der thron der weltOT: Hawk Quest

Taschenbuch: 972 Seiten
Verlag: Rowohlt

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Kommandeur Vallon-Reihe, Band 1

Inhaltszusammenfassung:

Eine unglaubliche Reise wartet auf den Franken Vallon und seinen Begleiter Hero. Nachdem Heros Meister Cosmas verstorben ist, schließt dieser sich dem Söldner an, welcher geschworen hat, ihn bis ans Ende ihrer Reise zu begleiten. Die Aufgabe: den normannischen Edelmann Walter, welcher von den Seldschuken als Geisel festgehalten wird, auszulösen. Der Preis dafür: 2 Paare Gerfalken, welche nur in Island zu finden sind. Die Reise führt die Gefährten von England über Island bis hin ins ferne Persien.

Kritik:

Ich war sehr gespannt auf “Der Thron der Welt”, versprachen die erste Leseprobe und die Thematik doch einen sehr interessanten und unterhaltsamen Roman. Die Gefahr, hier einer Fehleinschätzung zu unterliegen war natürlich recht hoch, klingt vieles von dem, was man aus dem Klappentext heraus lesen kann doch altbekannt, außerdem wirkt die komplette Aufmachung und nicht zuletzt auch der Titel schon sehr dicht an Ken Follett angesiedelt, welcher in diesem Genre mit seinen Säulen der Erde und natürlich “Die Tore der Welt” Maßstäbe gesetzt hat. Ich möchte vorab bemerken, dass einige meiner Kritikpunkte leider nicht ohne spoiler auskommen, diese sind aber entsprechend markiert.

Und so dicht wie Anmutung und Titel auch an Follett sind, so sehr muss man bei Robert Lyndons Werk doch mit Abstrichen leben. Zwar gelingt es dem Autoren schon recht gut, den Leser ins finstere Mittelalter zu versetzen, allerdings ist das auch schon der größte Pluspunkt, denn über die gut 960 Seiten des Buches kommt es doch immer wieder sehr zu atmosphärischen Einknickern – was für den Spannungsbogen noch viel mehr gilt. Den anders als dem meiner Meinung nach offensichtlichen Vorbild gelingt es ihm in diesem sehr umfangreichen Werk nicht, die Motivation zum Weiterlesen dauerhaft auf einem hohen Niveau zu halten. Lyndon verbindet immer wieder einige durchaus mit Spannungsspitzen durchsetzte Teilgeschichten mit anderen, sehr viel langweiligeren Fülltexten. Meiner Ansicht nach wäre es deutlich besser gewesen, hier etwas zu straffen, lieber auf einige der Abenteuer zu verzichten (welche den Leser auf Dauer ohnehin die eigentliche Handlung immer wieder aus dem Blick verlieren lassen) und den Roman dafür auf 600 oder 700 Seiten zu straffen. “Der Thron der Welt” verfügt auf Grund dessen auch nicht über die gesamte Länge über Pageturner-Qualitäten, im Gegenteil: zwischenzeitig war ich mehr als einmal drauf und dran, das Buch zur Seite zu legen. Es will schon etwas bedeuten, wenn sich die letzten 150 Seiten über vier Tage ziehen. Schade, denn das Potential wäre tatsächlich da gewesen.

Auf der charakterlichen Seite ist man auch etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es Lyndon gelungen, einige der Charaktere mit durchaus interessanten Hintergründen auszustatten  – dabei beschränkt er sich aber tatsächlich ausschließlich auf die Hauptfiguren. Einige der Nebencharaktere (welche für mich zum Großteil auch noch deutlich sympathischer waren als Vallon und Hero) hätten sicherlich mit einem besser ausgearbeiteten Background noch deutlich interessanter gewirkt. Traurigerweise muss man dazu auch sagen, dass der Autor gerade zwei dieser Figuren innerhalb von 50 Seiten in einer weiteren völlig unnötigen und uninteressanten Episode des Buches verheizt. Zugute halten muss man “Der Thron der Welt” aber auf jeden Fall, dass er nicht darauf verzichtet, seine Protagonisten im Verlauf der sich über mehr als ein Jahr erstreckenden Handlung an Hand ihrer Reise reifen zu lassen. Abzüge hingegen gibt es dafür, dass die Handlungsweisen der Charaktere meiner Meinung nach schon einige Logiklücken aufweisen, die auch mit den Erklärungsversuchen des Autoren leider nicht ganz ausgeräumt werden können. Hier ein paar Beispiele (Achtung, Spoiler!)

– Wayland, zu Beginn des Abenteuers noch stumm, kann plötzlich wieder sprechen, weil er eine Frau trifft, die seiner Schwester erstaunlich ähnlich sieht. Weil er sich in sie verliebt hat.

– Vallon, der genau weiß, dass der Normanne Drogo seinen Tod will, verschont ihn immer wieder, obwohl er weiß, dass er seinen Tod will und ihn verraten wird. Angeblich will er aus Buße für seine Vergangenheit niemanden töten, der seine Gruppe nicht direkt bedroht. Ich könnte mir keine größere Bedrohung vorstellen – zumal sich mehrfach die Gelegenheit geboten hat, Drogo auch ohne ihn zu töten loszuwerden.

Dieses sind nun zwar nur zwei Beispiele, wohl aber die eklatantesten, da eben jene Charaktere von Anfang bis Ende Teil der Geschichte sind. Es gibt noch einige andere zu bemängelnde Punkte in dieser Hinsicht, aber ich denke, dass ich mich zur Verdeutlichung meiner Kritik hierauf beschränken kann.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur schriftstellerischen Qualität. Lyndon mag einen Stil haben, der sehr eingängig ist und dabei dennoch gut einen “mittelalterlich” angehauchten Wortlaut mit sich bringt. Dennoch gibt es einige Stilblüten zu begutachten, welche man aber gegebenenfalls noch auf die Übersetzung schieben könnte. Hierzu fehlt mir leider die Vergleichsmöglichkeit. Sehr bedauerlich ist auch, dass Lyndon in “Der Thron der Welt” viel auf seine eigenen Erfahrungen als Falkner und Segler zurück greift, dabei aber oftmals vergißt, die Fachbegriffe auch einem unbelasteten Leser zu verdeutlichen. So habe ich mich, zumindest zu Beginn des Romans, doch ein paar Mal dabei erwischt, dass ich Dinge gegooglet habe, die mich sonst nie interessiert hätten. Hier hätte ich mir auch gewünscht, dass man zumindest einen kleinen Glossar gehabt hätte, der das notwendigste vermittelt, ohne sich externer Quellen bedienen zu müssen.

Fazit:

3Die Erwartungen an “Der Thron der Welt” waren groß, die Erfahrungen hingegen ernüchternd. Lyndon hat versucht, ein Buch zu schaffen, welches mit Follett konkurieren kann, dabei jedoch in allen Punkten verloren. Spannung gibt es nur stellenweise, die Charaktere sind nur bedingt überzeugend und das häufige Verwenden von Fachbegriffen nimmt zusätzlichen Lesespaß.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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