Ryan C. Thomas – Der Sommer, als ich starb

der sommer als ich starbOriginaltitel: The Summer I Died
Paperback: 288 Seiten
Verlag: Festa Verlag

Übersetzung: Michael Krug

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Klappentext:

Der Sommer, als ich starb erzählt den Albtraum der Schulfreunde Roger und Tooth, die in die Klauen eines irren Sadisten und dessen blutrünstigen Hundes geraten …

Die Gewalt in diesem Thriller ist kaum zu ertragen, doch er ist so gut geschrieben, dass der Leser einfach nicht fliehen kann.

Kritik:

Wenn man mal Lust auf etwas Härteres hat, muss man sich an die kleineren Verlage halten. So ist es nur logisch, dass „Der Sommer, als ich starb“ aus dem Hause Festa kommt. Der Klappentext kündigt bereits vollmundig „Kaum zu ertragende Gewalt“ an. Na, das ist doch mal ’ne Ansage!

Umso erstaunlicher dann der erste Eindruck vom Roman, denn auf den ersten knapp 90 Seiten passiert eigentlich nicht viel. Vielmehr hat man den Eindruck, in einem Jugendroman zu sein, der die Freundschaft zwischen zwei Twens thematisiert. Erstes Stirnrunzeln setzte ein. Nicht falsch verstehen, langweilig ist es auch bis dahin nicht, denn Thomas versteht es sehr gut, auch diesem Teil von „Der Sommer, als ich starb“ einen konstanten Spannungsbogen zu verleihen und die Seiten locker durchflattern zu lassen. Zudem ist die Atmosphäre sehr gelungen, sodass das Lesen Spaß macht. Und dann? Tja, dann geraten Tooth und Roger in die Hände des „Dünnen“ und das Buch entwickelt sich von einer Art Coming-of-Age-Geschichte zu einem Schlag mitten in die Kauleiste. Ryan C. Thomas dreht an der Gewaltschraube und aus der eigentlich ziemlich relaxten Geschichte wird ein Torture Porn der harten Gangart. Der Überlebenskampf der Freunde ist dabei eine sehr spannende Sache, das Finale zudem temporeich und die Atmosphäre schwenkt von „entspannt“ zu düster und extrem böse und versprüht eine ordentliche Portion Hoffnungslosigkeit. Passt also.

Der Sommer, als ich starb“ kommt dementsprechend mit einem kleinen Figurenensemble aus. Tooth, Roger, der „Dünne“ nebst fiesem Köter. Viel mehr gibt es hier nicht zu sehen. Speziell die „Helden“ der Geschichte sind dabei sehr unterschiedlichen Charakters, wobei ich leider sagen muss, dass mir besonders Tooth doch etwas zu hart im Nehmen erschien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der menschliche Körper und vor allem der menschliche Geist in der Lage ist, die beschriebenen Dinge auszuhalten und weiter Überlebenswillen zu zeigen. Das wirkte etwas unglaubwürdig. Ebenso Rogers Gedankengänge zum Finale hin. Sie stehen meiner Meinung nach in einem zu krassen Gegensatz zu seinem Denken über weite Teile der Geschichte.

Stilistisch kann man nicht meckern. Ryan C. Thomas schreibt geradeheraus und auf den Punkt zu. Keine Schnörkel, kein Geschwurbsel. Einfach gut verständliche Texte, die sich flüssig lesen lassen. Sicherlich wird dazu auch die Übersetzung von Michael Krug beitragen, die der deutschen Version einen guten Anstrich verpasst und stimmig wirkt. Man sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass „Der Sommer, als ich starb“ fernab des modernen „Kuschelhorrors“ ist, den man in den großen Verlagen serviert bekommt. Der Gewaltlevel ist verdammt hoch, der Roman will gar nicht den Mainstream ansprechen, sondern nimmt direkt den groben Knüppel zur Hand und haut einfach drauf.

Fazit:

8Der Sommer, als ich starb“ ist eines dieser Bücher, die in jedem Publikumsverlag undenkbar wären. Zumindest ab der Hälfte. Man hat fast den Eindruck, es mit zwei unterschiedlichen Romanen zu tun zu haben, einer gechillten „These are the days of our lives“-Geschichte und einer brutalen Tour de Force, die einen starken Magen erfordert. Beide Teile der Story wissen zu gefallen, werden von Autor und Übersetzer gut und stimmig transportiert. Zwar finden sich in der Charaktergestaltung leichte Schwächen, aber für einen knüppelharten Horrorthriller sind sie dennoch völlig ausreichend. Ich würde jetzt gerne sagen, dass mir das Buch Spaß gemacht hätte, aber so richtig trifft es das nicht.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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1 Kommentar auf "Ryan C. Thomas – Der Sommer, als ich starb"

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Manuela
Gast

das ist dann eher nix für mich, glaube ich-

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