purge: anarchyOT: The Purge: Anarchy (FR/USA 2014)

Regie: James DeMonaco

Darsteller: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez

Laufzeit: 99 Minuten
Freigabe: FSK16

Inhaltszusammenfassung:

Im Jahr 2023 ist in Amerika in der Purge Night jedes Verbrechen legal. Wer kann, verbarrikadiert sich – oder geht auf die Straßen zum „Säubern“. Eva und Cali gehören zur ersten Kategorie, allerdings sind die Sicherheitsmaßnahmen analog zu ihren finanziellen Mitteln eher bescheiden. Es passiert, was passieren muss. Zeitgleich ist das junge Paar Shane und Liz Opfer einer nicht ganz zufälligen Autopanne. Eine Stunde vor Beginn der Nacht. Der Zufall führt sie alle mit einem Unbekannten zusammen, der schwerbewaffnet auf der Straße unterwegs ist, aber offenbar nur ein ganz bestimmtes Ziel hat und dennoch nebenbei versucht, die kleine Gruppe am Leben zu halten.

Kritik:

The Purge – Die Säuberung“ war seinerzeit eine handfeste Enttäuschung für mich. Viel verschenktes Potential in der Umsetzung, schwache Figuren und unsympathische Darsteller haben dem Film gerade so vier Punkte bescheren können. Und dennoch war die dem Film zugrunde liegende Geschichte interessant genug für mich, um mir auch den zweiten Teil, „The Purge: Anarchy„, anzusehen. 

purge: anarchySchnell wird dabei, auch ohne eine Zweitsichtung des ersten Teils, klar, dass das Sequel eine völlig andere Marschrichtung an den Tag legt. Wo man vorher einen mäßigen Home Invasion-Thriller zu sehen bekam, ist das Setting hier viel offener, eine Hetzjagd durch die komplette Stadt steht an. Das sorgt dafür, dass die Atmosphäre des Films sich völlig anders entwickeln kann. Die ist nämlich sehr gut eingefangen, die fast menschenleere Stadt wirkt beklemmend und wenn dann tatsächlich doch einmal irgendwelche verkleideten und bis an die Zähne bewaffneten Figuren auftauchen auch ziemlich erschreckend. Es sorgt aber auch dafür, dass der Thriller-Aspekt deutlich in den Hintergrund gedrängt wird und einer deutlichen Steigerung des Actionsequenzen weichen muss. In meinen Augen tut das dem Film allerdings sehr gut, denn anders als noch bei „Die Säuberung“ stimmt in „Anarchy“ der Spannungsbogen. Er springt zwar nicht aus dem Stand in enorme Höhen, sondern beschreibt eine eher sanfte, zum Ende hin konstante, Kurve, leistet sich aber auf der anderen Seite keine übermäßigen Einknicker. Allerdings muss man ebenfalls sagen, dass das Ende fast schon bis ins Detail vorhersehbar gewesen ist. Das trübt den bis hierhin recht positiven Gesamteindruck dann doch ein wenig. Positiv kann man dem Film jedoch auslegen, dass die Ereignisse der Purge Nacht nicht so unreflektiert bleiben wie im Vorgänger. Zwar würde ich immer noch nicht so weit gehen, „Anarchy“ einen kritischen Unterton zuzuschreiben, aber zumindest wirkt es nicht mehr so, als ob diese Nacht für alle (Un-)Beteiligten ein hinnehmbarer Spaß oder ein notwendiges Übel ist.

purge: anarchyDie darstellerische Seite des Films ist ein Schwanken von links nach rechts. Ja, man geht routiniert zur Sache, allerdings fehlen mir hier wirklich gute Leistungen und deutlich werdende Spielfreude. „The Purge: Anarchy“ leidet somit ein bisschen an der gleichen Krankheit wie der Vorgänger, wenn auch in einer abgemilderten Form. Frank Grillo als Sergeant Leo macht noch eine recht gute Figur, mir fehlt allerdings die nachvollziehbare Entwicklung. Sein Handeln zum Schluss hin passt nicht mit seinen Intentionen zusammen und das Script verzichtet hier auf eine glaubwürdige Erklärung. Der Rest der Figuren bleibt relativ blass, sie sind im Endeffekt nur dazu da, um die Action zu rechtfertigen, ohne dabei der Geschichte jedoch einen wesentlichen Mehrwert zu verleihen.

purge: anarchyDie Inszenierung ist, wie bereits erwähnt, in Ordnung. Regisseur James DeMonaco hat offenbar aus der Kritik an „Die Säuberung“ gelernt und holt in „The Purge: Anarchy“ deutlich mehr aus der Idee heraus. Die häufigen Actionsequenzen sind zumindest ordentlich umgesetzt. Der Film ist dabei stellenweise überraschend hart ausgefallen, vor allem in Hinsicht auf die 16er-Freigabe. Man sollte kein Gemetzel wie in den Punisher-Filmen erwarten, aber durchaus einen Titel, der für ein älteres Publikum konzipiert ist. Die Effekte erscheinen großteils handgemacht zu sein und können ebenfalls überzeugen.

Fazit:

6The Purge: Anarchy“ ist ein durchaus ansehbarer Actionfilm, der allerdings von der Machart des (mäßigen) Vorgängers meilenweit entfernt ist. Das düstere, offenere Setting wirkt ungleich stimmiger und sorgt durch die Hetzjagd durch die ganze Stadt durchgehend für Spannung. Zwar sind die darstellerischen Leistungen und die Figurenzeichnung auch hier eher mittelmäßig ausgefallen, alles in allem konnte mich der Film aber deutlicher überzeugen als „Die Säuberung“. Nichts, was man unbedingt gesehen haben muss, aber auch keine absolute Zeitverschwendung.

© des Bild- und Tonmaterials: Universal Pictures

Das denken die anderen: 

Tonight is gonna be a large one: 7/10 Punkten
Die Nacht der lebenden Texte

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)