the strangerOT: The Stranger (CHL 2014)

Regie: Guillermo Amoedo

Darsteller: Lorenza Izzo, Ariel Levy, Aaron Burns, Cristobal Tapia Montt

Laufzeit: 93 Minuten
Freigabe: FSK18

Inhaltszusammenfassung:

Martin, ein mysteriöser Fremder, kommt in eine Kleinstadt. Er ist auf der Suche nach seiner Frau. Er will sie finden und töten, denn sie leidet unter einer sehr gefährlichen und hochansteckenden Krankheit. Martin findet heraus, dass seine Frau schon vor Jahren gestorben ist. Kurz darauf wird er von drei lokalen Kleingangstern brutal attackiert. Schwer verletzt kommt er bei einer Familie unter. Doch was er nicht ahnen kann – auch er ist infiziert und löst durch sein Blut eine grauenhafte Epidemie in der Stadt aus.

Kritik:

Mit dem Namen Eli Roth verbinden viele in erster Linie wirklich heftige Titel wie zum Beispiel „Hostel„. Was für seine eigenen Regiearbeiten durchaus zutreffend sein mag, hat jedoch nur bedingt Gültigkeit, wenn der Herr Roth sich als Produzent betätigt. „The Stranger“ wirbt nun also mit diesem sicherlich zugkräftigen Namen, doch erfüllt er auch die Erwartungen, die man an eben jenen hat?

the strangerSollte diese Erwartung „derbe Schlachtplatte“ sein, wird man, so viel sei vorab gesagt, bitter enttäuscht werden. Regisseur Guillermo Amoedo inszeniert hier viel mehr einen eher schwermütigen und ausgesprochen düsteren Vampirfilm, der sämtliche Genrekonventionen mit einem Schulterzucken über Bord wirft und sich auf eine doch ziemlich andere Art und Weise mit den Blutsaugern auseinander setzt. Die Stimmung, die dabei aufkommt ist nur schwer zu beschreiben, allerhöchstens kann man sagen, dass sie speziell ist. Zunächst einmal muss sich der Zuschauer auf die Erzählweise des Titels einlassen können. „The Stranger“ treibt seine Geschichte auf zwei Zeitebenen voran, die teilweise sehr fließend ineinander über gehen. Das führt hier und da zu leichter Verwirrung, ein ärgerlicher Umstand, der erst mit voranschreitender Handlung etwas entknotet wird. Auch wandert der Film auf einem sehr schmalen Grat zwischen Thriller und Drama, ohne sich jedoch vollends für eine Richtung entscheiden zu können. Das bremst den Erzählfluss mitunter aus und wirkt an anderen Stellen schlicht unentschlossen. Sehr ärgerlich, da dadurch der eigentlich sehr guten Atmosphäre immer wieder einen Dämpfer aufgesetzt wird. Zudem hätte dem Film etwas mehr Spannung gut getan, die Story zieht sich teilweise doch sehr.

the strangerDie darstellerischen Leistungen hingegen gehen in Ordnung. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es einem der Schauspieler gelungen ist, sich direkt ins Herz zu spielen, aber es ist ihnen zumindest gelungen, ihre Charaktere gut auszufüllen. Ariel Levy bekommt als  Caleb eine Menge Screentime, die er gut dazu nutzen kann, die innere Zerissenheit seiner Figur deutlich zu machen. Auf die Details kann man hier nun leider nicht eingehen, da eben dieser Punkt die treibende Kraft hinter der Geschichte ist. Auch der Rest des Ensembles holt aus den Figuren raus, was nötig ist, um diese überzeugend wirken zu lassen, auch wenn „The Stranger“ diese teilweise sehr stereotyp darstellt.

the stranger 3An Effekten sollte man nicht übermäßig viel erwarten. Der Film ist mal wieder einer dieser Titel, bei dem ich die Freigabe nicht nachvollziehen kann. Es werden nur sehr wenig Schauwerte geboten, die aber zumindest handwerklich gut umgesetzt wurden. Allerdings ist das bei weitem nicht genug, um aus „The Stranger“ nun einen reinrassigen Horrorfilm zu machen. Hier wird meiner Meinung nach schon durch das Rating (in Verbindung mit dem Namen Eli Roth) etwas suggeriert, was letztlich nicht gehalten wird. Auf der Habenseite ist hingegen die sehr düstere und stimmige Optik, die sehr gut zur Grundstimmung des Films passt und durchaus als gelungen betrachtet werden kann.

Fazit:

5„The Stranger“ ist einer dieser Filme, an denen sich die Geister sicherlich scheiden werden. Ich persönlich finde es sehr schade, dass sich der Film nicht entscheiden kann, welchem Genre er sich nun eigentlich zugehörig fühlt und diesen Weg dann auch konsequent einschlägt. Das mag in machen Fällen gut funktionieren, hier hingegen fühlt es sich über weite Strecken eher wie ein selbstauferlegter Eierlauf an. Dementgegen steht allerdings eine sehr gute Atmosphäre mit ordentlichen Darstellern, die aber nur bedingt über die mitunter zähe Erzählweise hinweg trösten können.

© des Bild- und Tonmaterials: Tiberius Film

Das denken die anderen:

Die Nacht der lebenden Texte

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian