das wahre wesen der dingeTaschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Golkonda Verlag

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Klappentext:

Der Grafiker Leon erwacht nach einem Unfall, und nichts ist, wie es vorher war: Von Albträumen geplagt, muss er erkennen, dass die Ärzte ein neuartiges Medikament erprobt haben, um sein beschädigtes Gehirn zu retten – für Leon beginnt eine Reise über alle Grenzen menschlicher Erfahrung hinaus.

Die Tierpflegerin Ana erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie soll digitale Wesen, die über Bewusstsein und Empfindungen verfügen, als Erzieherin betreuen. Zunächst sind die Menschen entzückt von den süßen “Digis”, doch dann stellt ihre Existenz die Menschen vor immer komplexere Fragestellungen.

Ein Knopf und ein Lämpchen – aus nicht viel mehr besteht das neue technisches Spielzeug. Doch wer den Knopf drückt, für den gerät die Welt aus den Fugen. Denn nichts ist so tödlich wie ein Gedanke, den es eigentlich nicht geben dürfte …

Mit seinen Geschichten eröffnet uns Ted Chiang Gedankenwelten, die in ihrer Konsequenz verblüffend neu und zutiefst beunruhigend sind. Was passiert, wenn die Logik uns verrät? Wenn Schönheit nichts mehr bedeutet? Sind nichtmenschliche Gefühle weniger wert als menschliche? Nach Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes macht der zweite Story-Band des vielfach preisgekrönten US-amerikanischen Autors weitere Kostbarkeiten der SF endlich auch deutschen Lesern zugänglich.

Kritik:

Ich muss gestehen, dass mir der Name Ted Chiang bis vor kurzem kein Begriff gewesen ist. Und vermutlich hätte ich ihn auch niemals auf dem Schirm gehabt, wenn ich nicht durch den netten Verlagskontakt mit der Nase darauf gestoßen worden wäre. Kurzgeschichten hin oder her, ich fand die Aufmachung gut und bin generell “realitätsnaher” Science Ficition abseits von Star Wars & Co. nicht abgeneigt, von daher war “Das wahre Wesen der Dinge” einen Blick wert.

Die Geschichtensammlung bietet uns 8 Stories aus Chiangs Feder, was zusammen mit “Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes”, ebenfalls aus dem Hause Golkonda dann auch schon das bislang noch recht schmale Gesamtwerk des Autoren ausmacht. Die Ansätze Chiangs sind in “Das wahre Wesen der Dinge” dabei sehr unterschiedlich ausgefallen, eines muss man jedoch jeder der Geschichten leider attestieren: Spannung im klassischen Sinn kommt nicht auf, man sollte also nicht erwarten, es hier mit einem direkten Konkurrenten zu Dick oder den zur Zeit vorherrschenden dystopischen Stoffen zu tun zu bekommen. Die Herangehensweise des Autoren ist jedoch auch eine gänzlich andere. Ted Chiang will mit seinen Werken ganz offensichtlich nicht “nur unterhalten”, sondern zielt vielmehr auf eine tiefere Auseinandersetzung des Lesers mit dem Geschriebenen ab. Es handelt sich hierbei also nicht um pure Unterhaltung. Vielmehr haben die Geschichten in “Das wahre Wesen der Dinge” zumeist einen wissenschaftlichen Ansatz, der, so muss man leider ganz offen sagen, auch teilweise dazu führt, dass die Stories nur sehr schwer zu verarbeiten sind und hier und da einen weiteren Lesedurchgang erfordern.

Ganz klar muss man aber auch sagen, dass sich eine der größten Stärken in den Figuren findet. Ted Chiang ist es gelungen, in jeder Geschichte mit glaubwürdigen Figuren aufzuwarten, die trotz der Kürze der Geschichten sehr gut funktioniert haben und auch mit genügend Hintergrund daher kommen, um den Leser auch interessieren. Das ist schon eine beachtliche Leistung, die ich nicht vielen Kurzgeschichten zugestehen würde.

Stilistisch ist Chiang, wie eingangs schon erwähnt, alles andere als leichte Kost. Seine Art zu schreiben ist zwar auf der einen Seite sehr zugänglich, kommt aber auf der anderen auch mit einer sehr tiefgründigen Denkweise daher. Das fordert dem Leser eine recht umfassende Auseinandersetzung mit den grundsätzlich immer vorhandenen philospophischen Ansätzen ab, teilweise fühlte ich mich sogar dazu genötigt, gewisse Begriffe zu googeln – hier ist der wissenschaftliche Aspekt der Geschichten mir dann doch ein wenig zu schwerwiegend gewesen, da es zwar schön und gut ist, sich mit einem Buch auseinandersetzen zu müssen, ich aber eigentlich nicht die Intention habe, mich um das Verständnis bemühen zu müssen.

Fazit:

8“Das wahre Wesen der Dinge” ist ein besonderes Stück Science Fiction. Durchgehend hochklassig erzählt, fordert es dem Leser jedoch auch einiges ab und wird dadurch mitunter doch sehr sperrig und schwer verständlich. Ted Chiang scheint mir kein Autor zu sein, der seine Leser “nur” unterhalten will, sondern ihnen mit seinen Werken zugleich auch eine mitunter fast schon philosophische Auseinandersetzung mit der gewählten Thematik nahebringen. Das lässt sich zwar gut lesen, erfordert aber auch eine Menge Bereitschaft, sich ernsthaft und eingehend mit den Geschichten auseinander zu setzen, die sonst unter Umständen nicht ihre volle Wirkung entfalten können.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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