psychoOT: Psycho

Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: rororo

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Klappentext:

Die junge Mary Crane soll für ihren Chef 40.000 Dollar zur Bank bringen. Sie beschließt, stattdessen bei ihrem Verlobten in einem anderen Bundesstaat ein neues Leben anzufangen. Auf dem Weg dorthin verfährt sie sich aber. Es wird schon dunkel, und an der Rezeption des abgelegenen Motels begrüßt sie ein schüchterner Mann mittleren Alters. Sein Name ist Norman Bates.

«Psycho» erschien erstmals 1959 und wurde knapp ein Jahr später von Alfred Hitchcock meisterhaft verfilmt. Der Roman wurde mit dem Edgar Allan Poe Special Award ausgezeichnet und sein Autor über Nacht weltberühmt. Die vorliegende Neuübersetzung stellt unter Beweis, dass dieser Höhepunkt der Spannungsliteratur auch im 21. Jahrhundert noch unübertroffen ist.

Kritik:

Psycho“ ist wohl eines der besten Beispiele für eine Buchverfilmung, von der viele nicht einmal wissen, dass es eine solche ist. Ich kenne kaum jemanden, der Hitchcocks großartigen Film nicht kennt, dafür aber sehr viele, die nicht wissen, dass ein Roman dazu existiert – oder die aber der Meinung sind, dass die Vorlage ebenfalls aus der Feder des berühmten Regisseurs stammt. Was nun also bewegte den guten Mann dazu, dieses Buch zu verfilmen? Ich war sehr gespannt.

Schnell wird dabei klar, dass das Buch in jedem Fall mit der Verfilmung mithalten kann. Bloch baut in „Psycho“ vom Start weg eine sehr dichte Atmosphäre auf, die den Leser packt und mit jeder Seite mehr und mehr in den Roman hinein zieht. Der Spannungsbogen steigt stetig, was hinsichtlich der Tatsache, dass ich den Film mehrfach gesehen habe, eine echte Überraschung war. Sicherlich, man wusste bereits, was passieren würde, allerdings beschäftigt sich das Bloch in seinem Werk noch etwas intensiver mit der Figur des Norman Bates, seinen Hintergründen und mit dem, was hinter seiner Stirn so vor sich geht. Daraus zieht „Psycho“ einen Großteil seiner Wirkung auf den Leser und eben das ist es, was den Roman so lesenswert macht. Wer Hitchcocks Film nicht kennt wird sicherlich noch etwas mehr Vergnügen mit dem Buch haben, denn der gelungene Schlusstwist zeichnet sich hier zwar ebenfalls schon ab und an ab, dürfte aber alles in allem immer noch sehr überraschend kommen.

Zu den Figuren muss man eigentlich ebenfalls nicht mehr viele Worte verlieren. Oder eigentlich doch, denn besonders Bates selbst unterscheidet sich doch deutlich vom durch Anthony Perkins dargestellten Charakter, vor allem was die Optik betrifft. Ansonsten ist Hitchcocks Darstellung schon gut an diese Vorlage angelehnt, wobei Bloch „seinem“ Norman noch etwas mehr Profil zu verleihen konnte. Das überträgt sich zwangsläufig auch auf die anderen Hauptfiguren, die ebenfalls filmisch sehr gut umgesetzt wurden und am Buch bleiben, hier aber besonders im Falle von Marys (Marions) Schwester Lila noch weitaus stärker ausgearbeitet sind. Alles in allem ist „Psycho“ also auch in diesem Punkt dem Film voraus.

Stilistisch weiß Bloch zu gefallen. Dank Hannes Riffels sehr gelungener Neuübersetzung der 35th Anniversary Edition ist das Buch auch für den heutigen Leser überaus eingängig. Der Autor mag kein großer Wortvirtuose gewesen sein, liefert aber dennoch einen sehr effektiven und spannenden Thriller ab, der direkt auf den Punkt kommt und dabei doch nie einfach wie „dahingeklatscht“ wirkt. Durch das Nachwort, welches mit den Worten „Das Buch ist immer noch da. Ich auch.“ endet, wird dem Leser zudem seine Sichtweise auf das eigene Werk und die Entwicklung, die es durchgemacht hat noch einmal näher gebracht. Zynisch dabei ist, dass er die Veröffentlichung dieses Nachwortes nicht mehr miterlebt hat. Auf jeden Fall aber dennoch interessante Hintergrundinfos, die diese Veröffentlichung noch einmal ein wenig aufwerten.

Fazit:

10Robert Blochs „Psycho“ ist zu Recht ein Meilenstein des modernen Thrillers, so man das bei einem Buch aus dem Jahr 1959 überhaupt so sagen kann. Wo der Film schon großartig ist, legt diese Vorlage an fast allen Fronten noch einmal nach und übertrifft ihn. Hochspannend auch für Kenner des Films, toll charakterisierte Figuren und durch eine zeitgemäße Übersetzung sehr flüssig und eingängig zu lesen sollte jeder Thriller- (und meiner Meinung nach auch jeder Film-)freund einmal einen Blick darauf werfen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian