staubige Hölle

Staubige Hölle von Roger Smith

OT: Dust Devils
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzung: Peter Torberg, Jürgen Bürger

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Klappentext:

Robert Dell ist auf der Flucht. Seine Frau und Kinder sind auf grausame Weise umgebracht worden, er selbst steht unter Mordverdacht. Dells einziger Verbündeter ist sein verhasster Vater, ein ehemaliger CIA-Killer und überzeugter Rassist, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Gemeinsam machen sie Jagd auf den wirklichen Mörder. Eine wilde Hetzjagd beginnt, quer durch das von Korruption und blutigen Stammesfehden zerrissene Südafrika.

Kritik:

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle den Roman „Stiller Tod“ von Roger Smith besprochen. Seinerzeit konnte ich Smith viele Stärken, wie zum Beispiel ein sehr interessantes Figurengeflecht und eine außergewöhnliche Atmosphäre attestieren. Leider aber auch ein unpassendes Ende und einen Spannungsbogen, der insgesamt etwas zu kurz kommt. Nun wage ich mich mit „Staubige Hölle“ erneut nach Südafrika.

Es wird dabei schnell klar, dass Smith die Stärken von „Stiller Tod“ auch in diesem Roman wieder präsentiert. Der Leser wird in ein Südafrika verfrachet, welches weit entfernt von dem ist, was in Touristenprospekten präsentiert wird. Und was meiner Meinung nach wahrscheinlich deutlich näher am „echten“ Südafrika ist. Eine Welt, die immer noch von Rassismus durchzogen ist und durch Ghettos, Stammeskriege und ein Leben weit unterhalb dessen, was wir als Existenzminimum sehen, geprägt wird. Das ist bedrückend, deprimierend, es macht wütend – und es wirkt vor allem zu jeder Zeit absolut authentisch. Die Atmosphäre ist somit wohl sicherlich nicht jedermanns Sache, wer allerdings eben nicht unbedingt eine Hochglanzglitzerwelt braucht, um ein Buch genießen zu können, wird sicherlich dankbar dafür sein. Und die Spannung? Anders als in „Stiller Tod“ findet man in „Staubige Hölle“ tatsächlich von Anfang an Zugang zum Spannungsbogen, der sich zunächst zwar gemächlich, mit steigender Seitenzahl aber immer schneller aufbaut. Das Buch gewinnt zusehends an Tempo und entwickelt sich schließlich zu einer Hetzjagd, die man nicht mehr zur Seite legen möchte. Immer wieder werden Wendungen eingebaut, die zwar nicht immer unvorhersehbar sind, aber grundsätzlich funktionieren. Garniert wird das Buch mit einem Finale, das einem packenden Actionthriller gleicht und, passend zum düsteren Grundtenor, weit entfernt davon ist, ein Happy End zu sein.

Wie ich schon sagte, fand ich das Figurengeflecht meines letzten Smith sehr interessant. „Staubige Hölle“ verfolgt den gleichen Ansatz, sodass ich schnell von den Figuren mitgerissen wurde. Zwar findet man hier, ebenfalls passend zum Kontext, eigentlich keinen echten Sympathieträger, keinen Helden, aber auch keinen Schurken im eigentlichen Sinn. Roger Smith malt nicht in schwarz/ weiß, er ist ein Graustufenkünstler. Das sorgt dafür, dass seine Charaktere wieder sehr bodenständig und realistisch wirken. Besonders die Hauptfiguren werden auch hier wieder auf eine Art miteinander verwoben, die eigentlich absolut unwahrscheinlich erscheint, dabei aber fernab von irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen fixen Ideen ist. Das Prinzip funktioniert also wieder bestens. Neben der Beziehung zueinander ist auch die Entwicklung, besonders bei Hauptakteur Dell, sehr interessant zu verfolgen und, trotz aller Unwahrscheinlichkeiten, realistisch. Etwas schade fand ich jedoch, dass man stellenweise das Klischee vom dummen Afrikaner präsentiert bekommt, besonders wenn es um Heilmethoden und ähnliches geht. Ich möchte mir an dieser Stelle allerdings kein Urteil darüber erlauben, ob das nicht vielleicht doch den Tatsachen entspricht.

Der Stil. Roger Smith versteht sich darauf, alles wesentliche in kurze und knappe Sätze zu packen. Teilweise mag das etwas abgehackt wirken, ist aber in den jeweiligen Situationen durchaus angebracht und sehr wirkungsvoll. Das Erzähltempo steigert sich immer mehr und „Staubige Hölle“ wird spätestens ab der Hälfte zu einem lupenreinen Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Der Autor verzichtet nicht darauf, vereinzelte (drastische) Gewaltspitzen einzubauen, die ebenfalls realistisch wirken und dadurch deutlich härter erscheinen, als es in einem Splatter-Roman der Fall ist. Die Beschreibungen Afrikas wissen zu gefallen und lassen ein sehr deutliches Bild der Szene im Kopf entstehen. Hierfür mein Kompliment auch an die Übersetzer Peter Torberg und Jürgen Bürger, die ihren Teil dazu beigetragen haben, diesen Effekt ins Deutsche zu übertragen. Ein Kritikpunkt sei noch erlaubt, der nicht direkt mit dem Stil zu tun hat. Das Schriftbild des Buches ist klein. Sehr klein. Winzig geradezu. Das sorgte an der einen oder anderen Stelle, besonders wenn man lange am Stück gelesen hat, für Kopfschmerzen. Hier wäre ein größeres Format oder eine höhere Seitenzahl sicherlich angenehmer für mich gewesen.

Fazit:

9Staubige Hölle“ weist die gleichen Stärken auf, die mir bereits an „Stiller Tod“ so gut gefallen haben, allerdings ohne die Schwächen dieses Buches. Ein Spannungsbogen, der sich konstant und mit steigendem Tempo aufbaut wird mit einer sehr düsteren und bösen Atmosphäre verpaart. Dazu werden Figuren erschaffen, die einfach „real“ wirken und gerade weil sie weit weg vom typischen Romanhelden sind sehr zu gefallen wissen. Ein großartiges Buch, das – abgesehen vom kleinen Schriftbild und wenigen klischeehaften Sequenzen – keine großen Schwächen hat.

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian