amrun

Jürgen Eglseer ist in der Fandom-Szene kein Unbekannter. Das von ihm mitbegründete Portal fictionfantasy.de war lange Zeit eine der Informationsquellen, wenn es um Veröffentlichungen aus dem Bereich der Phantastik gibt. Leider ist die Seite derzeit aus nachvollziehbaren Gründen offline, doch Jürgen ist mit dem Amrûn Verlag immer noch im fantastischen Bereich unterwegs.

Eckdaten:

Verlagsgründung: 2013

Schwerpunkt: Phantastik, Romance, Krimi/ Thriller

Wie kaum anders zu erwarten, ist der Phantastikbereich im Amrûn Verlag gut besetzt. Ergänzt wird das Programm durch Romance- und Spannungsliteratur.

Autoren:

Wie auch beim zuletzt vorgestellten Verlag Torsten Low setzt man bei Amrûn auf deutschsprachige Autoren. Ganz große Namen sucht man (noch?) vergebens, aber zumindest in der Szene sind Autoren wie Vincent Voss, Sönke Hanssen, Markus Kastenholz oder Susanne Pavlovic auch nicht gerade unbekannt.

Erwähnenswertes:

Der Amrûn Verlag war mehrfach für den Vincent Preis 2015 nominiert. In der Kategorie Roman National konnte „Keine Menschenseele“ einen respektablen dritten Platz belegen. Das Cover des Romans belegte den ersten Platz bei den Grafiken. Ebenfalls den ersten Platz in der entsprechenden Kategorie belegte die Anthologie „Mängelexemplare Haunted„; „Zombie Zone Germany“ brachte es hier auf den vierten Platz.

Kontakt:

Website der Verlags | Facebookseite des Verlags

Und natürlich möchte ich es auch heute nicht bei einem kurzen und trockenen Faktenbericht belassen, sondern auch Verleger Jürgen Eglseer zu Wort kommen lassen. Also viel Spaß mit dem Interview.

jürgen eglseer

Jürgen Eglseer auf der LBM 2016 (c) U. Bettermann

Hallo Jürgen,

als erstes möchte ich mich natürlich dafür bedanken, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Der Klassiker zum Einstieg ist die kurze Selbstvorstellung, um die ich auch dich gerne bitten möchte.

Ich hasse Selbstvorstellungen. Hat dir das keiner vorher gesagt? Das Interview ist beendet!

Aber mal zurückrudernd: Nerd, Geek, Buchliebhaber, SF-Fan, aufbrausend, begeisterungsfähig für elektronische Musik, Macher.
Kurz genug?

Du bist schon seit Ende der 80er Jahre in der deutschen Fandom-Szene unterwegs und als Gründer und Betreiber des Portals Fictionfantasy.de auch kein Unbekannter. War die Gründung des Verlages letztlich nur eine logische Instanz?

Vielleicht – diesen Schritt haben vor mir ja einige andere Fans auch schon beschritten. Ich nenne da nur Torsten Low, Erik Schreiber oder Guido Latz. Grundsätzlich sollte man die Gründung eines Verlages nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das ist, im Gegensatz zum Bloggen oder dem Schreiben von Rezensionen, kein Ich-mach-was-wenn-ich-Lust-dazu-habe, sondern eine herausfordernde, zeitraubende und auch teils anstrengende Arbeit.

Du betreibst Amrûn nicht hauptberuflich. Wie kann man sich deinen Tagesablauf vorstellen? Ich denke mal, dass alles ziemlich vollgepackt und stressig sein dürfte.

Der Tag ist sehr voll. Amrûn ist mittlerweile ziemlich gewachsen und an manchen Tagen laufe ich allem hinterher und hole nichts ein. Aber langsam entwickelt sich auch in einem so kleinen Verlag eine Arbeitsstruktur und man lagert diverse Aufgaben aus. Ich hoffe, irgendwann nur noch Manuskripte lesen zu können, den Rest machen andere. So nächstes Jahrtausend dann. I hope so.

Als einer der wenigen Kleinverlage bietet ihr neben eBooks und Taschenbüchern auch Hardcover-Ausgaben an. Nun hört man ja hinsichtlich der Präferenzen der Leser die unterschiedlichsten Dinge. Sind die HC-Veröffentlichungen für dich in erster Linie ein Fanservice für leidenschaftliche Sammler?

Nein, definitiv nicht. Bei manchen Titeln ist die Hardcoverausgabe eine Ergänzung zur Taschenbuchausgabe. Andere Titel gibt es nur als HC. Es kommt auf das Buch an und was am besten zu ihm passt.

Wir hatten mal eine HC-Ausgabe für Sammler für ein Buch, das hat mich bezüglich des Aufwandes nicht so sehr überzeugt. Künftig gibt es das eine oder das andere oder allgemein beides gleichzeitig zu erwerben. Aber limitierte Sonderausgaben als HC erstmal weniger.

Bei Amrûn liegt der Blick auf deutschsprachigen Autoren. Kann man davon ausgehen, dass ihr diese Marschlinie beibehalten werdet oder könntest du dir für die Zukunft auch eine Zusammenarbeit mit fremdsprachigen Schriftstellern vorstellen?

Sag niemals nie. Aber derzeit stellt sich für uns die Frage nicht, da es genügend deutschsprachige Autoren gibt, die wunderbare Bücher schreiben und die wir mit Freude verlegen.

Wir hatten schon diverse Anfragen zu diesem Thema – aber bisher konnte mich kein Projekt derart packen, dass wir das wirklich probieren würden.

Den Verlag gibt es seit 2013, aber ihr könnt mittlerweile auf eine ganze Reihe an Veröffentlichungen zurückblicken. Das liegt vor allem auch daran, dass ihr vielen jungen, unbekannten Autoren eine Chance auf Veröffentlichung bietet. Ich kann mir vorstellen, dass das ein zweischneidiges Schwert ist. Die Autoren wird es freuen (und ich will ganz sicher nicht bestreiten, dass sie diese Chance auch verdient haben), bei den Lesern kommen aber sicherlich eher bekannte Namen gut an. Merkst du als Verleger, dass diese Linie sich bewährt?

Die Mischung wollen wir definitiv weiterführen. Auch in Zukunft bietet Amrûn jungen Autoren – was sich nicht auf das Alter bezieht – eine Plattform mit ihren Kurzgeschichten und Romanen. Diese Linie hat ihr Risiko, denn nicht jede Veröffentlichung wird ein Erfolg. Gerade bei jungen, beim Publikum unbekannten Autoren ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich da nicht viel bewegt. Aber immer wieder können wir feststellen, dass unser Idealismus beim Verlegen und beim Marketing den Autor zur Bekanntheit führt. Die Autoren wachsen mit uns und wir mit ihnen. Es ist ein enges Miteinander.

Ihr seid jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Wie fällt das Feedback zum Verlag dort aus? Konntest du dort bereits eine Veränderung in der Wahrnehmung bei den Standbesuchern feststellen?

Wir haben Stammbesucher, die uns belagern und den Likör des Verlegers austrinken wollen. Das sagt doch eigentlich fast alles 😉

Ich zähle nicht die Besucher am Stand – und wir sind bislang zweimal dort vertreten gewesen, aber vom ersten zum zweiten Mal konnten wir eine deutliche Steigerung erleben – im Umsatz und in der Akzeptanz der Besucher. Das ist doch schon mal was, finde ich.

Das Verlagsprogramm hat Schlagseite zum phantastischen Bereich, man findet bei euch allerdings auch Bücher aus dem Romance- oder Dramabereich. Ganz offen gefragt, welche dieser Sparten ist für Amrûn die wichtigere – und welche im Gegenzug für dich als Verleger, unabhängig von Zahlen, die interessantere?

Ich würde es so beschreiben: Phantastik und Romantik haben jeweils 40% Anteil am Verlagsprogramm, die Spannungsliteratur füllt den Rest. Wenn ich die Verkaufszahlen beiseite lasse, möchte ich keiner Sparte den Vorrang geben. Man steht nicht gut auf einem Bein. Besser auf zwei, drei oder gar vier Beinen. Insofern trägt dies auch zur Stabilität des Verlages bei. So viel kann ich verraten: Mit nur einer einzigen Sparte wären wir nach drei Jahren nicht da, wo wir jetzt angelangt sind.
Persönlich bin ich Phantast. Ich lese primär Science Fiction. Leider ist dieser Markt nicht so ein großer Absatzbringer.

Der eBook-Markt boomt, merkt ihr davon etwas? Eure Zielgruppe dürfte sich mit der Gruppe der potenziellen Reader-Käufer ja in einigen Bereichen überschneiden.

Der eBook-Markt stagniert, das zeigen alle aktuellen Statistiken. Die digitalen Verkäufe sind trotzdem sehr wichtig für den Verlag, jedoch ist der klassische Printbereich nichts, was wir außer Acht lassen werden.

Wenn wir schon beim Thema sind: Neben dem Absatz der Lesegeräte wächst auch der Markt der illegalen Downloads stetig. Ist das für dich ein Thema oder merkt ihr davon (noch?) nicht so viel?

Es gibt kaum ein Buch von uns, das nicht spätestens einen Tag nach der Veröffentlichung auf der einen oder anderen illegalen Plattform zu finden ist. Das ärgert ein bisschen, aber wirklich effektiv kann man als Kleinverlag kaum etwas dagegen machen – außer, die digitalen Ausgaben wegzulassen. Das ist aber keine Alternative. Besser für den Blutdruck: Augen zu und durch.

Du arbeitest eng mit Bloggern zusammen. Hierzu gibt es ja auch schon tausende von Beiträgen und Artikeln, in denen sich der Händler über den Blogger aufregt, der sich wiederum über den Verlag beschwert, welcher sich von allen zugleich ungerecht behandelt fühlt. Wie stehst du zu dieser Thematik? Sicherlich ist eine gute Rezension mitunter auch gute Werbung, eine schlechte aber eben das genaue Gegenteil. Wie weit wertest du die Kritiken der von dir verlegten Bücher aus und ziehst daraus deine Schlüsse? Mitunter differieren die Meinungen zu einem bestimmten Titel ja sehr stark voneinander.

Ich sehe eine schlechte Rezension nicht unbedingt als Negativwerbung, sondern als Lernbeitrag, was wir beim nächsten Mal – sei es beim nächsten Buch oder bei der nächsten Auflage des entsprechenden Buches – besser machen können. Wir sind Menschen, Fehler passieren und es ist immer wieder diverser Blödsinn durch alle Kontrollinstanzen durchgerutscht. Hier kommt der Vorteil eines Kleinverlages zum Tragen: Wir können relativ schnell darauf reagieren.

Ansonsten sehe ich an der allgemeinen Reaktion auf ein Buch, ob das Thema ankommt oder ob wir vielleicht mit unserer Einschätzung falsch lagen. Manche Bücher funktionieren einfach nicht, auch wenn sich Verlag und Autor dafür abstrampeln.

Kannst du in deiner Freizeit überhaupt noch Bücher sehen? Hast du überhaupt noch die Zeit, auch privat zu lesen?

Mein SuB quillt über. Ich kaufe immer noch Bücher, die ich unbedingt noch lesen muss. Irgendwann. Hoffentlich. Meistens bleibt es aber bei den Star Trek- und Doctor Who-Veröffentlichungen von CrossCult und immer wieder Perry Rhodan. Man bleibt eben Stammgast.

Das soll es dann von mir auch gewesen sein. Ich bedanke mich noch einmal für deine Zeit und überlasse die berühmten letzten Worte dir.

Ich danke dir für die interessanten Fragen und lade jeden Leser dieses Interviews ein, falls ihn noch etwas interessiert, mich einfach anzuschreiben.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian