prinz der dunkelheitOT: Prince of Thorns

Taschenbuch: 381 Seiten
Verlag: Heyne

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Klappentext:

Die Dunkelheit ist nicht das Ende, sie ist erst der Anfang.
Als Kronprinz Jorg mit ansehen muss, wie seine Mutter und sein Bruder ermordet werden, bricht für ihn eine Welt zusammen. Sein Vater, der König, unternimmt jedoch nichts, und so schwört Jorg Rache und schart eine Horde Gesetzloser um sich. Mordend und brandschatzend ziehen sie durch das Land und sind weithin gefürchtet. Doch Jorgs Rachefeldzug hat gerade erst begonnen – denn ein finsteres Schicksal voller Blut und Magie erwartet ihn…

Kritik:

Bei diesem Roman von Mark Lawrence handelt es sich um sein Debut – was ja nicht zwangsläufig etwas schlechtes bedeuten muss. Auf der anderen Seite wird man sich nach dem Lesen des Klappentextes wohl zwangsläufig denken “Das kenne ich doch schon irgendwie”. Ja, einen Innovationspreis wird das Buch tatsächlich nicht gewinnen, es bleibt nun also abzuwarten, ob die inneren Werte stimmen, wenn man schon eine oft durchgekaute Geschichte vorgesetzt bekommt.

Eigentlich kann man sagen, dass Lawrence mit seinem Erstling nicht sonderlich viel falsch gemacht hat. Ja, es ist korrekt, dass seine Handlung sicherlich nicht gerade neu ist, aber zumindest ist der Mann in der Lage, das Bekannte in einem sehr schönen Gewand unter die Leute zu bringen – auch wenn er (wie es mir in letzter Zeit dauernd unterkommt) den “Prinz der Dunkelheit” aus der Sicht seines Hauptcharakters erzählt. Zumindest aber in der Vergangenheitsform. Hurra! Es gelingt ihm dennoch, seinem Werk einen nicht zu verachtenden Spannungsbogen zu verleihen, bei dem es zwar immer wieder einmal zu kleineren Hängern kommt, der sich aber nach diesen Phasen schnell wieder auf das Wesentliche konzentriert. Die Atmosphäre ist größtenteils gelungen und streckenweise wirklich sehr düster geraten, der deutsche Titel ist somit gut gewählt – wobei der englische “Prince Of Thorns” noch passender ist. Hier soll jedoch nicht zu viel verraten werden, denn die Spoiler-Gefahr wäre dabei sehr groß. Was es jedoch zu bemängeln gibt, ist die Tatsache, dass Lawrence auch bei den Locations mitunter sehr einfallslos ist. Schlösser, Burgen, Dörfer, alles schön und gut. Aber spätestens beim Gang durch die das Höhlensystem unter einem Berg fühlte ich mich schon arg an die Minen von Moria erinnert. Die Ausflüge in moderne Gefilde (so trifft man zum Beispiel ein Computersystem und – Achtung Spoiler – eine Atombombe an) wirken arg deplatziert, ebenso der Mix aus realer und Fantasy-Welt (unter anderem liest Jorg Nietzsche und Platon, es tauchen Teutonen auf etc.). Es mag sein, dass Lawrence den Aufbau einer fiktiven Zivilisation nach dem Untergang der unseren plant, allerdings ist sein Stil in diesem Punkt nicht ganz schlüssig, beziehungsweise unlogisch: warum ist Platon zum Beispiel bekannt, während bei Begegnungen mit unserer moderneren Zivilisation von den “Erbauern” gesprochen wird? Schade, hier hätte man sicherlich mehr Potential gehabt, welches aber nicht ausgeschöpft wurde.

Die Charakterzeichnungen sind leider zum Großteil recht schwach ausgefallen. Zwar erfährt man sehr viel über Jorg, seine Beweggründe und seine Vergangenheit, die anderen Figuren bleiben aber blass. Sie sind hat die Begleiter des jungen Prinzen, haben ihre Namen und werden in kurzen Texten zwischen den Kapiteln auch teilweise zumindest ansatzweise charakterisiert, viel mehr kann man aber nicht erwarten. Schade, denn auch die Geschichte des Nubiers oder von Hauptmann Markin wären mit Sicherheit auch sehr interessant zu lesen gewesen. So bleibt leider nur der Chef mit seiner halbwegs gesichtslosen Meute übrig, bei deren Toden oder Handlungen man nur bedingt mitfiebern kann. Auch hier also kein Sieg auf ganzer Linie, aber zumindest gute Ansätze.
Der Stil des Autoren ist durchaus ansprechend. Mark Lawrence versteht es, triviale Literatur halbwegs anspruchsvoll zu schreiben, auch der Übersetzer hat hier seinen Job sehr gut gemacht (danke vor allem auch dafür, dass nicht sämtliche Begriffe stumpf eingedeutscht wurden – eine schreckliche neue Mode!). Das Buch ist flüssig geschrieben, ohne dass man Lawrence großartige Fehler zuschreiben müsste. Spontan könnte man nur sagen, dass der zaghaft eingestreute Humor hinsichtlich seines verbitterten Hauptcharakters teilweise deplatziert wird, allerdings sind diese Momente recht selten. Auch in den Gewaltdarstellungen ist er nicht sonderlich zurückhaltend, auch wenn man hier sicherlich kein “Schlachtfest” zu erwarten hat. Die Gewalt steht nicht im Vordergrund, sondern wurde passend in die düstere Story und die brutale Welt eingebaut, die hier geschaffen wurde.
Fazit:
7Unterm Strich bleibt “Prinz der Dunkelheit” ein durchaus gelungener Erstling, dem man einige Schwächen verzeiht, weil weitaus mehr auch richtig gemacht wurde. Ich hoffe, dass sich Lawrence in eventuell noch folgenden Werken steigern kann und somit ein mehr als “nur” gelungenes Buch abliefern kann, welches die auftretenden Fragen beantworten kann.
Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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