Softcover: 404 Seiten
Verlag: Drachenmond Verlag

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Klappentext:

Clemens’ Haare sind schwarz wie Tinte und seine Augen bernsteinfarben wie die einer Katze.

Seit die sechzehnjährige Elaina den geheimnisvollen neuen Mitschüler das erste Mal gesehen hat, fühlt sie sich auf unerklärliche Weise mit ihm verbunden. Doch wieso vermeidet er es, sie zu berühren, als hätte sie eine ansteckende Krankheit? Warum verhält er sich manchmal so sonderbar, als stamme er aus einer anderen Zeit und wohin verschwindet er dauernd?

Als Elaina seine Schulakten ausspioniert, macht sie eine unglaubliche Entdeckung und befindet sich bald in größter Gefahr…

Kritik:

Um ehrlich zu sein, war ich einfach ein bisschen gelangweilt, wollte irgendwas lesen und hab dann im Playstore nach einem passenden eBook geschmökert. Dass das Endergebnis dabei raus kommt, was eingetreten ist, hab ich nicht im geringsten erwartet. Wenn ich genauer darüber nachdenke, überrascht es mich ja selber ziemlich. Denn ich bin nicht nur auf eine neue Thematik getroffen, nein, als Gratisgimmick gab es gleich noch eine neue Autorin dazu, und ich habe einen Verlag entdeckt, der mir bis dahin nur rudimentär ein Begriff war. Und ich bin restlos begeistert. Spontan verliebt, wenn man so will. Ist es nicht genau das, was das Leserherz höher schlagen lässt und glücklich macht? Ich bin ohnehin jemand, der sich an den kleinen Dingen des Lebens freut, und sowohl „Turion“ als auch Teresa Kuba und der Drachenmond Verlag gehören dazu. Warum? Das will ich euch verraten.

Elli hat bei einem Unfall ihre beste Freundin Charly und ihre Eltern verloren. Seither besucht sie ein Internat und versucht, das Leben, in das ein riesiges Loch gerissen wurde, irgendwie zu bewältigen. Sie hat das Gefühl, sie wäre nur eine leblose Hülle, die nur noch existiert anstatt wirklich zu leben, und anfangs gewinnt man den Eindruck, dass auch die Psychologin, die Elli regelmäßig besucht, ihr nicht helfen kann. Unterstützung bekommt Elli außerdem von ihren Mitschülern, insbesondere ihrer Tutorin Romy und dem Schulschwarm Alex, der augenscheinlich Interesse an ihr hat. Aber Elli will gar keine Bindung mehr zu Menschen aufbauen, zu schmerzhaft war die Erfahrung, geliebte Menschen zu verlieren. Erst ihre Begegnung mit Clemens reißt das Mädchen ein wenig aus ihrer Lethargie. Der hochgewachsene, junge Mann mit den tintenschwarzen Haaren und den bernsteinfarbenen Augen zieht Elli sofort in seinen Bann wie das Licht die Motte. Ihre Herzen scheinen im Einklang zu schlagen, und sie glaubt, seine Stimme in ihrem Kopf zu hören. Obendrein scheint er zu verstehen, was und wie sie denkt. Und doch ist er immer wieder unglaublich abweisend zu ihr. Als sie nachts in das Büro der Schule einbricht und seine Akte studiert, gerät sie immer tiefer in seinen Bann. Aber da ist ja auch noch die aufkeimende Beziehung zu Alex. Und alle anderen halten Clemens einfach für verrückt. Ganz ehrlich, bis hierhin klingt die Geschichte, die in Teresa Kubas Kopf entstanden ist, wie eine Geschichte, die für den Leser schon in zigfacher Ausführung da war. Aber das ist nur der Anfang dieser Achterbahnfahrt, quasi die Steigung, die man ganz langsam hoch rollt, ehe man langsam über die Kuppe kippt. Danach geht es in rasendem Tempo bergab, direkt hinein in eine Fantasiewelt und eine Geschichte, die zumindest für mich völlig neu war. Da ich aber kein Fan von Spoilern bin und es liebe, solche Fantasiewelten das erste Mal zu entdecken, will ich nicht zu viel verraten oder vorwegnehmen. Allerdings sei gesagt, dass ich immer wieder wahnsinnig fasziniert bin, dass so etwas im Kopf einer Autorin entstehen kann.

Der Stil von Teresa Kuba konnte bei mir punkten, denn sie schreibt nicht nur leicht plätschernd dahin, so dass der Roman flüssig zu lesen ist. Die Kapitel sind auch in einer angenehmen Länge gehalten, während der Ausdruck den Leser nicht überfordert, sondern ihn sich eher zuhause fühlen lässt. Kurz und knackig, ohne unnötige Spielerei kommt die Autorin auf den Punkt und erschafft so mit treffenden Worten ein lebendiges Bild vor dem geistigen Auge des Lesers. Das hat mir unglaublich gut gefallen, denn ich mag diese Art von Schreibstil sehr. Der Spannungsbogen ist nicht mit Donnerschlägen versehen, aber in diesem Fall ist das positiv auszulegen, denn er ist durchaus vorhanden und präsent, allerdings vibriert er im Kopf des Lesers eher unauffällig wie ein stummer Begleiter mit, webt ihn ein in die Handlung, macht ihn immer neugieriger und lässt ihn irgendwann nicht mehr los. Dafür gibt es ein ganz großes Lob, denn das ist es, was den Roman am Ende zu einem echten Pageturner macht. Lediglich zwei kleine Wehmutstropfen gab es, die aber so winzig waren, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Ich blieb an ein oder zwei Ecken stirnrunzelnd daran hängen, dass die Protagonistin in für mich unpassenden Situationen dem Hintern (ja, richtig, dem Hintern) des Protagonisten viel zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Mal ehrlich, wir Frauen gucken da natürlich gern mal hin, aber wenn wir in Gefahr sind, geht uns dann doch sicher anderes durch den Kopf. Desweiteren hat mich etwas gestört, dass Elli so sehr fixiert ist auf den Tod ihrer besten Freundin, wo sie doch augenscheinlich bei dem gleichen Unfall auch ihre Eltern verloren hat, was aber leider wenig zur Sprache kommt. Das war es aber auch wirklich schon. Ansonsten muss man sagen: Geschichte und Stil, alles richtig gemacht. Begeisterung in ihrer reinsten Form.

Was die Charaktere angeht, hat Teresa Kuba hier gezeigt, dass man einen Roman mit lebendigen Figuren gestalten kann, die allesamt gut ausgearbeitet sind und ihre Ecken und Kanten haben. Die Protagonistin Elaina war endlich mal ein Mädchen, dass nicht „eigentlich nichts besonderes ist, aber uneigentlich ja was total besonderes“, wie es leider so oft der Fall ist und den Leser die Augen rollen lässt. Nein, Elli war aus dem Leben gegriffen, hatte Stärken und Schwächen, von denen sie teilweise wusste, die sie aber teilweise auch erst entdecken musste, ganz so, wie es bei einem Teenager sein sollte. Die beiden männlichen Akteure Alex und Clemens waren so ausgearbeitet, dass sie die Neugier des Lesers geweckt haben (insbesondere natürlich Clemens, aber auch Alex hinterfragt und durchleuchtet man unbewusst). Unbewusst entscheidet man sich natürlich als Leser auch für den einen oder anderen, gar keine Frage. Allerdings waren auch die Nebencharaktere liebevoll gestaltet und hatten alle ein klein wenig Geschichte und Farbe, was mir persönlich ja immer sehr gut gefällt, auch wenn keiner von ihnen so stark hervorgehoben wird, dass er die Protagonisten verdrängt. Besonders gut haben mir Amela und Tom gefallen, denn sie brachten mich das eine oder andere Mal zum Schmunzeln und Kichern mit ihren losen Mundwerken. Vor allem Tom, der einem anfangs doch eher unsympathisch ist, gewinnt im Lauf der Geschichte dann doch noch Sympathien. Und genau das ist auch eines der Dinge, weshalb einen der Roman mit einem guten Gefühl zurück lässt. Ich kann mich an nicht einen Charakter erinnern, den ich als Leserin wirklich gar nicht leiden konnte. Sie waren alle so ausgefeilt, dass man sie als Leser wenigstens verstehen konnte. Wie sie dachten und handelten. Das gibt einen weiteren erhobenen Daumen. Aber zu guter Letzt gab es auch hier einen kleinen Kritikpunkt, ich hätte mir nämlich doch ein klärendes Gespräch zwischen Romy und Elli gewünscht, das leider nicht stattgefunden hat.

Fazit:

Ich hab vorher noch nichts aus dem Drachenmond Verlag gelesen, und ich hab noch nie von Teresa Kuba gehört, entsprechend unvorbelastet bin ich an „Turion“ heran gegangen. Ich hatte nicht einmal besonders hohe Erwartungen. Denn ich wollte eigentlich nur ein Buch, dass sich gut lesen lässt und mir die für den Augenblick herrschende Langeweile vertreibt. Was ich gefunden habe, hat mich ein bisschen aus den Socken gehauen: eine wahnsinnig kreative, überraschende und schlüssige Geschichte, ein angenehmer Schreibstil, ein stellenweise toller Humor und eine sympathische Gestaltung der Charaktere – auch der Nebencharaktere. Über ein, zwei oder drei kleine Kritikpunkte kann man großzügig hinwegsehen, denn der Roman ist dennoch ein echter Pageturner mit einem feinen, konstanten Spannungsbogen, den ich innerhalb von wenigen Stunden aufgesogen hatte, weil ich ihn einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Zurück blieb ich mit dem Gefühl, dass es eins dieser Bücher war, von denen ich ein wenig traurig war, das sie ausgelesen sind. Ich kann „Turion“ nur absolut uneingeschränkt und begeistert empfehlen.

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Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.