf ganzer Linie zu überzeugen. Großartige Darsteller, tolle Figuren und eine Unvorhersehbarkeit, die den Zuschauer packen und tatsächlich auch erst am Schluss wieder loslassen. Großartig!

(c) des Bild- und Tonmaterials: Eurovideo

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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