witching and bitchingOT: Las Brujas de Zugarramurdi (FR/ESP 2013)

Regie: Álex de la Iglesia

Darsteller: Hugo Silva, Mario Casas, Pepón Nieto, Carolina Bang

Laufzeit: 109 Minuten
Freigabe: FSK16

Inhaltszusammenfassung:

José (Hugo Silva) ist der Anführer einer aus der Not geborenen Gangsterbande. Als Straßenkünstler getarnt landet diese einen spektakulären Coup und erbeutet einen großen Schmuckschatz. Doch ihre Flucht steht unter keinem guten Stern: Auf dem Weg nach Frankreich passieren sie die Stadt Zugarramurdi. Und dieses pittoreske, abgelegene Örtchen ist fest in den Händen eines dunklen Hexenkults, der just einen Sabbat abhält. Angesichts dieser Horde von kannibalischen Hexen ist die José und Co. verfolgende Polizei noch das kleinste Problem …

Kritik:

Álex de la Iglesia steht für Unterhaltung der etwas anderen Art. Selten bierernst, oftmals etwas bizarr und dennoch zumeist nicht ohne kritische Untertöne. Nun denkt man sich bei einem Film, der sich „Witching and Bitching“ nennt vielleicht „Passt der auch in dieses Schema?“ Natürlich!

witching and bitchingSchon zu Beginn wird schnell klar, dass de la Iglesia eines seiner Markenzeichen definitiv auch hier fortführt. Der Zuschauer wird direkt in den Raubüberfall hinein geworfen, der doch schon als bizarr bezeichnet werden kann. Jesus Christus, ein grüner Plastiksoldat und SpongeBob (!) überfallen also eine Pfandleihe. Schnell wird es actionreich und hektisch und schnell wird ein Feuerwerk von abgedrehten Ideen abgebrannt. Der Film springt von einer temporeichen Sequenz zur nächsten, immer voran getrieben von verbalen Schlagabtauschen, die mir über weite Strecken ein breites Grinsen ins Gesicht gemeißelt haben. Als die Flucht dann vorerst gelungen ist, nimmt „Witching and Bitching“ zunächst das Tempo etwas raus, hier kommt es dann auch zu kleineren Hängern im Spannungsaufbau, der anfangs in erster Linie durch die Erzählgeschwindigkeit getragen wurde. Sobald die Truppe der Flüchtenden in Zugarramurdi angekommen und auf die namensgebenden Hexen gestoßen ist, ändert sich das aber wieder, die Action und die Situationskomik geben den Ton an und die Ideen werden noch ein bisschen bizarrer. Lediglich ein übermäßig lang geratenes Ritual wirkte auf mich dann doch etwas nervig, wenn auch noch nicht in einem Rahmen, der grundlegend störend gewesen wäre. Und die kritischen Untertöne? Zugegeben, in diesem Film sind sie eher dezent eingewoben, wenn man sich jedoch die Gespräche der Gangstertruppe, so humorlastig sie auch sein mögen, einmal genauer betrachtet, wird schnell klar, dass dahinter durchaus eine sehr wahre Aussage steckt.

witching and bitchingAuf Seiten der Darsteller ist alles im grünen Bereich. De la Iglesias Cast ist durchgehend sympathisch und ganz offensichtlich auch mit Spaß bei der Sache. Die Chemie zwischen den Figuren als auch den Darstellern stimmt und somit fiel es mir sehr leicht, mich auf die mitunter (vor allem in der zweiten Hälfte des Films) grotesken Geschehnisse einzulassen. „Witching and Bitching“ setzt nicht auf die für Genrefilme typische Rollenverteilung und es wird auch nicht nach dem 10 kleine (hier politisch korrektes Wort einsetzen)-Prinzip drauf los gemordet. Man hat es vielmehr mit bodenständigen, realistischen Charakteren zu tun, die – trotz des Raubüberfalls – doch alle irgendwie sympathisch sind. Das ist ein netter Kontrapunkt zur abgefahrenen Handlung und funktioniert auch wunderbar.

witching and bitchingEffektemäßig hingegen ist „Witching and Bitching“ leider etwas mau ausgefallen. Sicherlich, die Regler stehen ohnehin nicht auf Schlachtplatte, die Gewaltschraube ist also recht weit unten angesetzt, aber was geboten wird kommt leider viel zu offensichtlich aus dem Computer. Das wirkt schon etwas störend und passt nicht zur ansonsten sehr gelungenen Optik in der gruselig anzusehende, sehr atmosphärische Settings dominieren. Die wirken sich aber glücklicherweise stärker auf den Gesamteindruck aus als die CGIs und somit kann dem Film immer noch ein rundes Bild auch an dieser Front attestiert werden.

Fazit:

8Witching and Bitching“ mag zwar nicht Alex de la Inglesias‘ bester Film sein (das ist nach meinem persönlichen Gusto und soweit mir bekannt „Perdita Durango„), ist aber auf jeden Fall ein optisch opulenter, von bizarren Ideen und einer Menge Action getragener Abendfüller. Ich fühlte mich durchgehend gut unterhalten und konnte somit über kleinere Spannungseinbrüche hinweg sehen. Die gute Chemie zwischen den Darstellern und die sehr gelungene Atmosphäre spätestens ab der zweiten Hälfte des Films haben mit Sicherheit ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen.

© des Bild- und Tonmaterials: Splendid Film

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Sebastian

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Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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