OT: 10 Cloverfield Lane

Regie: Dan Trachtenberg

Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher jr.

Freigabe: FSK 16
Laufzeit: 99 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Nach einem schweren Autounfall erwacht die junge Michelle (Mary Elizabeth Winstead, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben„) im Bunker des Überlebensexperten Howard (John Goodman, „Argo„). Der behauptet, er habe sie mit der Bergung vor dem sicheren Tod bewahrt, da die Erdoberfläche durch eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes verseucht und unbewohnbar geworden sei.

Als Howards Glaubwürdigkeit durch sein verdächtiges Verhalten zusehends schwindet, wird Michelle klar, dass eine Flucht ihre einzige Chance ist, um die Wahrheit herauszufinden.

Kritik:

Ich muss ja gestehen, dass der erste „Cloverfield„-Film gänzlich an mir vorbei gegangen ist. Ich bin kein Freund von Found Footage-Werken, von daher fiel er nicht ins Beuteschema. Deswegen war natürlich auch die Befürchtung da, dass das Sequel „10 Cloverfield Lane“ nicht so ganz einfach werden wird. Aber hey, John Goodman wird es ja wohl hoffentlich richten.

Glücklicherweise haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet. Der Film ist allenfalls als ein loses Sequel zu sehen, der nur wenige Bezüge zum Vorgänger hat. Prinzipiell könnte er von der Geschichte her auch als komplett eigenständig betrachtet werden, ich habe zumindest nie den Eindruck gehabt, dass mir nötiges Wissen fehlen würde. Wer sich also nur auf Grund der Machart von „Cloverfield“ hat abschrecken lassen, kann hier beruhigt einen Blick riskieren. Denn die Story des Nachfolgers weiß zu überzeugen. Als Zuschauer wird man erst im Finale tatsächlich darüber aufgeklärt, ob und was es mit der Geschichte auf sich hat, die Howard seinen „Gästen“ präsentiert. „10 Cloverfield Lane“ holt aus dem minimalistischen Setting eine Menge heraus und lässt eine beklemmende, eingeengte Atmosphäre entstehen. Ich hatte über weite Strecken den Eindruck, tatsächlich mit den Figuren im Bunker festzuhocken. Das Rätselraten um Howards tatsächliche Intentionen formt einen tollen Spannungsbogen, der den Film tatsächlich bis in die letzten Minuten begleitet. Zwar wird weitestgehend auf echte Spannungsspitzen verzichtet, was allerdings auf Grund des ohnehin hohen Niveaus kein echter Nachteil ist. Sehr ärgerlich hingegen ist der Start des Films, in dem Michelle angekettet im Bunker aufwacht – ohne diese Kette wäre die Geschichte sicherlich noch wesentlich undurchsichtiger gewesen. Das ist leider ein recht großer Minuspunkt.

Auch die Darsteller wussten zu überzeugen, allen voran John Goodman. Er stellt wieder einmal unter Beweis, wie wandlungsfähig er in seinem Job ist. Sein Howard ist ein undurchsichtiger, cholerischer Psychopath, dem man, aller Freundlichkeit, die er an den Tag legen kann zum Trotz, lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Es scheint fast so, als ob man es mit einer multiplen Persönlichkeit zu tun hat – und das muss man erstmal überzeugend rüber bringen können. Mary Elizabeth Winstead macht in ihrer Rolle als Michelle ebenfalls alles richtig. Die Emotionen, die sie an den Tag legt, wirken echt und realitätsnah, ihre Handlungsweisen sind allerdings nicht immer ganz nachvollziehbar (wie ihre Reaktion auf den Kritikpunkt im letzten Absatz – baut man tatsächlich ein Vertrauensverhältnis auf, nachdem man festgekettet in einem Bunker aufwacht?). John Gallagher jr. hat leider die undankbare Aufgabe verliehen bekommen, als „die normale Bezugsperson“ von „10 Cloverfield Lane“ zwischen dem grandiosen Goodman und der zumindest starken Winstead zu hocken. Und dabei gnadenlos unterzugehen. Das führe ich aber nicht auf seine darstellerischen Leistungen zurück, denn auch die Rolle, die das Script ihm zudenkt, ist leider im direkten Vergleich sehr blass und uninspiriert. Hier wäre sicherlich auch noch Luft nach oben gewesen.

Effekte sollte man natürlich von so einem Film nicht erwarten. Nach allem, was ich über „Cloverfield“ weiß, ist er von der Machart her das genaue Gegenteil des Sequels. Man kriegt hier also keine Action geboten, keine Aliens, die die Welt vernichten wollen. Auf die Wackelkamera wird verzichtet und einen Science Fiction-Einfluss sucht man in der Geschichte vergeblich. Es gibt zwar einen kleinen Twist in diese Richtung, der allerdings erst ganz zum Schluss kommt und der, wenn nicht der Titel wäre, vermutlich auch nicht so richtig in das Konzept passen würde. Aber davon sollte man sich besser selbst überzeugen.

Fazit:

10 Cloverfield Lane“ führt glücklicherweise das Konzept des ersten Teils nicht fort, sondern erweist sich als klassischer, extrem spannender, Psychothriller ganz ohne Wackelkameras. Stattdessen kommt man ein statisch gefilmtes Kammerspiel zu sehen, welches seinen Figuren eine Menge Raum einräumt. Durch die zumeist sehr gelungenen Darstellungen des Casts wird dieser Raum auch zur Genüge ausgenutzt, sodass am Ende ein sehr rundes Gesamtbild entsteht, welches nur durch einige Makel etwas nach unten gedrückt wird.

Das denken die anderen:

Myofb: 9/10 Punkten
Der Filmtipp
Filmschrott
Cellurizon: 7/10 Punkten
Die Nacht der lebenden Texte

(c) des Bild- und Tonmaterials: Universal Pictures/ Paramount Pictures

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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