war chant 1Taschenbuch: 350 Seiten
Verlag: Amrûn Verlag

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War Chant-Reihe, Band 1

Klappentext:

Die junge Gladiatorin Harbinger lebt auf Odyssey, wo sich die Menschen nach der großen Flutkatastrophe ein neues Heim geschaffen haben. Doch die Insel ist zerfressen von Machtgier und das totalitäre System der Sieger macht den Bewohnern das Leben schwer. Unfreiwillig wird Harbinger in den erbitterten Freiheitskampf der Rebellen hineingezogen, muss aber erkennen, dass es in dieser Welt kein Gut und Böse gibt, sondern alles seine Schattenseiten hat.

Kritik:

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass ich gerne Dystopien lese. Genau so ist es ein offenes Geheimnis, dass ich schon viele Geheimtipps aus den Reihen der Kleinverleger für mich entdecken konnte. Im Falle von „War Chant – Sieger“ trifft jetzt also Dystopie auf Kleinverlag, was vom Grundsatz her schon mal gute Voraussetzungen für einen weiteren Geheimtipp sind.

Sicherlich wird nun in Hinsicht auf den Klappentext schnell der Vergleich zu Suzanne Collins und ihrer Panem-Trilogie aufkommen, in dieser Hinsicht kann aber schon einmal Entwarnung gegeben werden. Ja, zunächst sieht alles ein bisschen nach den Hungerspielen und dem damit verbundenen Metaplot aus, allerdings entwickelt sich Nika S. Daveron mit ihrer Geschichte dann doch deutlich eigenständiger, als es zunächst den Anschein haben mag. Dabei gelingt es ihr, die Müllinsel Odyssey, den Hauptschauplatz von „War Chant – Sieger„, sehr gut zu beschreiben und ein Bild im Kopf des Lesers festzusetzen. Damit einhergehend ist zumindest anfangs auch eine sehr dichte, düstere Atmosphäre die gut zur Dystopie passt. Nach der Einführung der Hauptfigur entwickelt sich dann auch schnell ein Spannungsbogen, Langeweile kommt also nicht auf. Allerdings muss sich die Autorin auch diverse Logiklücken und vielleicht sogar mangelhafte Recherche in der Geschichte vorwerfen lassen. Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, wer genauer wissen möchte, woher dieser Vorwurf kommt, hat die Möglichkeit einzelne Passagen im abschließenden Spoiler nachvollziehen zu können. Unpassend wirkte auf mich auch die zum Ende hin eingewobene Lovestory, die der Geschichte, oder besser gesagt der Figur Harbinger, dann zusätzlich noch etwas von ihrer Glaubwürdigkeit nimmt. Auch der Cliffhanger nach dem temporeichen Finale war sehr unbefriedigend, wobei das natürlich eine rein persönliche Ansicht ist. Ein etwas runderes Ende hätte dem Buch meiner Meinung nach aber gut getan. Ebenso hätte ich gerne eine Erklärung gehabt, was es nun tatsächlich mit den Siegern auf sich hat. Wen haben sie besiegt? Und warum? Und überhaupt? Offene Fragen, die hier (noch?) nicht geklärt werden.

Die Charaktere sind ebenfalls so ein Punkt für sich. „War Chant – Sieger“ präsentiert mit Harbinger eine Hauptfigur, die weit davon weg ist, sympathisch und somit eine Identifikationsfigur zu sein. Zwar mag die charakterliche Entwicklung in vielen Punkten noch nachzuvollziehen sein, allerdings eben nicht in allen. Mehr dazu gibt’s ebenfalls im Spoiler zu lesen. Es sei hier aber schon so viel gesagt: diese Entwicklungen sorgten zumindest bei mir nicht dafür, dass mir die Akteurin mehr ans Herz gewachsen ist, unter dem Strich war sie auch am Schluss immer noch eine ziemliche Zicke. Mit Crawford hat ihr die Autorin zwar einen wunderbar fiesen Gegenspieler zugeschrieben, allerdings ist besonders diese Konstellation am Ende dann auch Anlass für Ärger.

Stilistisch bin ich ebenfalls hin- und hergerissen. Über weite Strecken konnte Nika S. Daveron mich mit ihrer Art zu schreiben überzeugen. Sie hat einen sehr bildlichen Stil, der es dem Leser sehr leicht macht, sich in die von ihr erdachte Welt hinein zu finden. Allerdings wird dieser positive Grundeindruck hin und wieder durch unpassende Wortwahl oder seltsam anmutende Satzkonstruktion gestört. Hier ist definitiv noch Luft nach oben. Was ebenfalls verbesserungswürdig ist, ist die Tatsache, dass es in gewissen Situationen keine Erklärung seitens der Autorin gibt, was der Leser nun einfach als gegeben hinzunehmen hat. Das ist auch sehr ärgerlich, da es in diesen Momenten ein bisschen so wirkt, als ob die Idee eigentlich noch gar nicht zu Ende gedacht wurde.

Fazit:

4War Chant – Sieger“ von Nika S. Daveron hat Licht, aber leider auch sehr viel Schatten zu bieten. Der sehr bildliche Schreibstil der Autorin krankt leider immer wieder unter schwachen Satzkonstruktionen und unpassend anmutender Wortwahl. Das stört die Atmosphäre ebenso sehr wie die immer wieder aufblitzenden Logiklücken und (das ist nun aber meine rein persönliche Sicht der Dinge) die unnötig eingeflochtende Lovestory und der Cliffhanger am Ende. Dem gegenüber steht eine gelungene Atmosphäre und eine temporeiche und zumeist spannende Erzählweise, die das Buch aber leider in der Gesamtheit auch nicht mehr übermäßig weit nach Vorne bringen können.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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