zweiunddieselbeOT: The Adoration of Jenna Fox

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 4 (5. August 2009)

Inhalt:
Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Wahrheit, der sie schließlich Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: Jenna hatte einen furchtbaren Unfall – und ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch ist sie wirklich noch dieselbe?

Kritik:

Ich hab neulich mal wieder im Fischer Verlag gestöbert und bin dabei über Zweiunddieselbe gestolpert. Auch wenn es keine Neuheit war, sprach mich der Klappentext doch unheimlich an, obwohl er einen nicht auf das vorbereitet, auf das man im Buch trifft. Ich werde bei dieser Rezension ein wenig spoilern müssen, um auf die Geschichte einzugehen, aber ich werde es vorher anmerken und trotzdem so knapp wie möglich halten. So viel sei aber schon einmal verraten: dieser Roman beschäftigt die Gedanken in so rasanter Geschwindigkeit wie ein Hochgeschwindigkeitszug, und das war nach einigen Flops in den letzten Wochen und Monaten wirklich erfrischend.

Die Geschichte ist vielleicht nicht so neu, auch wenn ich etwas in der Art noch nicht gelesen habe. Sie spielt in der Zukunft, wie weit genau, wird allerdings nicht erwähnt. Jenna hatte einen Unfall und erwacht nach einem Jahr aus dem Koma. Von Anfang an hat sie das Gefühl, sich selber fremd zu sein, weil sie sich an absolut nichts mehr erinnern kann. Weder an den Unfall, noch an die Zeit davor. Ihre Eltern geben sich alle Mühe, ihr die Situation zu erleichtern, doch ihre Großmutter bleibt seltsam distanziert, als sei Jenna auch für sie eine Fremde, obwohl die beiden früher ein ungewöhnlich inniges Verhältnis hatten. Nach und nach bemerkt Jenna, dass ihre Familie sie offenbar vor der Welt verstecken will. Sie beginnt nachzuforschen. Und nach und nach kehren auch Erinnerungsfetzen an ihr altes Leben zurück. Doch anstatt Antworten zu finden, tauchen nur immer neue Fragen auf, und was Jenna schließlich entdeckt, erscheint ihr ungeheuerlich und stürzt sie außerdem in tiefe Konflikte. Was mir an der Geschichte besonders gut gefallen hat, war die Art und Weise, wie sie erzählt wurde. Die einzelnen Kapitel sind aus der Sicht von Jenna verfasst und in der Regel relativ kurz gehalten, so dass man auch wahnsinnig flott vorankommt, mal ganz davon abgesehen, dass man das Buch auch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Das liegt vor allem daran, dass die Autorin hier ihr Handwerk versteht und einen fesselnden Spannungsbogen aufbaut. In letzter Zeit gefiel mir die Vorhersehbarkeit so mancher Geschichte überhaut nicht, aber Mary E. Pearsons Geschichte verrät immer nur so viel, wie der Leser zu wissen braucht und schockt einen im richtigen Moment mit den nötigen Details. Und so erschafft sie eine Geschichte, die den Leser zwingt, sich mit der Situation auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken. Und nachdenken tut man sehr oft. Man fragt sich, wie man sich fühlen würde, wenn man die Dinge raus finden würde, die Jenna aufdeckt. Man leidet mit ihr, versteht ihre Zweifel und ihren Zwiespalt, weil man selbst irgendwie berührt ist von den Dingen, die man mit ihr gemacht hat und fragt sich unwillkürlich, wie man selber entschieden hätte. Denn man setzt sich auch mit der Gegenpartei – in diesem Fall der ihrer Eltern – auseinander, die einfach bereit waren, alles zu tun, um ihr einziges Kind zu retten, das andernfalls gestorben wäre. Sehr oft stellt das Buch dem Leser die Frage, wie weit man gehen darf, um ein Leben zu retten. Andererseits stellt es auch die Frage – Achtung Spoiler! -, wieviel man noch man selbst ist, wenn der Großteil des Körpers künstlicher Natur ist. Und diese Fragen werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, so dass man sich mit den verschiedenen Ansichten auseinandersetzen muss. Ein großes Lob geht also an dieser Stelle an die Autorin, die zumindest hinsichtlich der Geschichte, der Spannung und des Anregens zum Nachdenken über die Frage der Ethik absolut alles richtig gemacht hat. Ein wenig leiden musste dafür das Ende, denn auch wenn es an sich ganz gut gelungen ist, gab es am Ende doch eine Sache, die mich gestört hat und unglaubwürdig wirkte, und dieser Punkt betraf Allys wegen der plötzlich Wendung, obwohl sie ihre festen Überzeugungen hatte und das auch gut so war.

Leider leiden die Charaktere meiner Meinung nach ein wenig. Man leidet und fühlt zwar mit Jenna und kann sich ganz wunderbar in sie hinein versetzen, und ja, man kommt nicht umhin die alte Jenna abzulehnen, dafür die neue Jenna aber umso mehr zu mögen. Jennas Eltern bleiben ein wenig oberflächlich, aber das ist vielleicht auch so gewollt. So setzt man sich zwar mit ihrer Situation auseinander, aber besonders Jennas Mutter wird durch die Besessenheit von ihrer Tochter leider oft und eher unsympathisch. Das macht wiederum ihre Großmutter Lily wieder wett, die zwar anfangs eine ablehnende Haltung Jenna gegenüber hat, aber für mich neben Jenna die größte Charakterentwickllung durchmacht, und die man einfach nur mögen kann. Die Nebenfiguren werden ausreichend angeschnitten, wenngleich ich mir bei Ethan etwas mehr Charaktertiefe gewünscht hätte, wohingegen Allys wirklich schön ausgearbeitet wurde. Dane erschien mir am Ende völlig überflüssig, und ich frage mich jetzt noch, wofür genau dieser Charakter eingebracht wurde.

Fazit:
9“Zweiunddieselbe” ist ein großartiger Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt. Er zwingt den Leser dazu, sich mit der Situation und der Frage der Ethik zu befassen und auseinanderzusetzen. Die Geschichte ist spannend und fesselnd erzählt, bietet sogar eine Romanze, die aber derart im Hintergrund bleibt und in die Geschichte miteinfließt, dass sie niemals aufgetragen wirkt und zu keiner Zeit verdrängt, worum es wirklich geht. Lediglich einige der Charaktere bleiben ein wenig blass, aber darüber kann man hinweg sehen. Ich kann das Buch nur ausdrücklich weiter empfehlen.

Ela

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.
Ela