elysionTaschenbuch, 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag

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Inhaltszusammenfassung:

Im Jahr 2135 ist die Welt durch einen Bürgerkrieg verwüstet worden, welcher durch den Eingriff der Malachim, für die meisten Menschen von Gott gesandte Engel, beendet wurde. In dieser Welt versucht die 17jährige Cooper Kleinschmidt zu überleben – indem sie diese mächtigen Wesen töten, deren Körper bei Kontakt mit Hochspannung eine extrem wirksame Droge namens “Teer” hinterlassen. Eines Tages jedoch baut sie durch einen Unfall eine geistige Verbindung zu einem Malach auf. Für Cooper beginnt eine Reise, die sie so nie erwartet hätte.

Kritik:

Was in der Inhaltsangabe einen leichten Jugendbuch-Touch hat, entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein Science Fiction-Roman, der ziemlich dystopisch daher kommt und sich zumindest im Verlauf der Geschichte definitiv nicht nur an ein junges Publikum richtet. Höchstens zum Teil, man möchte fast sagen, dass man es mit einer Art “Zwischending” zu tun hat – was ja nun nicht zwangsläufig schlecht ist, denn es erweitert ja schließlich den Leserkreis und verspricht für beide “Generationen” interessant zu sein.

Die Story selbst ist dabei nun nicht unbedingt etwas neues, denn das muss man nun ganz offen sagen: von Kriegen, Zombiehorden oder anderen unschönen Ereignissen zerstörte Erden gibt es wie Sand am Meer, durch eine übermäßige Originalität kann “Elysion” an diesem Punkt also nicht trumpfen. Man findet an vielen Stellen alle die bekannten Ingredenzien, die man in etlichen anderen Werken schon einmal gesehen hat. Religiöse Fanatiker, fiese Raider-Banden, die wild-marodierend durch die Gegend ziehen und mittendrin natürlich eine Truppe von heroischen Recken. Umgangssprachlich gesprochen. An diesem Punkt hätte ich mir etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht, ein paar Punkte, die “Elysion” von anderen ähnlich gearteten Werken unterscheiden und dem Buch einen eigenen Touch, eine eigene Atmosphäre geben – denn ich muss gestehen, dass die Malachim nach meinem Eindruck (zumindest auf den ersten Blick) lediglich ein Synonym für die allseits beliebten Mutanten/ andere schrecklich hässliche Endzeitwesen waren. Thomas Elbel verfügt allerdings über die Mittel, diese nach “Einheitsbrei” schmeckende Welt in eine äußerst spannende und in einem rasanten Tempo erzählte Geschichte einzubetten, die den Leser dann doch gerne schon einmal vergessen lässt, dass er vieles von dem gelesenen schon einmal irgendwo anders gesehen hat. Er vergißt es nicht, dabei auch ein paar recht interessante Wendungen einzubauen, von denen einige allerdings leider unter dem Problem der Vorhersehbarkeit kranken. So war mir zum Beispiel die Verbindung, welche zwischen Cooper und dem mysteriösen Pontifex besteht bereits nach etwa 140 Seiten absolut klar. Macht aber nichts, dank dem durchgetretenen Gaspedal und der konstanten Spannungskurve sieht man darüber auch gerne schon einmal hinweg, denn der Unterhaltungsfaktor stimmt dennoch. Vielleicht wäre er sogar noch größer gewesen, wenn sich nicht das (gefühlt) letzte Drittel des Romans komplett in einem Forschungslabor abgespielt hätte, nachdem Elbel sich die Mühe gemacht hat, für “Elysion” eine so richtig schön heruntergekommene Welt zu entwerfen.

Was nun die Charaktere angeht muss man leider auch differenzieren. Auf der einen Seite gibt es ziemlich gelungene wie zum Beispiel die Truppe um Heldin Cooper (welche absolut sympathisch daher kommt und es dem Leser gut ermöglicht, sich mit ihr zu identifizieren), auch was den Pontifex und dessen Wandlung angeht kann man noch ruhigen Gewissens von einer glaubwürdigen Charakterentwicklung sprechen, da diese auch mit einem recht detaillierten Hintergrund ausgestattet sind. Das gilt zwar auch für viele der anderen Akteure, welche aber speziell zum Schluss hin mitunter unglaubwürdig werden. Ich möchte hier als Beispiel den knallharten Gangster McCann anführen, der zu Beginn der Geschichte noch ohne mit der Wimper zu zucken einem Kind den Finger abschneidet und die Wunde mit seiner Zigarre höchstpersönlich kauterisiert, zum Schluss hin dann aber plötzlich zum Kinderfreund mutiert. Das passt, trotz der hinter ihm liegenden Ereignisse, nicht so ganz zusammen. An diesem Punkt bin ich nun also tatsächlich ziemlich hin- und her gerissen.

Stilistisch kann man sich über Thomas Elbel absolut nicht beschweren. “Elysion” kommt in einem sehr frischen und ansprechenden Schreibstil daher, die Gestaltung der Orte ist angenehm plastisch und (so weit das bei einem Sci-Fi-Roman möglich ist) nachvollziehbar und realistisch. Es geht nicht immer ganz bierernst zur Sache, dem Leser bieten sich genügend Möglichkeiten für das eine oder andere breite Grinsen. Zwar sucht man ganz große Gefühle vergeblich (die sich anbahnende Liebesgeschichte nach dem Finale bezeichne ich nun höchstens als angerissen), aber das kann man durchaus verschmerzen, schließlich geht es hier um einen (überzeugend geschilderten) Überlebenskampf.

Fazit:

7“Elysion” ist ein schneller und actionreicher Thriller in einem dystopischen Szenario. Wer solcherlei Romane mag, sollte hier unbedingt reinlesen und sich nicht vom doch recht niedrigen Alter der Hauptakteure abschrecken lassen. Genrefreunde werden meiner Meinung nach durchaus ihren Spaß mit dem Buch haben. Mit etwas mehr Eigenständigkeit und weniger schwankenden Charakterzeichnungen wäre hier sicherlich noch mehr drin gewesen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian