doctor sleepOT: Doctor Sleep

Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (28. Oktober 2013)

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Inhaltszusammenfassung:

Dan Torrance hängen die Ereignisse aus dem Overlook Hotel nach. Sein Leben hat sich nicht gerade zum Guten entwickelt: um sein Shining zu unterdrücken greift er zum Alkohol und machmal auch zu anderen Drogen. Er zieht durch die USA und landet schließlich als Hausmeister in einem kleinen Hospiz. Hier endlich scheint er langsam zur Ruhe zu kommen. Bis schließlich das kleine Mädchen Abra Stone, welches selbst ein sehr starkes Shining besitzt, Kontakt zu ihm aufnimmt. Zunächst scheint auch hier alles im grünen Bereich zu sein, bis Abra in das Visier des “Wahren Knotens” gerät, eine Sekte, die sich vom Shining sterbende Kinder ernähert. Einer Sekte, die dem Sterben auch gerne einmal nachhilft. Dan und Abra müssen sich verbünden, um das Leben des Mädchens zu retten.

Kritik:

Stephen King scheint derzeit aktiv wie nie zu sein, zumindest lassen die kurzen Abstände zwischen seinen Veröffentlichungen darauf schließen – und viele Fans sind sich darin einig, dass der Meister des Horror sich derzeit auf dem Höhepunkt seines Schaffens befindet. Große Worte, vor allem wenn man bedenkt, dass er mit “Doctor Sleep” nach 36 Jahren den Nachfolger zu einem seine wohl bekanntesten Romane veröffentlicht. Ob das gut gehen kann?

Zunächst einmal kann man sagen, dass man “Doctor Sleep” tatsächlich annäherend ohne Vorkenntnisse aus “Shining” lesen kann. Zwar gibt es immer wieder Bezüge auf den Vorgänger, diese fallen allerdings recht moderat aus. Ich würde aber dennoch in jedem Fall empfehlen, zunächst einmal dieses später sehr frei von Stanley Kubrick verfilmte Buch zu lesen, denn nur so kann der Roman seine volle Wirkung entfalten. Wie gewohnt nimmt sich King viel Zeit für den Aufbau seiner Geschichte und baut einen langen, sich stetig entwickelnden Spannungsbogen auf. So beschäftigt sich ein guter Teil der Story damit, Dannys Vergangenheit aufzubereiten, ohne sie dabei in voller Tiefe und Breite zu beleuchten. Das ist auch der Punkt, an dem ohne Vorkenntnisse vielleicht etwas Langeweile, zumindest aber Unverständnis aufkommen könnte. Nachdem Torrance dann aber auf Abra trifft, beginnt die Story sich etwas schneller zu entwickeln und ab diesem Moment steigt auch die Spannung etwas stetiger an. Prinzipiell kann man ohnehin sagen, dass “Doctor Sleep” vor allem im direkten Vergleich zu “Shining” ein ruhigerer King-Roman ist, denn über weite Strecken lebt das Buch nicht von knüppelharter Action, sondern von der sehr gefälligen, besonders zum Schluss hin auch äußerst unheimlichen Atmosphäre. Das Ende hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und, anders als bei “Die Arena” auch keinen negativen Beigeschmack hinterlassen. Alles in allem also eine runde Sache.

Sein ganzes Können zeigt Stephen King bei den Charakteren. Zwar hat man mit Dan und Dick Halloran zwei nicht unwichtige Figuren aus dem Vorgänger parat, wobei letzterer allerdings lediglich eine Nebenfigur darstellt und erstgenannter sich natürlich im Lauf der Jahre deutlich weiterentwickelt hat. Und genau da liegt bekanntlich Kings Stärke: der sehr dichte, fast schon psychologische Hintergrund seiner Charaktere ist auch hier wieder gegeben. Man hat zu jeder Zeit den Eindruck, es mit echten Menschen zu tun zu haben, nicht mit den Kreationen der Phantasie ihres Schöpfers. Soweit es die Geschichte zulässt sind sie glaubwürdig aufgebaut, haben ihre eigenen Problemchen, ihre Schwächen und Macken, welche auch in der für den Autoren typischen Breite beschrieben werden. Für viele ist diese ausschweifende Art ein Kritikpunkt, ich für meinen Teil kann mich darüber jedoch nicht beschweren, da auf diese Art und Weise Figuren entstehen, die in ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Autenzität im Genre ihresgleichen suchen dürften.

Stilistisch erwartet den Leser ein typischer King. Man merkt einfach, dass der Mann sein Handwerk versteht und sich nicht umsonst dieser Beliebtheit erfreut (ich glaube, ich habe noch kein Buch erlebt, bei dem Fans und Rezensenten gleichermaßen so händeringend auf die Veröffentlichung gewartet haben). Im direkten Vergleich zu “Shining”, den ich vorab noch einmal ein bisschen quer gelesen habe, fällt dann auch die Entwicklung, die King persönlich gemacht hat, direkt ins Auge. Ich bin geneigt, der Aussage, dass er sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens befindet, zuzustimmen. Für mich ist “Doctor Sleep” bislang einer der rundesten Romane aus der Feder des Meisters, in dem er sich über die kompletten 700 Seiten keine stilistische Schwäche leistet.

Fazit:

9“Doctor Sleep” ist ein würdiger Nachfolger zum Erfolgsroman “Shining”. King verlegt seinen Erfolgsroman nicht einfach mit neuen Figuren an einen anderen Schauplatz, sondern spinnt eine gänzlich neue Geschichte, welche zwar auf den bisherigen Ereignissen fußt, sie aber nicht simpel nacherzählt. Dabei spielt er seine gewohnten Stärken bei der Charakter-Erschaffung aus und würzt sie mit einem stetig steigenden Spannungsbogen und einer rundum gelungenen Atmosphäre. Man sollte aber auf jeden Fall erwähnen, dass “Doctor Sleep” auch einer der ruhigeren Vertreter seiner Art ist und auf Daueraction verzichtet – die hat der Roman abe auch nicht nötig. Mister King, willkommen zurück im Horror-Genre!

Mehr von Stephen King auf Stuffed-Shelves.de:

Besprechung zu „Revival“
Besprechung zu „Die Arena“

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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