der schuppenTaschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Luzifer Verlag Steffen Janssen

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Klappentext:

Der Schuppen … stand schon immer hinten im Garten vor der großen Dornenhecke.
Der Schuppen … birgt seit Generationen das schreckliche Geheimnis meiner Familie.

An einem kalten Tag im Februar 1986 verliere ich meine Kindheit, als ich in den alten Schuppen im Garten gehe und in einer staubigen Ecke die Falltür entdecke. Davor stehen ein schäbiger Sessel und eine Flasche Whiskey. Jemand hatte sich hier gemütlich eingerichtet.
Als ich die Stufen hinab in die Erde steige, spüre ich mit jedem Schritt, wie sich etwas in mir verändert. Am Ende der alten Holztreppe angelangt, bin ich ein anderer. Ich bin kein Kind mehr …

Kritik:

Ich stand ja schon immer auf dem Standpunkt, dass ein Buch nicht zwangsläufig gut ist, nur weil es von einem amerikanischen Autoren kommt. Genauso habe ich auch immer gesagt, dass ein Buch nicht schlecht sein muss, weil es ein Deutscher geschrieben hat. Nun lag mir also mit „Der Schuppen“ der neue Horror-Thriller von Michael Dissieux aus dem Saarland vor, dessen „Graues Land„-Trilogie einen sehr guten Ruf hat. Man durfte also gespannt sein.

Schnell wird dabei auch klar, dass der Autor etwas von seinem Handwerk versteht. „Der Schuppen“ baut schnell eine äußerst bedrückende Atmosphäre auf, die von Drama über knallharten Thrill bis hin zu (und hier sehe ich den Fokus dann auch tatsächlich) einem Psychogramm eines Serienkillers schwankt. Nun mag man hinsichtlich dieser Worte den Eindruck gewinnen, dass der Roman weder Fisch noch Fleisch ist, was ich aber eindeutig verneinen muss. Die Gesamtheit aller Einflüsse offenbart ein absolut rundes Gesamtbild, welches zudem auch noch sehr spannend erzählt ist. „Der Schuppen“ wird schnell zu einem waschechten Pageturner, auch wenn sich das Ende schon im Lauf der Geschichte immer wieder abzeichnete.

Dissieux hat hinsichtlich seines Hauptcharakters sämtliche Register gezogen. Der Leser ist schnell in der Lage, eine Beziehung zu Serienmörder Jackson aufzubauen, was auf der einen Seite natürlich für den Lesefluss sehr gut und wichtig, auf der anderen Seite hinsichtlich seiner Obsession aber auch fast schon erschreckend ist. „Der Schuppen“ zeichnet das Bild einer Figur, die von vorne bis hinten durchdacht ist und deren Entwicklung, wenn auch unter reichlich morbiden Gesichtspunkten, sehr gut nachvollziehbar ist. Ich lehne mich vielleicht etwas weit aus dem Fenster, aber der Roman, beziehungsweise die Stärke des Akteurs, kann über weite Strecken mit Kings ähnlich ausgelegtem „Amok“ mithalten. Die anderen Charaktere sind hier dafür aber mehr oder weniger schmückendes Beiwerk, deren einzige Aufgabe es ist, die Geschichte voran zu bringen. Das stört nun aber nicht unbedingt, denn Jackson ist nun einmal Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Zum Stil muss man tatsächlich sagen, dass „Graues Land“ seinen Ruf zu Recht hat. Michael Dissieux versteht sich ausgesprochen gut auf eine sehr bildliche Sprache. Hier und da gerne mal etwas ausschweifend gehört er zu einem der anspruchsvolleren Vertreter der deutschen Autorenzunft. Das mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, denn „Der Schuppen“ ist halt kein schnell gelesener klassischer Thriller, ich für meinen Teil mag aber diese Art zu erzählen sehr, vor allem da man daran auch deutlich merkt, dass es dem Autoren wichtig ist, einen guten Roman abzuliefern.

Fazit:

10Mit „Der Schuppen“ konnte Michael Dissieux mich absolut überzeugen. Ich war zwar zu Beginn ob des Titels, der mich fatal an die Werke Richard Laymons (mit dem ich so gar nichts anfangen kann) erinnerte, zunächst etwas skeptisch, aber bereits nach ein paar Seiten hatte mich das Buch absolut gefangen genommen. Der Roman ist kein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein sehr spannendes und atmosphärisch dichtes Psychogramm eines Serienkillers, der durch einen großartigen Hauptcharakter und einen anspruchsvollen und sehr bildlichen Erzählstil besticht. Klasse!

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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