SkinTaschenbuch: 415 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe

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Klappentext:

Als Christian den Link zu dem Video anklickt, ist er entsetzt über das, was er sieht: einen bis zur Unkenntlichkeit entstellten menschlichen Körper, der regungslos auf dem Wasser eines Swimmingpools treibt. Das ist nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe von seltsamen Ereignissen, die sich in Christians sonst so geregeltem Leben plötzlich häufen. Doch als er sich der Polizei anvertraut, reagiert diese anders als erwartet. Christian hat das Gefühl, dass man ihm nicht glaubt. Als er weitere dieser grauenhaften Videos erhält, steht die Polizei plötzlich vor seiner Tür: Man hat herausgefunden, dass die E-Mails von seinem Account verschickt wurden. Und: Die Toten sind keine Fremden – Christian kannte sie alle …

Kritik:

Ich muss zugeben, dass Veit Etzold mir bislang nur vom Namen her ein Begriff gewesen ist. Allerhöchste Zeit, das zu ändern. Mit „Skin“ hat Bastei Lübbe im Juli den aktuellen Thriller des guten Herren auf den Markt geworfen. Also, ran an die Bouletten und losgelesen.

Leider ist es vom Start weg sehr schwierig, eine Bindung zu dem Buch aufzubauen. Über einen recht beachtlichen Umfang hat man den Eindruck, dass man es mit einem Wirtschaftsthriller zu tun hat. Oder besser gesagt: der Einleitung zu einem solchen, denn abgesehen davon, dass Etzold seine eigene Erfahrung als Unternehmensberater einfließen lässt, passiert kaum etwas. Ich habe mich eine ganze Weile also durch Zeug quälen müssen, was mich schlicht und einfach nicht interessiert – und was aus dem Klappentext so auch nicht ersichtlich war. Das ist insgesamt ziemlich ärgerlich, denn gerade die „Berufsbeschreibung“ Christians ist vor allem eines: tierisch langweilig. Der Werbetext scheint zu diesem Zeitpunkt gänzlich falsche Erwartungen erzeugen zu wollen. Ja, irgendwann passiert dann tatsächlich etwas, aber auch hier gibt es sehr viele Unterbrechungen zu Gusten von Christians Job – die dann auch direkt wieder so lang ausfallen, dass die Spannung abfällt und ich genervt mit den Augen rollen musste. Der Thriller-Teil ist dann zudem auch noch arg durchschaubar geraten. Auch wenn der Focus urteilt, dass „Etzold mit seinem Thriller ein komplexes Verwirrspiel voller Dauerspannung geschaffen hat“, sehe ich das leider gänzlich anders. Schnell hat man, vor allem durch die Rückblenden, die es dann und wann gibt, heraus wie der Hase läuft. Das Finale ist dann dementsprechend auch nicht komplex und überraschend, sondern öde. Einzig die Tatsache, dass „Skin“ im Finale das Zeitgefühl des Lesers gehörig durcheinander bringt, ist überraschend. Aber nicht im positiven Sinn.

Auch in Hinsicht auf die Figuren kann Etzold nicht punkten. Sein Hauptprotagonist Christian ist von Beginn an vor allem eines: ein arrogantes Arschloch, welches durch und durch unsympathisch präsentiert wird. Daran ändert sich auch im Lauf der Geschichte nichts, selbst als ihm die Suppe schon bis an die Unterlippe steht, bleibt er ein überheblicher Sack. Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern in Anbetracht der Geschichte auch absolut unangebracht. „Skin“ will ein Thriller sein, sollte es dem Leser also ermöglichen, mit dem Opfer zu leiden. Das passiert hier nicht. Eigentlich habe ich mir am ehesten gewünscht, dass der Hauptprotagonist durch die Polizei aus dem Spiel genommen wird. Oder selbst zur Wasserleiche. Hauptsache weg. Das Problem dabei ist aber, dass vor allem die Polizisten nicht sonderlich helle in der Birne zu sein scheinen. Denn während der Leser des Rätsels Lösung schon komplett vor sich ausbreiten kann (und dafür nicht einmal viele Krimis oder Thriller gelesen haben muss; es ist einfach unglaublich offensichtlich), sind die Damen und der Herr noch kilometerweit vom aufdröseln des Falls entfernt. Schade eigentlich, denn besonders Kommissar Deckhard hätte tatsächlich das Zeug zum Sympathieträger, auch wenn er einige Klischees mit sich rumschleppt. Was übrigens auch für den Großteil der Nebenfiguren gilt. Die meisten wirken wie Abziehbildchen anderer, bekannterer, Vorbilder.

Stilistisch geht in Ordnung, was Etzold so schreibt. Zumindest weitestgehend, denn „Skin“ liest sich über weite Strecken flüssig. Sobald es aber in den technischen Bereich geht, möchte man den Roman dann doch das eine oder andere Mal an die Wand klatschen. Wenn da immer wieder davon die Rede ist, dass Christian „das Excel“ von jemandem übernommen hat, klingt das, als ob er ein kleiner Hobbyhacker wäre und nicht danach, dass er ein vorhandenes Excelsheet eines Kollegen ausgebessert hat. Oder wenn von „Steuerkonsolen für Playstations“ die Rede ist. Welcher normale Mensch sagt sowas bitte? Selbst die Hersteller nennen die Dinger schlicht Controller. Aber nun ja, was soll man sich über solche Kleinigkeiten aufregen, wenn das Buch ohnehin viel größere Probleme hat.

Fazit:

2Sollte „Skin“ repräsentativ für das Schaffen Veit Etzolds sein, werde ich in Zukunft wohl einen großen Bogen um seine Veröffentlichungen machen. Der Roman braucht ewig, um aus dem Quark zu kommen, das langweilige Alltagsleben eines Unternehmensberaters hinter sich zu lassen und endlich ein Thriller zu werden. Um dann dauernd wieder von erstgenannten Passagen unterbrochen zu werden. Eine unsympathische Hauptfigur und klischeehafte Nebencharaktere tragen auch nicht gerade zur Lesefreude bei. Wären da nicht die zwischendurch immer wieder aufblitzenden Spannungsspitzen, wäre das Buch vermutlich ein Abbruchkandidat gewesen. Schade.

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian